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Außenhandel Lesezeit 2 Min.

Neue Zölle auf Stahl und Aluminium schaden EU und USA

Fast zeitgleich zum Zollabkommen mit der EU haben die USA die Liste an Stahl- und Aluminiumprodukten, auf die Strafzölle entfallen, erweitert. Das trifft viele Kernbereiche der europäischen Industrie – schadet aber auch den Amerikanern selbst.

Kernaussagen in Kürze:
  • Anfang August hat die US-Regierung die Liste der Waren, auf die Stahl- und Aluminiumzölle entfallen, erweitert.
  • Im Jahr 2024 betrug der Wert der von der EU in die USA exportierten Waren aus Kernbereichen der Industrie, bei denen Stahl und Aluminium wichtige Bestandteile ausmachen und auf die nun die neuen Zölle entfallen, rund 35 Milliarden Dollar – das waren 5,7 Prozent aller EU-Exporte dorthin.
  • Da bei vielen dieser Waren eine recht große Importabhängigkeit der USA von der EU besteht, könnten europäische Unternehmen die zusätzliche Zollbelastung über Preiserhöhungen größtenteils an die amerikanischen Käufer weitergeben.
Zur detaillierten Fassung

Ende Juli haben sich die EU und die USA auf ein Zollabkommen geeinigt, künftig wollen die Amerikaner auf die meisten Importe aus der EU einen maximalen Zollsatz von 15 Prozent erheben. Doch ein entscheidender Bereich blieb außen vor: Für viele Stahl- und Aluminiumprodukte gilt weiterhin ein Strafzoll von 50 Prozent.

Die EU setzt darauf, diesen Punkt in weiteren Gesprächen über Zollquoten neu zu regeln. Damit würden die höheren Zölle nur auf US-Importe erhoben, die über die Mengen der vergangenen Jahre hinausgehen. Ein Entgegenkommen aus Washington ist jedoch nicht in Sicht – im Gegenteil: Anfang August hat die US-Regierung die Liste an Waren, auf die Stahl- und Aluminiumzölle entfallen, erweitert.

Mit den Strafzöllen, die die USA auf viele Stahl- und Aluminiumprodukte erhebt, schaden sich die Amerikaner wirtschaftlich selbst – schließlich besteht bei vielen dieser Waren eine große Importabhängigkeit von der EU.

Darunter ist zwar eine Reihe von Produkten aus dem Lebensmittel- und Chemiebereich, bei denen nur der Wert an Metall in den Verpackungen betroffen ist und die zusätzliche Zollbelastung somit entsprechend gering ausfällt. Die höheren Zölle treffen aber auch viele Waren aus Kernbereichen der Industrie, bei denen Stahl und Aluminium wichtige Bestandteile ausmachen. Hier ist das Exportvolumen der EU in die USA recht hoch: Im Jahr 2024 betrug der Wert dieser von der EU in die USA exportierten Stahl- und Aluminiumprodukte rund 35 Milliarden Dollar – das waren 5,7 Prozent aller EU-Exporte dorthin. 34 Milliarden Dollar davon entfielen auf die drei Warengruppen Elektronik, Straßenfahrzeuge und Maschinenbau.

Innerhalb der EU ist die deutsche Industrie überdurchschnittlich von dem höheren Zoll auf diese Waren betroffen. Sie machten mit rund 14,4 Milliarden Dollar fast 9 Prozent der gesamten deutschen Exporte in die USA aus.

USA beim Import vieler Waren von der EU abhängig

Mit ihrem Vorgehen schadet sich die USA allerdings auch selbst. Schließlich besteht bei vielen dieser Waren eine recht große Importabhängigkeit von der EU (Grafik):

Bei 99 der neu von den Zöllen betroffenen Produkte bezogen die USA 2024 mindestens 50 Prozent ihrer Importe aus der EU.

Bei so vielen Waren, die Stahl und Aluminium als wichtige Bestandteile haben und seit August 2025 neu von den amerikanischen Stahl- und Aluminiumzöllen in Höhe von 50 Prozent betroffen sind, betrug der Anteil der Importe aus der EU im Jahr 2024 an allen Einfuhren der USA mindestens so viel Prozent Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Damit lagen Einfuhren in Höhe von rund 9 Milliarden Dollar über der 50-Prozent-Schwelle.

Hinzu kommt: 45 dieser Waren, die 2024 zusammen auf einen Importwert von 6,4 Milliarden Dollar kamen, machten in den vergangenen fünf Jahren durchgehend mehr als 50 Prozent der entsprechenden US-Importe aus. Das spricht dafür, dass diese Produkte für die USA nur schwer zu substituieren sein dürften. Die europäischen Unternehmen könnten demzufolge die zusätzliche Zollbelastung über Preiserhöhungen größtenteils an die amerikanischen Käufer weitergeben.

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