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Neue Pipelines in Planung

In ganz Europa ist Erdgas in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der wichtigsten Energiequellen geworden. Doch auch wenn sich die EU-Staaten teilweise noch selbst versorgen können - ein großer und wachsender Teil des Gases muss importiert werden, vor allem aus Russland.

Kernaussagen in Kürze:
  • In ganz Europa ist Erdgas in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der wichtigsten Energiequellen geworden.
  • Aus Russland stammten 2010 fast 32 Prozent des importierten Gases, aus Norwegen gut 28 Prozent.
  • Wenn die zweite Rohrleitung von Nordstream vollständig verlegt ist, werden bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr transportiert.
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Auch in der Europäischen Union wird Erdgas gefördert – die heimische Produktion deckt allerdings nur rund ein Drittel des Verbrauchs. Der Rest wird importiert: Über Pipelines oder verflüssigt in Tankschiffen kamen zuletzt rund 330 Milliarden Kubikmeter Erdgas in die EU-Mitgliedsstaaten. Das meiste Gas beziehen sie aus zwei Ländern (Grafik):

Aus Russland stammten 2010 fast 32 Prozent des importierten Gases, aus Norwegen gut 28 Prozent.

Die Bedeutung der Importe dürfte weiter zunehmen. Einerseits, weil Gas als Energieträger immer bedeutender wird, andererseits, weil die Produktion aus heimischen Quellen langsam sinkt. Eine zusätzliche Möglichkeit, Europa mit Gas zu versorgen, ist der Einkauf von verflüssigtem Erdgas, das über Schiffe nach Europa transportiert wird.

Auch das Gas aus sogenannten unkonventionellen Lagerstätten – zum Beispiel in schwer durchlässigen Gesteinen – wird immer interessanter. Diese Vorkommen sind nur mit viel Mühe und teurer Technik zu fördern. Doch angesichts hoher Marktpreise lohnen sich diese Anstrengungen: In den USA konnte dadurch so viel Erdgas gefördert werden, dass die Preise deutlich gesunken sind und die Vereinigten Staaten inzwischen Erdgas sogar exportieren wollen.

Besonders wichtig für Europa sind aber vor allem die Fördermöglichkeiten von Erdgas in den östlichen Nachbarregionen. Allen voran Russland dürfte als Lieferant noch bedeutender werden, genauso wie weitere Länder im kaspischen Raum und in der Golfregion.

Für den Gastransport sind verschiedene Pipelineprojekte im Bau oder in Planung. Im Norden Europas etwa führt die neue Pipeline Nordstream von Russland durch die Ostsee nach Deutschland.

Wenn die zweite Rohrleitung von Nordstream vollständig verlegt ist, werden bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr transportiert – rund die Hälfte der Menge, die heute aus Russland oder Norwegen importiert wird.

Auch im Süden des Kontinents tut sich etwas: Russland will mit der sogenannten Southstream Gas durchs Schwarze Meer nach Europa transportieren – und damit auch andere Projekte verhindern, die Gas außerhalb russischer Kontrolle in die EU bringen könnten.

Eben das ist aber mit dem südeuropäischen Gaskorridor geplant. Erdgas aus Aserbaidschan soll unabhängig von Russland nach Europa kommen, rund 10 Milliarden Kubikmeter im Jahr.

Es ist allerdings noch unklar, durch welche Länder das Gas künftig hierher strömt. Das entscheidet ein Konsortium, welches die Gasförderung in Aserbaidschan betreibt. Dass eine zusätzliche Leitung unter dem Namen Nabucco gebaut wird, gilt als sicher. Schließlich kann ohne Pipeline kein Gas nach Europa gebracht werden. Für die Verbraucher sind letztlich alle Projekte vorteilhaft – denn je mehr Lieferländer und Transportwege es gibt, desto sicherer ist die Versorgung, selbst wenn irgendwo Pannen auftreten.

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