Gründungen Lesezeit 1 Min. Lesezeit 1 Min.

Neue Firmen braucht das Land

Die Zahl der Unternehmensgründungen ist in Deutschland seit ihrem Höhepunkt 2004 um mehr als 200.000 auf nur noch 346.000 im Jahr 2012 gefallen. Der gut laufende Arbeitsmarkt und der gekürzte Exis­tenzgründungszuschuss der Bundes­agentur für Arbeit dürften die Treiber dieser Entwicklung gewesen sein.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Zahl der Unternehmensgründungen ist in Deutschland seit ihrem Höhepunkt 2004 um mehr als 200.000 auf nur noch 346.000 im Jahr 2012 gefallen.
  • Erfahrungsgemäß nimmt die Zahl der Betriebsöffnungen ab, wenn die Wirtschaft gut läuft – und umgekehrt, denn viele Menschen gründen oft nur aus der Not heraus eine eigene Firma.
  • Während bestehende Unternehmen ihre Stärke in der Weiterentwicklung von Produkten und Diensten sehen, bringen Newcomer oft Neuerungen auf den Markt.
Zur detaillierten Fassung

Wie das Bonner Institut für Mittelstandsforschung (IfM) aus der Gewerbeanzeigenstatistik ermittelt hat, ist die Zahl der Existenzgründungen im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Wert seit 15 Jahren gefallen (Grafik). Weil gleichzeitig 370.000 Firmen dichtgemacht haben, war der Saldo aus Gründungen und Schließungen erstmals seit dem Jahr 2008 wieder negativ.

Um die jüngste Entwicklung zu verstehen, muss man zehn Jahre zurückgehen – zum Geburtsjahr der Agenda 2010. Damals, im Jahr 2003, wurde auch das Konzept der Ich-AG geboren. Wer arbeitslos war, konnte sich mit einer Förderung der Bundesagentur selbstständig machen. In der Folge stieg die Zahl der Gründungen rapide an. Bereits 2006 wurde die Ich-AG wieder abgeschafft. Im Jahr 2012 ereilte dieses Schicksal auch den Gründungszuschuss für Arbeitslosengeld-I-Empfänger (Kasten), das Nachfolge­instrument der Ich-AGs. Die Zahl der Gründungen brach ein.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Erfahrungsgemäß nimmt die Zahl der Betriebsöffnungen ab, wenn die Wirtschaft gut läuft – und umgekehrt. Denn viele Menschen gründen oft nur aus der Not heraus eine eigene Firma, wenn sie sonst keine andere Beschäftigungsmöglichkeit sehen.

Nun wird sich niemand wünschen, dass die Wirtschaft kriselt, damit sich wieder mehr Menschen selbstständig machen. Es sollte allerdings darüber nachgedacht werden, ob man den Gründungszuschuss weniger restriktiv handhabt als seit Beginn des vergangenen Jahres (Interview).

Denn die Wirtschaft braucht die Frischluftzufuhr in Form von Gründungen. Während bestehende Unternehmen ihre Stärke in der Weiterentwicklung von Produkten und Diensten sehen, bringen Newcomer oft Neuerungen auf den Markt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de