Urheberschutz Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

National, global, digital

Angesichts der Digitalisierung steht in der EU eine Reform des Urheberschutzes an. Keine einfache Sache, denn zum einen hat heute jedes Land eigene Regeln und zum anderen haben die Anbieter von Texten, Bildern, Filmen, Musik und Software andere Interessen als die Konsumenten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Mehrheit der Europäer greift nicht auf Online-Inhalte zu, die sich an Nutzer anderer EU-Länder richten
  • Das Nutzer-Verhalten unterscheidet sich jedoch stark nach Art des Angebots und Alter des Nutzers
Zur detaillierten Fassung

Schätzungen zufolge beschäftigt die Kultur- und Kreativwirtschaft EU-weit mehr als sieben Millionen Menschen und trägt mit einem Umsatz von rund 550 Milliarden Euro etwa 4 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei (2014).

Das grundsätzliche Problem des Urheberschutzes ist heute die Digitalisierung. Sie erlaubt es, Texte oder Musik zu kopieren und übers Internet schnell und einfach zu verbreiten – selbstverständlich weltweit.

Daraus ergeben sich zahlreiche Fragen. Was passiert zum Beispiel, wenn ein Musiker oder Verlag ein Werk online stellt und damit global zugänglich macht – muss sich der Urheber dann die Rechte in allen Ländern sichern oder gilt das Recht jenes Landes, in dem er wohnt?

Um solchen Problemen zu begegnen, wird heute der Zugang zu manchen Inhalten aus anderen Ländern durch das sogenannte Geo-Blocking technisch unterbunden. So kann man zum Beispiel in der ARD-Mediathek bestimmte Livestreams nur von Deutschland aus abrufen, nicht aber aus dem Ausland.

Hinzu kommt, dass Anbieter und Konsumenten von digitalen Inhalten unterschiedliche Interessen haben. Während zum Beispiel private Nutzer eine Software auch mal gerne als „gebraucht“ weiterverkaufen möchten, wollen die Hersteller dieser Software genau das nicht – schließlich entgeht ihnen so ein Geschäft.

So dringend ein einheitlicher und sicherer Rechtsrahmen für die EU-Staaten auch ist, zumindest derzeit spielt die Suche des Europäischen Parlaments und der EU-Kommission nach einem neuen Urheberschutzrecht für die Verbraucher keine große Rolle. Denn noch halten sich die grenzüberschreitenden Zugriffe auf Online-Inhalte in sehr überschaubaren Grenzen (Grafik):

In den zurückliegenden Monaten haben 89 Prozent der Europäer und sogar 92 Prozent der Bundesbürger keinerlei Interesse daran gezeigt, auf Online-Inhalte zuzugreifen, die sich primär an Nutzer in einem anderen EU-Land richten.


Allerdings gibt es je nach Angebot und Alter sehr große Unterschiede. So greifen zum Beispiel nur 2 Prozent der Bundesbürger auf audiovisuelle Inhalte wie Filme, Serien oder Videoclips zu, in Irland dagegen sind es schon 25 Prozent. Und während EU-weit von den über 55-Jährigen 95 Prozent nie auf grenzüberschreitende Angebote zugreifen, enthalten sich von den 15- bis 24-Jährigen nur noch 79 Prozent.

Die Hauptgründe für die geringe Nachfrage: 54 Prozent der befragten Europäer geben an, dass sie kein Interesse an diesen Inhalten haben, fast genauso viele sagen, das Angebot im eigenen Land sei groß genug.

Es gibt aber auch technische Probleme. So berichten rund 27 Prozent der EU-Bürger, dass sie nur einen begrenzten Zugang zu einer ausländischen Webseite hätten oder den gewünschten Inhalt nicht herunterladen könnten.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de