Lohnstückkosten Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Nachteil Deutschland

Deutschland ist nach wie vor ein teurer Standort für das Verarbeitende Gewerbe – nur in fünf anderen Industrieländern liegen die Lohnstückkosten über dem deutschen Niveau. Seit Beginn der 1990er Jahre sind die deutschen Kosten zudem stärker gestiegen als im Durchschnitt der Konkurrenzländer.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nur in fünf anderen Industrieländern sind die Lohnstückkosten höher als in Deutschland.
  • Die hohen deutschen industriellen Arbeitskosten werden auch nicht durch eine entsprechende Produktivität wettgemacht.
  • Von 1991 bis 2014 sind die Lohnstückkosten in Deutschland zudem um durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr gestiegen, im Ausland dagegen um 0,1 Prozent gesunken.
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Die Vorwürfe sind in letzter Zeit nicht leiser geworden: Vor allem ausländische Politiker behaupten, Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit sei zu hoch. Insbesondere die Euro-Krisenländer müssten, um mit den billigen deutschen Exporten mitzuhalten, ihre Preise und Löhne immer weiter senken.

Sachlich gerechtfertigt ist diese Kritik jedoch nicht. Denn im Verarbeitenden Gewerbe, dessen Erzeugnisse mehr als 80 Prozent der deutschen Exporte ausmachen, sind die Lohnstückkosten – also die Arbeitskosten im Verhältnis zur Produktivität – in Deutschland deutlich höher als in den meisten anderen Industrieländern (Grafik):

Im Durchschnitt produziert die ausländische Konkurrenz zu Lohnstückkosten, die um 11 Prozent unter dem deutschen Niveau liegen.

Lediglich in fünf Industrieländern sind die Kosten höher als in Deutschland. Wichtige Konkurrenten fertigen dagegen wesentlich billiger, die USA zum Beispiel haben gegenüber der deutschen Industrie einen Kostenvorteil von 25 Prozent.

Diese Zahlen zeigen auch, dass die sehr hohen deutschen Arbeitskos­ten (vgl. iwd 45/2015) nicht durch eine entsprechende Produktivität ausgeglichen werden – dazu ist der Vorsprung bei der Wertschöpfung je Arbeitsstunde gegenüber der Konkurrenz mit 12 Prozent zu gering.

Die deutsche Industrie hat in den vergangenen Jahren zudem keineswegs die Lohnstückkosten gedrückt, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zulasten der Konkurrenz zu erhöhen:

Von 1991 bis 2014 sind die industriellen Lohnstückkosten in Deutschland um durchschnittlich 0,5 Prozent pro Jahr gestiegen – im Ausland dagegen um 0,1 Prozent gesunken.

Vor allem in Japan, Schweden, den USA und Finnland haben sich die Arbeitskosten je Produkteinheit deutlich verringert.

Nur von 1999 bis 2007 war Deutschland tatsächlich kostenbewusster als die Konkurrenz. Seit 2011 sind die deutschen Lohnstückkosten aber aufgrund der schwachen Produktivität und der hohen Lohnsteigerungen wieder überdurchschnittlich stark gestiegen.

Am Vorwurf des Lohndumpings ist demnach nichts dran – die Tarifpolitik darf vielmehr künftig nicht den Bogen überspannen. Denn Lohnabschlüsse, die Arbeitsplätze gefährden, schaden nicht nur der deutschen Industrie selbst. Weniger Jobs bedeuten auch weniger Einkommen und Konsum – und damit schlechtere Absatzchancen für ausländische Firmen in Deutschland.

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