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Nachkarten gilt nicht

Gewerkschaften begründen Lohnforderungen grundsätzlich mit gestiegenen Preisen und der wachsenden Produktivität. Oft kommt noch eine Umverteilungskomponente hinzu – doch die ist willkürlich.

Kernaussagen in Kürze:
  • Gewerkschaften begründen Lohnforderungen grundsätzlich mit gestiegenen Preisen und der wachsenden Produktivität, doch die Umverteilungskomponente ist willkürlich.
  • Die Umverteilungskomponente machte 2012 insgesamt 3,5 Punkte der Forderung von 6,5 Prozent aus.
  • In diesem Jahr soll die Umverteilungskomponente 2 bis 2,5 Prozentpunkte betragen und damit zusätzliche Kaufkraftimpulse im Inland anstoßen.
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Für Arbeitgeber ist die Rechnung eigentlich einfach: Wenn die Löhne wie die Produktivität zulegen, bleiben die Lohnstückkosten stabil – und die Wettbewerbsfähigkeit leidet nicht. Die Gewerkschaften rechnen anders. Sie möchten für ihre Mitglieder zumindest den Reallohn sichern.

Und hier beginnt das Problem: Weil sich das Produktivitätswachstum verlangsamt hat – in den vergangenen zehn Jahren lag es je Stunde nur bei knapp 1 Prozent –, hätte ein solches Lohnplus nicht ausge­reicht, die Teuerung auszugleichen. Deshalb wollen die Gewerkschaften zusätzlich einen Teuerungsausgleich.

Schon dieser Teil der Lohnforderung ist aber umstritten. Denn nicht jedes Unternehmen hat die Möglichkeit, seine höheren Kosten über höhere Preise weiterzugeben. Meist wollen die Gewerkschaften sogar noch ein Sahnehäubchen oben draufsetzen. Sie fordern zusätzlich eine Umverteilungskomponente – und jede Gewerkschaft findet eine eigene Begründung:

  • Die IG BAU etwa rechtfertigt ihre aktuelle Forderung von 6,6 Prozent mehr Lohn auch damit, dass die Branche für Arbeitnehmer attraktiver werden müsse.
  • Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wollte aus sozialpolitischen Gründen einen Ausgleich, weil die Krankenversicherungsbeiträge der Arbeitnehmer stärker gestiegen seien als die der Arbeitgeber.
  • Die IG Metall hat die Umverteilungskomponente kontinuierlich nach oben geschraubt (Grafik):

Die Umverteilungskomponente machte 2012 insgesamt 3,5 Punkte der Forderung von 6,5 Prozent aus.

In diesem Jahr soll die Komponente 2 bis 2,5 Prozentpunkte betragen. Damit sollen zusätzliche Kaufkraftimpulse im Inland angestoßen werden.

Die Gewerkschaft übersieht dabei zweierlei: Zum einen haben die Unternehmen seit März 2010 über 250.000 Stellen geschaffen, die Kaufkraft generieren. Zum anderen liegt die M+E-Produktion derzeit immer noch deutlich unter dem Vorkrisenniveau von 2008, die Tarifentgelte liegen aber fast 14 Prozent darüber.

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