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Nach dem Test ist vor dem Test

Der Stresstest der Europäischen Zentralbank hat auf den ersten Blick keine großen Überraschungen hervorgebracht – der europäische Bankensektor ist zwar nicht kerngesund, aber auf einem guten Weg. Allerdings gibt es auch ein paar Zahlen, die zu denken geben.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Stresstest der Europäischen Zentralbank hat auf den ersten Blick keine großen Überraschungen hervorgebracht – der europäische Bankensektor ist zwar nicht kerngesund, aber auf einem guten Weg.
  • Nur 23 der 130 Banken haben im Test eine Kernkapitalquote von weniger als 5,5 Prozent erzielt und damit die EZB-Vorgaben nicht erfüllt.
  • Insbesondere in den südeuropäischen Ländern könnte es deshalb für die eine oder andere Bank eng werden.
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Am letzten Sonntag im Oktober war es so weit: Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlichte die Ergebnisse ihres Stresstests und beendete damit die mehrmonatige Bilanzprüfung von 130 systemrelevanten Banken in Europa.

Ein besonderes Augenmerk galt dabei dem harten Kernkapital, denn es dient im Fall der Fälle als Auffangnetz für Verluste. Die EZB forderte eine Kernkapitalquote – gemessen in Prozent der risikogewichteten Aktiva – von mindestens 5,5 Prozent nach einem simulierten Konjunktur­einbruch. Das haben die meisten Banken geschafft (Grafik):

Nur 23 der 130 Banken haben im Test eine Kernkapitalquote von weniger als 5,5 Prozent erzielt und damit die EZB-Vorgaben nicht erfüllt.

Auch beim Alternativmaß für die risikogewichtete Eigenkapitalquote, der ab 2018 geltenden risikoungewichteten Quote, ist der Bankensektor auf einem guten Weg. Mindes­tens 3 Prozent der Bilanzsumme sollten es schon sein – und nur 17 der in diesem Fall 129 geprüften Banken blieben darunter.

Insgesamt haben 25 der 130 Banken den Stresstest zum Stichtag der Bilanzprüfung am 31. Dezember 2013 nicht bestanden: Zwölf davon konnten ihre Kapitallücken inzwischen schließen; die anderen müssen der EZB – die Anfang November die Aufsicht über Europas größte Banken übernommen hat – nun ein Lösungskonzept vorlegen und dieses je nach Fall innerhalb von sechs bis neun Monaten umsetzen. Gelingt das nicht, droht eventuell sogar die Abwicklung.

Auch wenn der Stresstest im Großen und Ganzen zufriedenstellend ausgefallen ist, bleiben die Herausforderungen sehr groß – genau gesagt: 879 Milliarden Euro groß. Denn das ist die Summe jener Kredite, die die EZB nach dem Stresstest als notleidend definiert hat – vor dem Test waren es aufgrund uneinheitlicher Definitionen noch ungefähr 130 Milliarden Euro weniger.

Insgesamt haben die Notenbanker gut 15 Prozent aller Kredite der 130 Banken als faul abgestempelt – die zum Teil riesigen Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern zeigen allerdings, wie fragmentiert der europäische Bankensektor ist:

In den Banken der Krisenländer reicht der Anteil an Krediten, deren Rückzahlung gefährdet ist, von jeweils 21 bis 22 Prozent in Spanien, Italien und Portugal über 35 Prozent in Irland und 42 Prozent in Griechenland bis zu 55 Prozent in Zypern.

Zum Vergleich: In Deutschland gelten nur etwas mehr als 7 Prozent der Kredite als faul; in der Slowakei (knapp 7 Prozent), in Belgien und Luxemburg (jeweils rund 6 Prozent), in Frankreich (5 Prozent) sowie in den Niederlanden und Finnland (jeweils rund 4 Prozent) sind es sogar noch weniger.

Insbesondere in den südeuropäischen Ländern könnte es deshalb für die eine oder andere Bank eng werden. Das gilt vor allem für jene Institute, die nicht nur unter einem hohen Anteil an faulen Krediten ächzen, sondern zudem auch ziemlich maue Ertragsaussichten haben: Die schwache Konjunktur in Europa dämpft die Kreditnachfrage, die steigenden Regulierungsanforderungen erhöhen die Kosten und die niedrigen Zinsen drücken auf die Rentabilität – da gerät so manches Geschäftsmodell ins Wanken.

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