Tarifpolitik Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Moderate Lohnerhöhungen

Während im Jahr 2017 vor allem in den Dienstleistungsbranchen verhandelt wurde, stehen im kommenden Jahr viele wichtige Industriebranchen, das Baugewerbe sowie der öffentliche Dienst im Mittelpunkt.

Kernaussagen in Kürze:
  • 2017 war erneut ein Jahr moderater Tarifabschlüsse: Im Branchenschnitt stiegen die tariflichen Stundenlöhne um 2,2 Prozent.
  • Neben den Löhnen ging es vor allem um die Arbeitszeiten: In der Chemie zum Beispiel wird das Wochenpensum langfristig reduziert, kann dafür aber flexibler gehandhabt werden.
  • Zu Beginn des Jahres 2018 dominiert die Tarifrunde in der Metall- und Elektro-Industrie: Die IG Metall fordert 6 Prozent mehr Lohn, die Arbeitgeber wollen mehr Arbeitszeitflexibilität durchsetzen.
Zur detaillierten Fassung

Wie im Vorjahr wurden auch 2017 die höchsten Tariflohnsteigerungen im Hotel- und Gaststättengewerbe ausgehandelt (Tabelle). So können sich die Beschäftigten im Tarifgebiet Hessen über ein Plus von 3,5 Prozent freuen, müssen dafür aber eine relativ kurze Laufzeit von 16 Monaten in Kauf nehmen. Einen überdurchschnittlichen Abschluss gab es auch im Kfz-Gewerbe: Im Tarifgebiet Bayern wurden bei einer Laufzeit von 24 Monaten zwei Erhöhungen von je 2,9 Prozent vereinbart.

In anderen Branchen fiel die Anhebung bei Laufzeiten von meist 24 Monaten moderater aus. Im öffentlichen Dienst betrug sie insgesamt 4,35 Prozent, im Einzelhandel Baden-Württembergs 4,3 Prozent und im Groß- und Außenhandel NRW 4,5 Prozent. In den drei Branchen gibt es 2017 und 2018 jeweils eine Erhöhungsstufe.

Im Schnitt brachten die Tarifverhandlungen im Jahr 2017 den Beschäftigten ein Lohnplus von 2,2 Prozent.

Übersicht über Entgeltregelungen und Laufzeiten der Tarifabschlüsse verschiedener Branchen im Jahr 2017

Auch in der Industrie gab es keine Ausreißer. In der Textilindustrie zum Beispiel erhöhten sich die Tariflöhne im Osten stufenweise um 2,9 Prozent ab Juni 2017 und um weitere 1,9 Prozent ab September 2018, im Westen zunächst um 2,7 Prozent und ein Jahr später um weitere 1,7 Prozent. Beide Tarifverträge haben eine Laufzeit von 24 Monaten.

Im Bauhauptgewerbe gab es zwar keine Entgeltrunde, dafür wurde aber über eine Anpassung der tariflichen Branchenmindestlöhne verhandelt. In der Lohngruppe eins steigt der Mindestlohn in Ost und West von derzeit 11,30 Euro ab Januar 2018 auf zunächst 11,75 Euro und ein Jahr später auf 12,20 Euro.

Über alle Branchen hinweg sind die Tarifverdienste je Stunde nach vorläufigen Berechnungen der Deutschen Bundesbank im Jahr 2017 um 2,2 Prozent gestiegen – und damit ebenso moderat wie in den beiden Vorjahren.

Tarifjahr 2017: Es ging nicht nur um die Löhne

Im Vordergrund der diesjährigen Tarifrunden standen zwar Entgelterhöhungen. Es wurden aber auch andere Themen angepackt: In der Chemischen Industrie Ost zum Beispiel wird die Wochenarbeitszeit langfristig um 90 Minuten reduziert. Im Gegenzug bekommen die Unternehmen mehr Flexibilität – als Vollzeitkorridor gilt künftig eine tarifliche Wochenarbeitszeit von 32 bis 40 Stunden. Zudem können die Betriebe mit ihren Arbeitnehmern individuelle Vereinbarungen treffen.

Über die Arbeitszeit verhandelten auch die Lokführergewerkschaft GDL und die Bahn. Die Verhandlungspartner übernahmen eine Tarifregelung der Konkurrenzgewerkschaft EVG aus dem Jahr 2016. Demnach können die Beschäftigten zwischen einer Entgelterhöhung, zusätzlichen Urlaubstagen und einer verkürzten Wochenarbeitszeit wählen.

Ausblick auf das Tarifjahr 2018

Im Tarifjahr 2018 stehen unter anderem in der Metall- und Elektro-Industrie und im öffentlichen Dienst von Bund und Kommunen Tarifverhandlungen an (Tabelle). Insgesamt sind allein von diesen beiden Tarifrunden mehr als sechs Millionen Arbeitnehmer betroffen.

Da die Tarifverträge in der M+E-Industrie schon zum Jahresende auslaufen, hat die IG Metall ihre Forderung bereits offiziell beschlossen. Sie geht mit einer Gehaltsforderung von 6 Prozent in die Verhandlungen und möchte für die Beschäftigten zudem das Recht durchsetzen, die Wochenarbeitszeit für zwei Jahre auf 28 Stunden zu verringern. Dies soll mit einem Rückkehrrecht auf Vollzeit und in bestimmten Fällen auch mit einem Lohnausgleich gekoppelt werden.

Die Arbeitgeber haben im Gegenzug ein höheres Maß an Flexibilität gefordert, um mit mehr Beschäftigten auf individueller Basis eine längere Arbeitszeit als 35 Stunden pro Woche vereinbaren zu können. Eine Umfrage der IG Metall hatte gezeigt, dass sich knapp ein Drittel der Beschäftigten eine Arbeitszeit von mehr als 35 Stunden wünscht, während nur 20 Prozent weniger als 35 Stunden arbeiten wollen. In diesen Branchen stehen 2018 Tarifverhandlungen an –  und so viele Arbeitnehmer sind jeweils betroffen

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene