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des Instituts der deutschen Wirtschaft

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Arbeitsmarkt Lesezeit 3 Min.

Mittel gegen den Arbeitskräfteschwund

Um den demografischen Wandel auf dem heimischen Arbeitsmarkt zu bremsen oder gar auszugleichen, gibt es mehrere Möglichkeiten. Die meisten von ihnen greifen jedoch erst nach einer längeren Vorlaufzeit. Am schnellsten umsetzen ließe sich eine Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit. Tatsächlich kann eine deutliche Mehrheit der Beschäftigten dieser Idee sogar etwas abgewinnen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der demografische Wandel lässt das Arbeitskräfteangebot in Deutschland schrumpfen und führt, wenn nichts dagegen unternommen wird, zu Wohlstandsverlusten.
  • Um das Potenzial an Erwerbspersonen konstant zu halten, könnte man die Einwanderung von ausländischen Fachkräften fördern und/oder die Erwerbsbeteiligung in Deutschland erhöhen.
  • Eine Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit von Personen, die bereits einer Beschäftigung nachgehen, ist jedoch das einzige probate Mittel, um das Angebot an Arbeitskraft kurzfristig zu erhöhen.
Zur detaillierten Fassung

Mit der Demografie ist es wie mit einem Suppentopf im Restaurant: Geht konstant mehr Suppe an die Gäste raus, als neu zubereitet wird, kratzt der Koch mit der Kelle irgendwann am leeren Topfboden. Und genau das droht dem deutschen Arbeitsmarkt: Innerhalb der nächsten Dekade kommen rund zehn Millionen 55- bis 64-Jährige, die derzeit einer Erwerbstätigkeit nachgehen, ins Rentenalter. Dieser Gruppe stehen lediglich 7,8 Millionen junge Menschen zwischen zehn und 19 Jahren gegenüber, die im Laufe der kommenden zehn Jahre einen Beruf ergreifen könnten. Die Gruppe der Jungen reicht also schlicht nicht aus, um die Alten auf dem Arbeitsmarkt zu ersetzen.

Was aber lässt sich gegen dieses dramatisch schrumpfende Arbeitskräftepotenzial unternehmen?

Das einzige Mittel, um das Arbeitskräfteangebot kurzfristig zu erhöhen, ist eine Ausweitung der Arbeitszeit.

Erstens könnte Deutschland für mehr Zuwanderer sorgen. Um das Erwerbspersonenpotenzial konstant zu halten, müssten pro Jahr unterm Strich rund 400.000 Menschen einwandern – 2023 kamen aber nur 72.000 Personen mit einem Aufenthaltstitel zum Zwecke der Erwerbstätigkeit in die Bundesrepublik.

Daher muss die Bundesregierung zügig die bereits geplanten Maßnahmen wie die Work-and-Stay-Agentur umsetzen, mit denen das Anwerben von qualifizierten Fachkräften aus Ländern erleichtert werden soll, in denen es eine intakte demografische Entwicklung gibt – wie etwa Indien, Indonesien oder die Philippinen.

Zweitens könnte die Politik Maßnahmen ergreifen, um die Erwerbsbeteiligung zu erhöhen. So arbeiten in Deutschland nur zwei Drittel der Nicht-EU-Staatsangehörigen. In Italien beträgt der Anteil 68 Prozent, in den Niederlanden 70 Prozent, in Spanien 73 Prozent und in Dänemark und Schweden sogar jeweils mehr als 80 Prozent. Außerdem ist die Frauenerwerbsquote in Deutschland mit 77 Prozent niedriger als beispielsweise in Dänemark oder Schweden. Und auch die Quote der erwerbstätigen Geringqualifizierten ist mit rund 70 Prozent noch ausbaufähig.

Es braucht mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten und unbürokratischere Anerkennungsverfahren

Verbesserungen brauchen jedoch Zeit – weil etwa Kindergärten gebaut und qualifizierte Erzieher gefunden werden müssen, damit mehr Mütter ihre Arbeitszeiten aufstocken können. Auch ausländische Fachkräfte kommen nicht ad hoc: Viele qualifizierte Personen, die nach Deutschland auswandern wollen, scheitern an komplizierten Visavorschriften oder aufwendigen Anerkennungsverfahren für ihre ausländischen Abschlüsse.

Das einzige probate Mittel, um das Angebot an Arbeitskraft kurzfristig zu erhöhen, ist eine Ausweitung der Arbeitszeit derjenigen, die bereits einem Job nachgehen. Auch hier gibt es mehrere Ansatzpunkte:

Eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit würde dazu führen, dass Erwerbstätige länger im Beruf bleiben als bisher. Dazu beitragen würde eine Abschaffung des vorzeitigen abschlagsfreien Rentenbezugs von besonders langjährig Versicherten. Auch die Rücknahme der Aktivrente oder eine Erhöhung der Abschläge bei vorzeitigem Rentenbezug könnte mehr Ältere im Arbeitsleben halten.

Die Abschaffung eines Feiertags könnte die Zahl effektiver Arbeitstage in Deutschland um 0,5 Prozent im Jahr erhöhen.

Eine Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit könnte das Arbeitsvolumen ebenfalls maßgeblich erhöhen. Zuletzt lag Deutschland in puncto Jahresarbeitszeit im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen (Grafik):

Im Jahr 2023 leisteten die 15- bis 64-jährigen Einwohner Deutschlands im Durchschnitt 1.036 Arbeitsstunden. Polen und Tschechen kamen auf mehr als 1.300 Stunden, Neuseeländer sogar auf mehr als 1.400.

Geleistete Arbeitsstunden je Einwohner im Alter von 15 bis 64 Jahren im Jahr 2023 Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Laut einer IW-Befragung könnten sich sogar rund drei Viertel der Beschäftigten in Deutschland längere Arbeitszeiten bei entsprechendem Lohnausgleich vorstellen. Allerdings nur, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind: wenn etwa die Steuern und Sozialabgaben niedriger wären oder mehr Homeoffice möglich wäre, wenn beispielsweise die Arbeitszeit flexibler gestaltet werden könnte oder die Beschäftigten interessantere Aufgaben oder mehr Verantwortung bekämen. Auch eine bessere Arbeitsatmosphäre oder ein Partner, der mehr Hausarbeit übernähme, sind für je ein Drittel der Beschäftigten Grundvoraussetzung, um eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit zu erwägen.

Welches Potenzial eine Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeit hätte, zeigt ein Blick auf das Nachbarland Schweiz (Grafik):

Würden die Einwohner Deutschlands im erwerbsfähigen Alter genauso lange arbeiten wie ihre eidgenössischen Kollegen, wäre das hiesige Arbeitsvolumen um gut elf Milliarden Stunden höher als im Status quo.

So hoch wäre das Arbeitsvolumen in Deutschland im Jahr 2023 bei einer Jahresarbeitszeit wie in diesen Ländern gewesen Download: Grafik (JPG) herunterladen Grafik (EPS) herunterladen Tabelle (XLSX) herunterladen

Umgerechnet entspräche dies der Arbeitsleistung von rund sieben Millionen Vollzeitbeschäftigten.

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