Mit Wero zu mehr europäischer Souveränität
US-Anbieter dominieren den Markt für grenzüberschreitende Kartenzahlungen – auch in der EU. Die Staatengemeinschaft will für mehr europäische Souveränität im Zahlungsverkehr sorgen, steht sich dabei aber ein Stück weit selbst im Weg.
- Die EU-Staaten sind für grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr bisher auf die Systeme Visa und Mastercard von US-Anbietern angewiesen.
- Die European Payments Initiative versucht nun, ihr Zahlungssystem Wero zu etablieren. Sollte es sich durchsetzen, würde die EU einen großen Schritt Richtung digitaler Souveränität gehen.
- Damit das gelingt, ist es wichtig, den geplanten digitalen Euro als Zahlungsmittel nur schrittweise einzuführen, um Wero keine innereuropäische Konkurrenz zu machen.
Kurz die Girocard an das Lesegerät gehalten und schon ist der Einkauf bezahlt. Was für den Kunden schnell und bequem ist, erfordert im Hintergrund die Zusammenarbeit mehrerer Dienstleister. Erst mit Kartenausstellern, Zahlungsabwicklern und einem Kartennetzwerk gelingt das bargeldlose Bezahlen.
Soll der Zahlungsverkehr auch über Landesgrenzen hinweg funktionieren, müssen die nationalen Netzwerke interoperabel sein. In der europäischen Union gibt es solche Netze bislang nicht. Für internationale Transaktionen müssen die Staaten daher die US-Anbieter Visa und Mastercard nutzen. Generell ist die EU schlecht aufgestellt bei bargeldlosen Bezahlsystemen (Grafik):
Im Jahr 2024 verfügten nur neun EU-Länder über ein eigenes Kartennetzwerk. Alle anderen mussten auch für nationale Kartenzahlungen auf Visa und Mastercard zurückgreifen.
Der Markteintritt ist grundsätzlich schwierig, denn Nutzer präferieren das Netzwerk, das die meisten anderen verwenden. Da die Systeme auf Standards für elektronische Kommunikation basieren, können neue Anbieter auch nicht mit Produktinnovationen glänzen.
Für die europäische Souveränität ist es wichtig, dass sich Wero durchsetzt und möglichst viele Händler und Kunden das Zahlungssystem nutzen.
Die European Payments Initiative – ein Zusammenschluss europäischer Banken, Sparkassen und Finanzdienstleister – versucht nun, ihr Zahlungssystem Wero zu etablieren. Es ist für den grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr geeignet, Visa- und Mastercard-Netzwerke werden nicht gebraucht. Für die europäische Souveränität ist es wichtig, dass sich Wero durchsetzt und möglichst viele Händler und Kunden das System nutzen.
Zusätzlich will die EU mit dem digitalen Euro ab 2029 grenzüberschreitende Zahlungen im Euroraum vereinfachen und sich unabhängiger von ausländischen Anbietern machen. Zahlungen werden dabei nicht über Kartennetzwerke, sondern über eine Plattform des Europäischen Systems der Zentralbanken abgewickelt.
Es gibt aber ein Problem: Händler sollen verpflichtet werden, den digitalen Euro anzunehmen. Wero muss sich dagegen am Markt beweisen. Eine Lösung könnte sein, den digitalen Euro schrittweise einzuführen: zunächst ausschließlich als Offline-Version, sodass er nur eine Form von digitalem Bargeld wäre. Erst wenn sich Wero nicht durchsetzen sollte, würde die Online-Version des digitalen Euro als Alternative zum bisher verbreiteten Kartenzahlsystem in den Markt eintreten.