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Mit Speck macht man Mäuse

Rund 2,1 Millionen Wahlberechtigte entscheiden am kommenden Sonntag, ob die einzige rot-rote Koalition in Deutschland weitermachen kann oder nicht. Doch wie auch immer sich die neue Landesregierung zusammensetzt: Sie übernimmt einen vorbildlichen Haushalt – und Deutschlands größtes Desaster.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die neue Landesregierung übernimmt einen vorbildlichen Haushalt – und Deutschlands größtes Desaster.
  • Diesen Erfolg verdankt Brandenburg seinem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum.
  • Getreu dem Motto „only bad news is good news“ wurden all diese Erfolge jedoch vom Chaos um den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) überstrahlt.
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Der amtierende Ministerpräsident Dietmar Woidke hat vor einem Jahr die Regierungsgeschäfte von Matthias Platzeck übernommen und verantwortet seitdem ein Bundesland, das mit vielen wirtschaftlichen Erfolgsmeldungen aufwarten kann.

Im Jahr 2013 wies der Landeshaushalt den höchsten Überschuss aller Bundesländer auf. Bei Einnahmen von 10,7 Milliarden Euro wurde ein positiver Finanzierungssaldo von 631 Millionen Euro erzielt. Brandenburg ist damit das einzige ostdeutsche Bundesland, das auch ohne Länderfinanzausgleich schwarze Zahlen schrieb.

Diesen Erfolg verdankt Brandenburg seinem überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum. Seit dem Jahr 2000 ist das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt der 2,4 Millionen Einwohner um fast 41 Prozent gestiegen – und damit gut 7 Prozentpunkte stärker als in Deutschland insgesamt. Doch der Aufholprozess ist noch lange nicht zu Ende (Grafik):

Das brandenburgische Bruttoinlandsprodukt je Einwohner erreichte im vergangenen Jahr mit rund 23.800 Euro erst 71 Prozent des bundesweiten Durchschnitts.

Auch die Entwicklung der Arbeitslosenquote kann sich sehen lassen: Zwar war sie im vergangenen Jahr noch 3 Prozentpunkte höher als im Bundesdurchschnitt, blieb aber mit 9,9 Prozent erstmals seit der Wiedervereinigung unter der Marke von 10 Prozent.

Getreu dem Motto „only bad news is good news“ wurden all diese Erfolge jedoch vom Chaos um den Flughafen Berlin Brandenburg (BER) überstrahlt. Mehrfache Verschiebungen des Eröffnungstermins und Mehrkosten in Milliardenhöhe rückten das BER-Desaster noch stärker in den medialen Fokus als die ebenfalls schlagzeilenträchtige Insolvenz des Cargolifters im Jahr 2002 – oder als die Chipfabrik in Frankfurt/Oder, die als „Wunder von Frankfurt“ gestartet war und 2003 als Investitionsruine endete.

Diese Negativbeispiele lassen leicht übersehen, dass Brandenburg über sehr erfolgreiche Wirtschaftsstandorte verfügt. Die Ergebnisse des diesjährigen Regionalrankings der IW Consult zeigen, dass gerade die Regionen im Speckgürtel Berlins enorm von der Attraktivität der Hauptstadt profitieren:

Die Landkreise Dahme-Spreewald, Potsdam-Mittelmark und die Landeshauptstadt Potsdam zählen zu den dynamischsten Wirtschaftsregionen Deutschlands.

Dazu hat nicht zuletzt die Ansiedlung klangvoller Industrieunternehmen beigetragen – darunter der Flugzeugzulieferer Rolls-Royce in Dahlewitz und der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines in Ludwigsfelde. Ebenfalls in Ludwigsfelde, das rund 40 Kilometer südlich von Berlin liegt, montiert Mercedes den Transporter „Sprinter“ und der VW-Konzern betreibt dort ein großes Ersatzteilauslieferungs- und Schulungszentrum.

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