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Mit 67 ist wohl noch nicht Schluss

Die Bundesbürger werden immer älter. Und bislang konnten sie die zusätzlichen Jahre überwiegend im Ruhestand verbringen – entsprechend stark hat sich die Zahl der Rentner erhöht. Damit die Rentenkassen nicht überstrapaziert werden, müssen die Bürger künftig länger arbeiten.

Kernaussagen in Kürze:
  • Mitte der 1960er Jahre bekamen westdeutsche Männer im Schnitt rund zehn Jahre lang ihre gesetzliche Rente – mittlerweile sind es 17 Jahre.
  • Die Beitragszahler müssen das Ruhegeld von immer mehr Senioren finanzieren, allein zwischen 1995 und 2013 ist die Zahl der Rentner in Deutschland um gut ein Viertel auf 20,6 Millionen gestiegen.
  • Sofern die Lebenserwartung auch in Zukunft unvermindert steigt, wird es sich kaum vermeiden lassen, dass die Bundesbürger nach 2031 noch später in den Ruhestand wechseln als mit 67 Jahren.
Zur detaillierten Fassung

Wer heute in Deutschland in das Alter kommt, in dem er dem Büro oder der Werkbank endgültig den Rücken kehrt, der kann sich meist noch auf einen ziemlich langen Lebensabend freuen: Im Durchschnitt haben 65-jährige Männer heute weitere 17 Jahre und sechs Monate vor sich – fast fünf Jahre mehr, als dies bei männlichen 65-Jährigen in Westdeutschland im Jahr 1960 der Fall war. Frauen dürfen heute mit 65 sogar noch weitere 20 Jahre und acht Monate Lebenszeit erwarten – sechs Jahre mehr als vor einem halben Jahrhundert.

Die hinzugewonnenen Lebensjahre bedeuteten für die Bundesbürger bislang in fast gleichem Maße zusätzliche Rentenjahre. Zwar ist das durchschnittliche Alter, in dem die Bundesbürger in Rente gehen, in den vergangenen Jahren gestiegen (Kasten). Doch mit gut 64 Jahren sind die heutigen Neurentner gerade einmal so alt wie jene, die in Westdeutschland in den 1960er Jahren in den Ruhestand gingen.

Entsprechend der gestiegenen Lebenserwartung hat sich auch die Rentenbezugsdauer deutlich verlängert (Grafik):

Mitte der 1960er Jahre beispielsweise bekamen westdeutsche Männer im Schnitt rund zehn Jahre lang ihre gesetzliche Rente – mittlerweile sind es 17 Jahre.

Die deutschen Rentnerinnen beziehen inzwischen durchschnittlich sogar mehr als 21 Jahre lang ihr gesetzliches Ruhegeld – verglichen mit 1965 bedeutet das ein Plus von zehn Jahren.

Weil aber nicht nur die Ruheständler länger leben, sondern auch stets neue Rentner nachrücken, hat das Konsequenzen für das im Umlageverfahren organisierte System der Rentenversicherung: Die Beitragszahler müssen das Ruhegeld von immer mehr Senioren finanzieren (Grafik):

Allein zwischen 1995 und 2013 ist die Zahl der Rentner um gut ein Viertel auf 20,6 Millionen gestiegen.

Da viele ältere Mitbürger nicht nur die eigene staatliche Altersversorgung beziehen, sondern auch Witwen- oder Witwerrenten bekommen, muss die Rentenversicherung inzwischen Monat für Monat mehr als 25 Millionen Renten überweisen.

Derzeit ist das noch kein Problem, weil sich die finanzielle Belastung auf viele Beitragszahler-Schultern verteilt. Die geburtenstarken Jahrgänge 1955 bis 1969 stehen mitten im Erwerbsleben und der Arbeitsmarkt entwickelt sich prächtig – im Januar 2015 war die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten mit 30,3 Millionen so hoch wie nie.

In wenigen Jahren allerdings werden sich die ersten stark besetzten Jahrgänge aus dem Berufsleben verabschieden – während immer weniger junge Leute nachrücken. Damit die dann wohl noch stärker wachsende Zahl an Rentnern und Renten die Beitragszahler nicht überfordert, steigt das gesetzliche Rentenzugangs­alter bereits seit 2012 jedes Jahr um einen Monat und ab 2024 um jährlich zwei Monate, sodass ab 2031 die Rente mit 67 gilt.

Diese Anpassung der Altersgrenze ist durchaus moderat. Denn im Schnitt wird sie bis 2031 pro Jahr lediglich um sechs Wochen angehoben, während das Statistische Bundesamt für neugeborene Jungen mit einer jährlich um acht Wochen steigenden Lebenserwartung rechnet.

Die Bundesbürger werden also künftig zwar einen Teil ihrer zusätzlichen Lebenszeit an ihrem Arbeitsplatz verbringen und entsprechend länger Rentenbeiträge zahlen. Das ist aber erforderlich, um die künftigen, ebenfalls längeren Rentenzahlungen zu finanzieren.

Angesichts dieses logischen Zusammenhangs ist es umso unverständlicher, dass die Bundesregierung für Versicherte mit mindestens 45 Beitragsjahren die abschlagfreie Rente mit 63 eingeführt hat – belas­tet diese Maßnahme doch vor allem die jüngeren Beitragszahler zusätzlich (vgl. iwd 7/2014).

Sofern die Lebenserwartung auch in Zukunft unvermindert steigt, wird es sich also kaum vermeiden lassen, dass die Bundesbürger nach 2031 noch später in den Ruhestand wechseln als mit 67 Jahren.

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