MINT-Frühjahrsreport 2014 Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

MINT gewinnt

In vielen technisch-naturwissenschaftlichen Berufen gibt es deutlich mehr offene Stellen als Arbeitslose. Der Engpass an Fachkräften betrifft vor allem die süddeutschen Bundesländer.

Kernaussagen in Kürze:
  • In vielen technisch-naturwissenschaftlichen Berufen gibt es deutlich mehr offene Stellen als Arbeitslose: Engpass vor allem in Süddeutschland.
  • Im April 2014 übertraf die Nachfrage nach MINT-Fachkräften das Angebot bundesweit um 33 Prozent, in Baden-Württemberg und Bayern waren es sogar 113 bzw. 97 Prozent.
  • Die Zahl der mindestens 63-jährigen MINT-Erwerbstätigen mit beruflicher Qualifikation stieg von 2005 bis 2011 um 91.000 auf 283.000.
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Im April 2014 fehlten Deutschland in den MINT-Berufen – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – rund 117.300 Arbeitskräfte. Der größte Mangel (49.300) herrschte in den Expertenberufen, die in der Regel von Akademikern ausgeübt werden. Es folgten die Ausbildungsberufe (41.500) sowie die Spezialistenberufe (26.500), wo vor allem Meister und Techniker gesucht werden.

Die deutschen Tüftlerkreise

Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen (MINT) an allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, in Prozent

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Institut der deutschen Wirtschaft Köln

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Im Durchschnitt der vergangenen zwölf Monate war der Engpass in den akademischen MINT-Berufen zwar in etwa genauso groß wie in den Berufen mit beruflicher Qualifikation, das dürfte sich in den kommenden Jahren allerdings grundlegend ändern. Denn während das Problem bei den Akademikern beherrschbar erscheint, wird es sich im beruflichen Segment eher noch verschärfen. Im Einzelnen:

  1. Hohe Beschäftigung. Zum Stichtag Ende Juni 2013 hatten bundesweit rund 6,3 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte einen MINT-Beruf. Die Beschäftigungs­intensität variiert jedoch stark von Region zu Region (Grafik):

In den beiden Hochburgen Baden-Württemberg und Bayern arbeitet jeweils rund ein Viertel der Beschäftigten in einem MINT-Beruf.

So liegen allein sechs der zehn MINT-intensivsten Kreise in Bayern und Baden-Württemberg. Der Spitzenreiter Dingolfing-Landau zum Beispiel erreicht mit 47 Prozent eine mehr als viermal so hohe Quote wie Potsdam in der Schlusslicht-Region Berlin/Brandenburg. Je mehr MINT-Kräfte in einer Region beschäftigt sind, desto mehr bekommt sie aber auch die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt zu spüren (Grafik):

Im April 2014 übertraf die Nachfrage nach MINT-Fachkräften das Angebot bundesweit um 33 Prozent, in Baden-Württemberg und Bayern waren es sogar 113 bzw. 97 Prozent.

Nur in den vergleichsweise MINT-schwachen Regionen Berlin/Brandenburg und Sachsen war es umgekehrt – in diesen Bundesländern gab es mehr MINT-Arbeitslose als offene Stellen.

  1. Niedrige Arbeitslosigkeit. Im bundesweiten Durchschnitt betrug die Arbeitslosenquote – auf Basis der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – in den MINT-Berufen im April 2014 lediglich 3,7 Prozent, während sie über alle Berufe hinweg fast zweieinhalb Mal so hoch war, nämlich 9,1 Prozent.

In Baden-Württemberg, Bayern und Hessen liegen die MINT-Arbeitslosenquoten sogar auf Vollbeschäftigungsniveau. Lediglich in der Region Berlin/Brandenburg gibt es mit 7,0 Prozent eine überdurchschnittlich hohe MINT-Arbeitslosigkeit – trotzdem ist die Quote auch dort nur halb so hoch wie im Durchschnitt aller Berufe.

  1. Die Erfolgsfaktoren. Zur Fachkräftesicherung beigetragen haben in den vergangenen Jahren die steigende Zahl der Studienanfänger in den MINT-Fächern und die Zuwanderer mit entsprechenden Qualifikationen. Darüber hinaus ist aber auch das Potenzial von Älteren besser genutzt worden. So arbeiten heute 87 Prozent der 55- bis 59-jährigen MINT-Akademiker, im Jahr 2005 waren es erst 82 Prozent. Bei den gleichaltrigen beruflich qualifizierten MINT-Fachkräften stieg die Erwerbsquote von 66 auf 76 Prozent. Sogar noch stärker zulegen konnte sie bei den 60- bis 64-Jährigen.

Es ist wichtig, die Erwerbspotenziale Älterer auch weiterhin zu nutzen. Die geplante Rente mit 63 Jahren kann jedoch dazu führen, dass die bisherigen Fortschritte zunichtegemacht werden. Denn gerade bei den beruflich qualifizierten Fachkräften hat die höhere Erwerbstätigkeit älterer Semester stark zur Fachkräftesicherung beigetragen:

Die Zahl der mindestens 63-jährigen MINT-Erwerbstätigen mit beruflicher Qualifikation stieg von 2005 bis 2011 um 91.000 auf 283.000.

Für die Sicherung des MINT-Nachwuchses ist langfristig eine Stärkung der MINT-Profile von Schulen wichtig. IW-Berechnungen auf Basis der PISA-Daten zeigen, dass die Schüler an Schulen mit einem MINT-Profil – zum Beispiel durch die Teilnahme an Mathematik-Wettbewerben – in diesem Bereich signifikant besser abschneiden. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die vielen MINT-Initiativen der Wirtschaft, zum Beispiel der „Verein mathematisch-naturwissenschaftlicher Excellence-Center an Schulen“ (mint-ec.de).

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