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MINT-Arbeitskräfte: Die Lücke weitet sich

In Deutschland fehlen so viele Elektriker, Informatiker und Ingenieure wie noch nie. Die Arbeitskräftelücke wäre sogar noch größer, wenn in den vergangenen Jahren nicht so viele ausländische Arbeitnehmer mit MINT-Qualifikationen nach Deutschland gekommen wären. Allerdings meiden ausländische MINT-Kräfte die ostdeutschen Bundesländer.

Kernaussagen in Kürze:
  • In Deutschland fehlen laut MINT-Herbstreport 2017 so viele MINT-Arbeitskräfte wie noch nie seit Beginn der Berechnungen im Jahr 2011.
  • Ohne die ausländischen Fachkräfte, die in den vergangenen Jahren einen Job im MINT-Bereich angenommen haben, wäre die Lage noch prekärer.
  • In keiner Region Deutschlands könnten derzeit - zumindest theoretisch - alle MINT-Vakanzen besetzt werden.
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Dass über die sogenannte MINT-Arbeitskräftelücke, also den Mangel an Mathematikern, Informatikern, Naturwissenschaftlern und Technikern, lamentiert wird, ist alles andere als neu. Neu ist allerdings die Größe des Problems: Im MINT-Herbstreport 2017 kommt das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zu dem Schluss, dass Ende September in Deutschland so viele MINT-Arbeitskräfte fehlten wie noch nie seit Beginn der Berechnungen im Januar 2011. Damals gab es rund 70.000 MINT-Kräfte zu wenig. Die aktuellen Fakten:

Bundesweit zählte die Statistik Ende September fast 470.000 offene MINT-Stellen und 183.000 arbeitslose MINT-Kräfte.

Berücksichtigt man dann noch in allen 36 MINT-Berufskategorien qualifikatorische Mismatches, bleibt eine bereinigte MINT-Arbeitskräftelücke von 290.000 Personen, 43 Prozent mehr als im September 2016.

In den MINT-Berufen fehlen in Deutschland 290.000 Arbeitskräfte. Das sind 43 Prozent mehr als noch im September 2016.

Dass die Lage nicht noch prekärer ist, verdankt der MINT-Sektor dem Zuzug ausländischer Elektriker, Ingenieure und Informatiker: Von Ende 2012 bis Frühjahr 2017 haben beispielsweise zusätzlich 36.000 Ausländer einen Job in einem akademischen MINT-Beruf aufgenommen, jeder Neunte von ihnen war Inder. Dynamisch gestiegen ist zuletzt auch die Beschäftigung von Eritreern, Irakern, Afghanen und Syrern, die vor allem als MINT-Facharbeiter Fuß fassen konnten.

Ohne diese Ausländer wäre die MINT-Arbeitskräftelücke aktuell noch um 118.000 Personen größer. Die sozialversicherungspflichtigen MINT-Beschäftigten mit ausländischem Pass lassen sich jedoch bevorzugt in Westdeutschland nieder, die neuen Länder sind für sie eher unattraktiv. Dabei ist gerade der Osten auf Nachwuchs angewiesen, denn der Anteil der Beschäftigten jenseits der 55 Jahre ist dort besonders groß.

Verhältnis der offenen MINT-Stellen zur Zahl der Arbeitslosen mit den entsprechenden Qualifikationen

Ein Blick auf die einzelnen Bundesländer zeigt allerdings, dass es ohnehin keine Region mehr in Deutschland gibt, in der – zumindest theoretisch – alle MINT-Vakanzen besetzt werden könnten. Besonders gravierend ist der Mangel in Bayern (Grafik):

Auf 100 arbeitslose MINT-Kräfte kommen im Freistaat mehr als 400 offene Stellen.

Am größten ist die Lücke bei den MINT-Akademikern: In Bayern beträgt die Relation von arbeitslosen Akademikern zu den entsprechenden Jobs 100 zu 510. Fast überall in Deutschland steigt die Engpassrelation mit dem Anforderungsniveau. Nur in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Berlin sind MINT-Meister und -Techniker noch rarer als MINT-Akademiker.

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