Geringfügig Beschäftigte Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Minijobs sind kein Jobmotor

Minijobs haben, anders als gelegentlich behauptet, nichts zum Beschäftigungsaufbau der vergangenen zehn Jahre beigetragen. Im Gegenteil: Ihre Zahl ist zuletzt sogar leicht zurückgegangen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Viele Senioren haben einen Minijob, weil ihnen die Arbeit Spaß macht.
  • Schüler und Studenten erfüllen sich mit dem Geld aus dem Minijob Extrawünsche.
  • Vor allem Arbeitslosen geht es um das Geld, das sich mit einem Minijob verdienen lässt.
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Ende 2015 übten 4,8 Millionen Bundesbürger einen Minijob aus, darunter 3,1 Millionen Frauen und 900.000 Rentner (Grafik). Eine geringfügig entlohnte Beschäftigung liegt vor, wenn das reguläre Arbeitsentgelt 450 Euro im Monat oder weniger beträgt.

Motive für Minijobs

Es gibt unterschiedliche Gründe, eine geringfügige Beschäftigung anzunehmen, wie das Statistische Bundesamt ermittelt hat (Grafik). Vielen Senioren beispielsweise macht das Arbeiten Spaß, sie fühlen sich noch fit, schätzen den Kontakt zu anderen Menschen und die Abwechslung, die ein berufliches Engagement bietet.

Viele Senioren arbeiten als Minijobber, weil sie dem Berufsleben verbunden bleiben möchten.

Auch Schüler und Studenten brauchen oftmals das Einkommen aus einem Minijob nicht unbedingt zum Leben, sondern erfüllen sich damit Extrawünsche wie ein neues Smartphone.

Ums Geld geht es vor allem Arbeitslosen. Sie können – wie Frührentner – etwas dazu verdienen, ohne ihre Ansprüche auf Arbeitslosengeld zu verlieren.

Bei Müttern, die zum Beispiel für die Kindererziehung zu Hause bleiben, sind beide Motive etwa gleichrangig zu finden. Die einen wollen am Arbeitsleben teilhaben. Geld spielt hier nur eine untergeordnete Rolle. Die anderen sind durchaus aus finanziellen Gründen am Minijob interessiert. Ob diese Gruppe gerne mehr arbeiten würde, wenn sie einen Fulltime-Job bekäme, hat das Statistische Bundesamt in diesem Zusammenhang allerdings nicht abgefragt.

Minijobs sind nicht aus sozialer Not geboren

Es wäre voreilig, jeden geringfügig Beschäftigten, der um des Geldes willen arbeiten geht, gleich zum Sozialfall zu erklären – vor allem Rentner nicht.

  • Zum einen sorgt die Grundsicherung im Alter dafür, dass die Ausgaben des täglichen Lebens gedeckt werden können.
  • Zum anderen zeigt die regionale Verteilung der Rentner-Minijobs, dass berufliche Aktivität im Alter nicht unbedingt eine Frage finanzieller Not ist. Die meisten Senioren mit Minijob gibt es im Süden der Republik. Allein in Baden-Württemberg sind es mehr als in allen neuen Bundesländern zusammen – obwohl die Einkommen dort niedriger sind.

Minijobs entstehen also dort, wo der Arbeitsmarkt rund läuft und nicht da, wo niedrige Einkommen am weitesten verbreitet sind.

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