Arbeitsstunden 19.12.2016 Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit

Einerseits arbeiten die Bundesbürger immer weniger – andererseits arbeiten sie mehr unbezahlt als bezahlt. Die jüngsten Daten zur sogenannten Haushaltsproduktion fördern Erstaunliches zutage.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2013 haben die Bundesbürger 89 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet, unter anderem in Pflege und Betreuung, Ehrenämtern, bei Haus- und Gartenarbeit und beim Bauen.
  • Die Zahl der bezahlten Arbeitsstunden ist seit 1992 von 69 Milliarden auf 66 Milliarden im Jahr 2013 gesunken, obwohl es heute fast 4 Millionen Erwerbstätige mehr gibt.
  • Setzt man den Nettostundenlohn von Hauswirtschafterinnen oder Hauswirtschaftern an, waren die unbezahlten Arbeitsstunden rund 826 Milliarden Euro wert.
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Was machen die Leute mit ihrer Zeit? Diese Frage hat das Statistische Bundesamt vom Sommer 2012 bis zum Sommer 2013 rund 5.000 Haushalten mit 11.000 Personen ab zehn Jahren gestellt. Zwar hat es lange gedauert, bis die Ergebnisse vorlagen, dafür sind sie umso überraschender – zumindest beim Thema Arbeit:

Die Zahl der bezahlten Arbeitsstunden ist von 69 Milliarden im Jahr 1992 auf 66 Milliarden im Jahr 2013 zurückgegangen – obwohl die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Zeitraum um fast 4 Millionen gestiegen ist.

Der Grund für diesen scheinbaren Widerspruch ist die rückläufige Arbeitszeit je Beschäftigten, zum Beispiel durch vermehrte Teilzeit. Noch überraschender ist vielleicht, dass die bezahlte Arbeit keineswegs die Hauptbeschäftigung der Bundesbürger ist:

Im Jahr 2013 haben die Bundesbürger 89 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit geleistet.

Zu dieser sogenannten Haushaltsproduktion zählen Haus- und Gartenarbeit, Pflege und Betreuung, Ehrenämter sowie der Bereich Bauen und Handwerk, zum Beispiel Eigenleistungen wie Tapezieren.

Die Deutschen arbeiten mehr unbezahlt als bezahlt und insgesamt weniger als noch vor knapp 25 Jahren.

Zwar ist auch die Zahl der unbezahlten Arbeitsstunden gesunken – seit 1992 sogar fast dreimal so stark wie bei der bezahlten Arbeit. Dies liegt an der gestiegenen Erwerbsbeteiligung der Frauen, der rückläufigen Zahl an Kindern und an dem Trend, Hausarbeiten wie Kochen durch den Griff zu vorgefertigten Nahrungsmitteln zu ersetzen und externe Dienstleister sowie Kinderbetreuungseinrichtungen in Anspruch zu nehmen.

Trotzdem kamen die Bundesbürger im Jahr 2013 auf rund ein Drittel mehr unbezahlte als bezahlte Arbeitsstunden. Auch in Euro und Cent gerechnet hat die Haushaltsproduktion durchaus Gewicht:

Bewertete Arbeitszeit. Setzt man den Nettostundenlohn von Hauswirtschafterinnen oder Hauswirtschaftern an, dann waren die 89 Milliarden unbezahlten Arbeitsstunden des Jahres 2013 rund 826 Milliarden Euro wert.

Bruttowertschöpfung. Dazu zählen die bewertete Arbeitszeit, bestimmte Steuern und Abschreibungen sowie selbstgenutztes Wohneigentum und die unterstellten Einkommen daraus. Insgesamt ergibt sich für 2013 eine Bruttowertschöpfung von 987 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die im Bruttoinlandsprodukt erfasste gesamtwirtschaftliche Bruttowertschöpfung belief sich 2013 auf gut 2.500 Milliarden Euro, das Verarbeitende Gewerbe kam auf 570 Milliarden Euro.

Produktionswert. Er umfasst neben der Bruttowertschöpfung die Vorleistungen, also jene Käufe der privaten Haushalte, die dann im Rahmen der Haushaltsproduktion weiterverarbeitet werden – wenn etwa aus Mehl, Zucker und Butter ein Kuchen wird. Demnach haben die privaten Haushalte 2013 einen Produktionswert von rund 1.373 Milliarden Euro geschaffen.

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