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Metallabschluss wird beiden Seiten gerecht

Die Tarifparteien der M+E-Industrie haben sich auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt, der alle Stellschrauben in Tarifverhandlungen nutzt: Nullmonate, Einmalzahlungen, Differenzierung und eine längere Laufzeit.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Abschluss in der M+E-Industrie sieht eine Gesamtlaufzeit von 21 Monaten bis Ende 2017 vor.
  • Am Ende der Laufzeit sind die Tabellen um insgesamt 4,8 Prozent erhöht.
  • Im Juni gibt es eine Einmalzahlung von 150 Euro.
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Die IG Metall war mit einer Forderung von 5 Prozent für zwölf Monate in die Tarifverhandlungen gegangen. Nach der fünften Tarifverhandlungsrunde ist jetzt im Tarifgebiet Nordrhein-Westfalen ein Abschluss erzielt worden, der für die anderen Bezirke Pilotcharakter hat.

Der Abschluss sieht eine Gesamtlaufzeit von 21 Monaten bis Ende 2017 vor, die in drei Phasen unterteilt ist:

Die erste Phase sieht zwei Nullmonate (April und Mai) und einen Monat mit einer Einmalzahlung von 150 Euro (Juni) vor.

Die zweite Phase ab Juli 2016 beinhaltet eine Anhebung aller Tabellenwerte um 2,8 Prozent. Ab April 2017 folgt eine zweite Stufenerhöhung von 2,0 Prozent. Diese dritte Phase dauert bis Ende 2017.

Ertragsschwache Betriebe können differenzieren

Darüber hinaus ist eine differenzierende Wettbewerbskomponente vereinbart worden, die ertragsschwachen Betrieben eine Lohnkostenentlastung bringen soll. Ein Betrieb mit unterdurchschnittlicher Ertragslage kann sich an seinen zuständigen Arbeitgeberverband wenden, um diese Differenzierungsmöglichkeit einzufordern. Der Arbeitgeberverband fordert dann den zuständigen Ortsverband der IG Metall zu Verhandlungen auf. Diese müssen binnen eines Monats abgeschlossen sein.

Dabei sind zwei Differenzierungen möglich:

Erstens kann die Einmalzahlung verschoben werden oder auch ganz ausfallen.

Zweitens ist es möglich, die zweite Stufenanpassung von 2,0 Prozent um drei Monate zu verschieben.

Auf die gesamte Laufzeit bezogen liegt die Kostenbelastung bei 2,45 Prozent.

Durch die Nullmonate ist die kalenderjährliche Belastung im Jahr 2016 mit 2,14 Prozent niedriger. Für 2017 liegt sie mit 2,67 Prozent darüber.

Ertragsschwache Betriebe, die die Einmalzahlung kürzen und die zweite Stufe der Tariferhöhung um drei Monate auf Juli 2017 verschieben, können die Belastung in beiden Kalenderjahren absenken.

Beide Seiten erreichen Ziele

Mit diesem Abschluss sind wichtige Ziele beider Tarifparteien erreicht worden: Die Lohnkostenbelastung, die sich zwischen 2012 und 2015 auf 14 Prozent belief, wird 2016 und 2017 spürbar abgesenkt. Gleichzeitig steigen die Realeinkommen der M+E-Beschäftigten weiter. Die Differenzierungsmöglichkeiten sind ein wichtiges Instrument: Dadurch können auch ertragsschwächere Betriebe im Flächentarifvertrag bleiben. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung der Tarifbindung, der im beiderseitigen Interesse liegt.

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