Organspenden Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Mehr Worte als Taten

Die Bereitschaft, Blut, Knochenmark und Organe zu spenden, ist in Deutschland durchaus vorhanden. Allerdings scheitert der gute Wille oft an Formalien.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Bereitschaft, Organe zu spenden, ist in Deutschland zwar vorhanden, die Realität sieht anders aus.
  • Die Organspenden scheitern oft an Formalitäten.
  • Die Mehrheit der Organspender hat altruistische Motive.
Zur detaillierten Fassung

In Deutschland warten etwa 10.000 schwer kranke Menschen auf ein lebensrettendes Spenderorgan – rund 8.000 davon auf eine Niere. Die Zahl der gespendeten Organe deckt aber bei weitem nicht den Bedarf. Sie ist noch dazu in den letzten Jahren zurückgegangen (Grafik). So wurden 2014 nur noch knapp 3.000 Organe posthum gespendet. Etwa die Hälfte davon waren Nieren, ein Viertel Lungen und jedes zehnte gespendete Organ war ein Herz.

Weil auch Lebende Organe spenden, konnten 2014 insgesamt 2.128 Nieren, 941 Lebern, 352 Lungen und 304 Herzen transplantiert werden.

Der Mangel an Spenden ist auch an der Wartezeit für ein Spender­organ abzulesen:

Durchschnittlich fünf bis sechs Jahre muss ein Patient warten, bis er eine Spenderniere bekommt.

Dabei scheitert die Spende oft nur an Formalien. So sind fast 70 Prozent der Deutschen grundsätzlich bereit, sich bestimmte Organe nach dem Tod entnehmen zu lassen. Aber nur 28 Prozent der Deutschen besitzen einen Organspendeausweis, der im Fall des Falles eine Transplantation ermöglicht.

Auch die zunehmende Zahl von Patientenverfügungen trägt dazu bei, dass die Wartelisten für Spender­organe länger werden. Denn wer lebenserhaltende Maßnahmen verweigert, verhindert damit oft auch eine Organspende.

Nur wenn der Hirntod medizinisch festgestellt werden kann, der Körper aber noch beatmet und der Kreislauf aufrechterhalten wird, bleiben die Organe funktionsfähig.

In Sachen Blutspende verhalten sich die Bundesbürger ebenfalls ambivalent: Einer Umfrage zufolge wären zwar 60 Prozent bereit, Blut zu spenden. Tatsächlich tun dies laut dem Deutschen Roten Kreuz aber nur 3 Prozent.

Etwas besser sieht die Relation bei den Knochenmarkspenden aus. Dazu wären immerhin 44 Prozent der Befragten bereit. Rund sechs Millionen Deutsche haben dieses Interesse auch aktiv bekundet und sich in die Deutsche Knochenmarkspenderdatei eingetragen. Jedes Jahr können dadurch mehr als 6.500 passende Spender gefunden werden, die durch eine Transfusion von Blutstammzellen an Leukämie Erkrankten das Leben retten.

Die Mehrheit der aktiven beziehungsweise potenziellen Blut- oder Organspender hat altruistische Motive. Rund 80 Prozent wollen anderen Menschen in einer Notsituation helfen. Nur 3 Prozent würden gerne eine Gegenleistung für sich oder Verwandte erhalten.

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