IW-Konjunkturumfrage und -prognose Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Mehr Unsicherheit, weniger Wachstum

Der Welthandel wächst nur noch schwach, viele Schwellenländer suchen nach einem neuen wirtschaftspolitischen Kurs und die ökonomischen Folgen der Flüchtlingszuwanderung sind schwer abzuschätzen. Vor diesem unsicheren Hintergrund haben die vom IW Köln befragten deutschen Unternehmen ihre Erwartungen zurückgeschraubt. Die aktuelle IW-Konjunkturprognose weist deshalb für 2016 nur ein moderates Wachstum von 1½ Prozent aus.

Kernaussagen in Kürze:
  • Vor dem Hintergrund vieler geopolitischer Unsicherheiten und der Flüchtlingszuwanderung weist die IW-Konjunkturprognose für 2016 nur ein moderates Wachstum von 1 1/2 Prozent aus.
  • Das spiegelt sich auch in der IW-Konjunkturumfrage wider – nur noch knapp 38 Prozent der Unternehmen gehen für 2016 von einem positiven Geschäftstrend aus, gut 14 Prozent dagegen von einer Verschlechterung.
  • Gedämpft sind die Erwartungen der Firmen auch in Sachen Exporte und Investitionen, etwas besser dagegen hinsichtlich der Beschäftigungsentwicklung.
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Im Frühjahr sahen laut IW-Umfrage 43 Prozent der Unternehmen die weitere Produktionsentwicklung optimistisch; nur 13 Prozent rechneten mit einem Rückgang (vgl. iwd 18/2015). Die aktuellen Einschätzungen für 2016 sind weniger zuversichtlich (Grafik):

Knapp 38 Prozent der deutschen Unternehmen gehen für 2016 von einem positiven Geschäftstrend aus, gut 14 Prozent dagegen von einer Verschlechterung.

In Ostdeutschland sind sogar nur 31 Prozent der Betriebe optimistisch, mehr als 19 Prozent befürchten eine sinkende Produktion. Besonders groß ist der Anteil der Pessimisten in West wie Ost in der Industrie sowie in der Bauwirtschaft.

Auch sonst zeichnen die IW-Konjunkturumfrage und die IW-Prognose (Tabelle) ein Bild in eher gedeckten Farben:

  1. Außenhandel. Dass wichtige Schwellenländer wie China, Russland und Brasilien in einem Wachstumstal oder gar in einer Rezession stecken und die Eurozone sich weiterhin nur langsam erholt, geht nicht spurlos an der exportorientierten deutschen Wirtschaft vorbei. Hinzu kommt der kräftige Anstieg der Lohnstückkosten in Deutschland, der die Wettbewerbsfähigkeit der Exporteure beeinträchtigt (vgl. iwd 3/2015). Die Folge:

Der Anteil der Unternehmen mit positiven Exporterwartungen ist seit dem Frühjahr von einem Drittel auf ein Viertel zurückgegangen.

Die realen Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen werden 2016 somit nur um 3¼ Prozent steigen.

  1. Investitionen. Weil in vielen Regionen der Welt die wirtschaftliche Dynamik nachgelassen hat, zögern global ausgerichtete deutsche Unternehmen, in neue Maschinen und Anlagen zu investieren. Und jene Firmen, die trotzdem Geld in die Hand nehmen wollen, entscheiden sich angesichts der hohen deutschen Arbeits- und Energiekosten zunehmend für ein Engagement im Ausland statt am heimischen Standort.

Zwar gehen noch 35 Prozent der deutschen Unternehmen von einer höheren Investitionstätigkeit im Jahr 2016 aus und nur 19 Prozent von einem Rückgang. In Ostdeutschland überwiegt jedoch die Skepsis. All das prägt auch die IW-Prognose:

Die realen Investitionen in Ausrüs­tungen wie Maschinen und Produktionsanlagen werden 2015 und 2016 den jeweiligen Vorjahreswert nur um rund 3 Prozent übertreffen.

Auch die Bauinvestitionen werden von der Zurückhaltung im gewerblichen Bereich gebremst, während der Wohnungs- und der öffentliche Bau stärker expandieren.

  1. Privater Konsum. Die Bundesbürger profitieren weiterhin von der guten Arbeitsmarktlage und den damit verbundenen Einkommenszuwächsen. Einige Steuererleichterungen und das kräftige Rentenplus 2016 kommen hinzu. Die Transfers an die Flüchtlinge führen zwar zunächst zu einem höheren staatlichen Verbrauch, erhöhen 2016 aber auch den privaten Konsum um annähernd 10 Milliarden Euro. Insgesamt rechnet das IW Köln für 2016 mit einem realen Anstieg der privaten Konsum­ausgaben um gut 1½ Prozent.
  2. Arbeitsmarkt. Trotz aller Unsicherheit bleiben die Unternehmen in Sachen Beschäftigung noch recht zuversichtlich:

Rund 28 Prozent der deutschen Firmen werden ihre Mitarbeiterzahl 2016 wohl erhöhen, 17 Prozent werden dagegen Personal abbauen.

Die stärksten Beschäftigungsimpulse kommen dabei aus dem Dienstleistungssektor.

Die IW-Prognose geht für das kommende Jahr von einem weiteren leichten Anstieg der Erwerbstätigenzahl auf den neuen Rekordwert von 43,25 Millionen aus. Zugleich ist zwar mit einer um 120.000 höheren Arbeitslosenzahl zu rechnen. Angesichts des vermutlich weiterhin starken Zustroms von Flüchtlingen bleibt die Erwerbslosigkeit aber auf einem niedrigen Niveau. Das liegt auch daran, dass von den etwa 300.000 neu in den Arbeitsmarkt eintretenden Flüchtlingen immerhin rund 80.000 eine Stelle finden dürften und ein weiterer Teil arbeitsmarktpolitische Maßnahmen durchlaufen wird.

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