Mehr Geld für Kitas nötig
Die einzelnen Bundesländer geben unterschiedlich viel Geld für die Betreuung von Kindern unter sechs Jahren aus. Angesichts der nach wie vor bestehenden Betreuungslücken sollten einige Länder mehr Mittel einsetzen – vor allem für die Betreuung der ganz Kleinen.
- Die öffentliche Hand gibt in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich viel für die Betreuung von Kindern unter sechs Jahren aus.
- Mit 12.145 Euro je Kind haben das Land und die Kommunen in Brandenburg 2023 am meisten für Kitas und Tageseltern ausgegeben.
- Vor allem Baden-Württemberg und Bayern sollten mehr Geld in die Finanzierung der Betreuungseinrichtungen stecken – unter anderem, um das künftige Arbeitskräftepotenzial zu sichern.
Politiker betonen immer wieder, wie wichtig Kinder für die Zukunft Deutschlands sind und dass alles für ihre Förderung getan werden müsse. Ein wichtiger Baustein dabei ist zweifellos eine gute Betreuung in den Lebensjahren vor der Einschulung – sei es in einer Kita oder bei Tageseltern. Das IW hat nun genau nachgeschaut, wie viel Geld die öffentlichen Haushalte in den einzelnen Bundesländern für die Betreuung der Jüngsten bereitstellen. Die amtliche Kinder- und Jugendhilfestatistik liefert hierzu derzeit Daten bis 2023. Das Ergebnis der Auswertung (Grafik):
Mit 12.145 Euro je Kind unter sechs Jahren haben das Land und die Kommunen in Brandenburg 2023 am meisten für die Betreuungseinrichtungen ausgegeben.
Mit Berlin, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt stehen weitere Länder im Osten der Bundesrepublik in der Ausgaben-Rangliste weit oben.
Am geringsten waren die öffentlichen Ausgaben mit 8.590 Euro in Baden-Württemberg und auch auf den anderen hinteren Plätzen finden sich mit dem Saarland und Bayern Länder im Süden und Westen Deutschlands. Das einzige ostdeutsche Land, das weniger als den Bundesdurchschnitt in die Kinderbetreuung investiert, ist Thüringen.
Mit 12.145 Euro je Kind unter sechs Jahren haben das Land und die Kommunen in Brandenburg 2023 am meisten für die Kinderbetreuung in Kitas und bei Tageseltern ausgegeben, am geringsten waren die öffentlichen Ausgaben mit 8.590 Euro in Baden-Württemberg.
Die insgesamt deutlich überdurchschnittlichen Ausgaben in Ostdeutschland hängen mit den regional unterschiedlichen Betreuungsverhältnissen zusammen. Denn je jünger die zu betreuenden Kinder sind, umso mehr Personal benötigen die Einrichtungen und umso höher sind ihre Kosten. Und tatsächlich werden in Ostdeutschland deutlich mehr unter Dreijährige versorgt und gefördert als im Westen:
Im März 2023 waren 28 Prozent der in den ostdeutschen Kitas betreuten Jungen und Mädchen jünger als drei Jahre – in den Westländern betrug dieser Anteil nur 19 Prozent.
Dieses Gefälle spiegelt sich auch in den Betreuungsquoten wider: Im Frühjahr 2023 wurden in den ostdeutschen Flächenländern zwischen 54 und 60 Prozent der unter Dreijährigen in Kitas oder bei Tageseltern betreut – im Westen lag diese Quote teils lediglich bei etwas mehr als 30 Prozent.
Nun ist es keineswegs so, dass in den westlichen Ländern kein Bedarf an mehr Betreuungsplätzen für unter Dreijährige bestünde – im Gegenteil: Gerade dort bleiben viele Betreuungswünsche der Eltern mit Kindern in diesem Alter nach wie vor unerfüllt (siehe “Die komplexe Kitakrise”)
Mit Blick auf die Ausgaben lässt sich daraus folgern, dass vor allem Baden-Württemberg und Bayern mehr Geld in die Finanzierung von Kitas und Tageseltern stecken sollten. Das Saarland, welches im Ausgaben-Ranking ebenfalls ziemlich weit hinten steht, hat in jüngster Zeit seine Betreuungskapazitäten bereits deutlich ausgebaut.
Gute Gründe für mehr Geld für die Betreuung der Kleinsten
Verstärkt in die Betreuung, speziell der Jüngsten, zu investieren, lohnt sich insbesondere aus zwei Gründen:
Gleiche Bildungschancen. Kinder, die in bildungsfernen Familien aufwachsen, in denen häufig nicht Deutsch gesprochen wird, laufen Gefahr, in ihrer Kompetenzentwicklung dauerhaft hinter anderen Kindern zurückzubleiben. Dem kann eine qualifizierte Betreuung und Förderung in der Kita entgegenwirken.
Sicherung des Arbeitskräftepotenzials. Angesichts des demografischen Wandels kann es sich Deutschland schlicht nicht leisten, auf das Arbeitspotenzial gut ausgebildeter Mütter länger als nötig zu verzichten. Aus diesem Grund muss der Staat alles tun, um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiter zu verbessern.