Mehr Frauen in hochqualifizierten Berufen
In den vergangenen Jahren ist die Zahl der berufstätigen Frauen in Deutschland stark gestiegen. Allerdings hat sich an den strukturellen Unterschieden in der Erwerbsbeteiligung zwischen Männern und Frauen kaum etwas geändert. Nach wie vor arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit oder in Jobs, für die sie formal überqualifiziert sind.
- Im Jahr 2024 gingen etwa 46 Millionen Menschen in der Bundesrepublik einer Erwerbstätigkeit nach – so viele wie noch nie.
- Gestiegen ist in den vergangenen Jahren vor allem die Zahl der berufstätigen Frauen.
- Frauen verzeichneten insbesondere in höher qualifizierten Tätigkeiten einen starken Zuwachs.
Das Beschäftigungswachstum in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren ist beeindruckend: Im Jahr 2024 gingen etwa 46 Millionen Menschen in der Bundesrepublik einer Erwerbstätigkeit nach – so viele wie noch nie. Ein Großteil dieser Erwerbstätigen – annähernd 33,5 Millionen Menschen – hatte 2024 zudem einen sozialversicherungspflichtigen Job, auch dies ein Höchstwert.
In den vergangenen Jahren sind deutlich mehr Frauen ins Erwerbsleben eingestiegen, vor allem solche mit akademischer Qualifikation: Zwischen 2014 und 2024 betrug das Beschäftigungsplus von Expertinnen 43 Prozent, bei den Männern lag der entsprechende Zuwachs nur bei 30 Prozent.
In absoluten Zahlen trugen seit 2014 beide Geschlechter etwa gleich viel zum deutschen Jobwunder bei: Im Jahr 2024 waren jeweils knapp 2,5 Millionen Frauen und Männer mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt als zehn Jahre zuvor. Dabei vollzog sich das Beschäftigungsplus von Männern und Frauen nicht synchron, denn Frauen verzeichneten besonders in höher qualifizierten Tätigkeiten einen starken Zuwachs (Grafik):
Im Jahr 2024 waren 760.000 mehr Spezialistinnen – also Frauen mit einem Bachelor-, Techniker- oder Meisterabschluss – beschäftigt als 2014, was einem Plus von rund 32 Prozent entspricht.
Bei den Männern betrug der Zuwachs mit 486.000 Spezialisten lediglich gut 21 Prozent. Noch größer ist der Abstand bei den akademisch qualifizierten Experten: Hier fiel der Beschäftigungszuwachs unter Frauen mit 43 Prozent um fast 13 Prozentpunkte höher aus als unter Männern. Bei den Fachkraft- und Helfertätigkeiten war es genau umgekehrt, hier war das Beschäftigungsplus der Männer größer als das der Frauen.
Und in welchen Berufen arbeiten die neuen weiblichen Beschäftigten? Besonders große absolute Zuwächse zwischen 2014 und 2024 verzeichneten frauentypische Engpassberufe in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik oder in der Gesundheits- und Krankenpflege. Eine Berufsgattung toppte alle anderen mit weitem Abstand (Grafik):
In der Kinderbetreuung und -erziehung heuerten innerhalb von zehn Jahren mehr als 210.000 Spezialistinnen sowie weitere knapp 49.000 Helferinnen zusätzlich an.
Die größte relative Veränderung gab es mit einem Plus von 226 Prozent in den Helferberufen der Heilerziehungspflege und Sonderpädagogik. Auch die Beschäftigung von Expertinnen in der Unternehmensberatung (plus 203 Prozent) sowie von Helferinnen im Gastronomieservice (plus 201 Prozent) legte deutlich zu.
Insgesamt gingen im Jahr 2024 annähernd 42 Prozent aller sozialversicherungspflichtig beschäftigten Frauen in Deutschland einem Beruf nach, in dem ein Engpass bestand.
Obwohl in den vergangenen Jahren deutlich mehr Frauen ins Erwerbsleben eingestiegen sind, gibt es weiterhin viel weibliches Potenzial in Deutschland für den Arbeitsmarkt. So arbeitet etwa die Hälfte der Frauen in Teilzeit, bei den Männern beträgt die Teilzeitquote gerade einmal 13 Prozent. Zudem gehen Frauen häufiger als Männer einer geringfügigen Beschäftigung nach. Und Frauen arbeiten häufiger als Männer unterhalb ihres formalen Qualifikationsniveaus:
Zuletzt suchten fast 45 Prozent der arbeitslosen Frauen mit einer betrieblichen oder schulischen Ausbildung sowie rund 40 Prozent derjenigen mit einem Studienabschluss nach einer Tätigkeit, für die sie formal überqualifiziert waren.
Bei Frauen ohne deutsche Staatsangehörigkeit ist dieses Verhalten noch deutlicher ausgeprägt: Knapp sechs von zehn arbeitslosen nicht deutschen Frauen mit akademischer Ausbildung suchen einen Job unterhalb ihres formalen Qualifikationsniveaus, oftmals sogar nur eine Helfertätigkeit.
Bewerberinnen sollten gemäß ihrer Qualifikation eingesetzt werden
Um Talente nicht zu vergeuden, sollten Unternehmen nach den Gründen fragen, wenn sich eine Bewerberin um eine Stelle unterhalb ihres Ausbildungsniveaus bemüht – und mithilfe von Probearbeiten im Betrieb, Weiterbildungen und gegebenenfalls auch berufsbegleitenden Sprachkursen dafür sorgen, dass sie adäquat eingesetzt werden kann.
Außerdem täten die Unternehmen gut daran, ihren Beschäftigten vermehrt Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie flexible Arbeitszeiten, Homeoffice oder Unterstützung bei der Kinderbetreuung zu unterbreiten und diese Angebote deutlicher nach außen zu kommunizieren. Laut einer Studie der Bertelsmann Stiftung erhalten lediglich gut 16 Prozent der Stellenanzeigen konkrete Hinweise auf Familienfreundlichkeit.
Wichtig dabei ist, dass Vereinbarkeitsthemen nicht nur für Frauen relevant sind, denn auch viele Väter wünschen sich flexiblere Arbeitszeiten, mehr Homeoffice oder die Möglichkeit, (zeitweise) beruflich etwas kürzerzutreten.