„Perspektive 2035" Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Mehr Förderung, mehr Forschung

Sowohl die Innovationsfähigkeit als auch der Bildungsstand der Bevölkerung lassen sich in Deutschland noch verbessern. Die erforderlichen höheren Bildungsausgaben finanzieren sich aufgrund des demografischen Wandels ab 2020 mehr und mehr selbst.

Kernaussagen in Kürze:
  • Es sind gezielte Maßnahmen in Kindergärten und Schulen nötig, um das deutsche Bildungssystem zu verbessern.
  • Die Bildungsausgaben für unter 30-Jährige müssen entsprechend steigen.
  • Der Finanzierungsanteil des Staates an Forschungen im Wirtschaftssektor ist seit Jahrzehnten rückläufig. Hier sollte es eine Trendwende geben, um das Wirtschaftswachstum nachhaltig zu steigern.
Zur detaillierten Fassung

Es gibt viele Ursachen, die die Wachstumschancen eines Landes beeinflussen. Zu den wichtigsten gehören die Qualifikationen der Bevölkerung. In einer Gesellschaft, die wie Deutschland altert, ist es besonders wichtig, dass die Erwerbstätigen über möglichst hohe Kompetenzen und Berufsabschlüsse verfügen. Schließlich muss eine stetig schrumpfende Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter eine stetig steigende Zahl von Rentnern finanzieren.

Besser gebildete Erwerbstätige können die wirtschaftlichen Folgen des demografischen Wandels abschwächen. Die Bildungsausgaben für unter 30-Jährige sollten daher steigen.

Um das Bildungssystem für diese Herausforderung fit zu machen, ist keine pauschale Erhöhung der Bildungsausgaben nötig, vielmehr müssen in den kommenden Jahren gezielte Anstrengungen unternommen werden:

  1. Die Grundlagen für die Ausbildungsreife werden im Kindergarten und in der Schule gelegt. Höhere Kompetenzen und bessere Abschlüsse der Schüler können durch einen Ausbau der Betreuung für unter Dreijährige und eine Erhöhung der Qualität in den Kindergärten erreicht werden. Für mehr Bildungsqualität in den Schulen benötigen diese mehr Entscheidungsfreiheit, idealerweise verbunden mit der Einführung von Bildungsstandards und Vergleichsarbeiten.

Darüber hinaus sollten mehr junge Menschen für MINT-Ausbildungsgänge gewonnen werden, also für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, da diese Qualifikationen besonders innovationsrelevant sind.

  1. Um die Potenziale der Zuwanderer und Geflüchteten besser zu nutzen, muss auch die Ausbildungsvorbereitung verbessert werden. Dazu sind passende Angebote zu entwickeln und die Sprachförderung auszubauen.

Für all dies ist eine deutliche Ausweitung der Bildungsausgaben für die unter 30-Jährigen notwendig. Diese Gruppe wird in Deutschland ab 2020 immer kleiner. Das heißt: Die Bildungsausgaben sind dann – bei konstantem realem Gesamtbudget für Bildung – aus der demografischen Rendite finanzierbar:

Während die öffentlichen Bildungsausgaben je Person unter 30 Jahren 2020 etwa 5.300 Euro betragen, steigen sie bis 2035 allein aufgrund des demografischen Wandels auf 5.800 Euro.

Um das Wirtschaftswachstum nachhaltig zu steigern, sollten auch die Forschungsaktivitäten stärker gefördert werden. Das staatliche Engagement konzentriert sich aber zunehmend auf den Wissenschaftssektor, während die öffentliche Forschungsförderung der Wirtschaft zurückgeht (Grafik):

Von 1981 bis 2015 ist der Finanzierungsanteil des Staates an den Forschungsaufwendungen im Wirtschaftssektor von 17 auf 3,4 Prozent gesunken.

Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) könnten steigen, wenn der Staat nicht mehr nur bestimmte Projekte unterstützt, sondern zusätzlich eine steuerliche FuE-Förderung einführt.

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