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Mehr Anerkennung tut not

Viele Menschen, die nach Deutschland einwandern, haben keinen formellen Berufsabschluss. Doch selbst jene, die eine solche Qualifikation mitbringen, werden oft nur als An- und Ungelernte beschäftigt. Um dem abzuhelfen, müssen ausländische Berufsabschlüsse stärker anerkannt und gegebenenfalls durch Nachqualifizierungen ergänzt werden.

Kernaussagen in Kürze:
  • Von den rund elf Millionen Menschen in Deutschland lebenden Menschen im erwerbsfähigen Alter, die einen Migrationshintergrund haben, hat jeder Dritte keinen beruflichen Abschluss.
  • Nur knapp 10 Prozent der 16- bis 64-Jährigen ohne Migrationshintergrund sind trotz Berufsabschluss als An- und Ungelernte beschäftigt – von den Zuwanderern mit ausländischem Abschluss dagegen fast 34 Prozent.
  • Migranten, deren ausländischer Berufsabschluss in Deutschland vollständig anerkannt wird, haben ein deutlich geringeres Risiko, nur als An- und Ungelernte beschäftigt zu werden.
Zur detaillierten Fassung

Die Zahlen sind eindeutig: Von den rund elf Millionen in Deutschland lebenden Menschen im erwerbsfähigen Alter, die einen Migrationshintergrund haben, hat jeder Dritte keinen beruflichen Abschluss. Besonders hoch ist der Anteil mit fast 37 Prozent bei jenen knapp neun Millionen Migranten, die selbst zugewandert sind. Zum Vergleich: Bei den Bundesbürgern ohne Migrationshintergrund beträgt der Anteil nur gut 9 Prozent.

Die Gründe für den Qualifikationsnachteil der Migranten sind vielschichtig. Eine Ursache liegt in der früheren Zuwanderungspolitik. Bis Anfang der 1970er Jahre warb Deutschland „Gastarbeiter“ an – und zwar ganz gezielt geringqualifizierte Arbeitskräfte. Auch nach dem Anwerbestopp von 1973 kamen im Rahmen des Familiennachzugs vor allem Menschen mit niedrigem Ausbildungsniveau hierher. Ein weiterer Grund könnte sein, dass die Zuwanderer aus Ländern gekommen sind, in denen formale Berufsabschlüsse eine geringere Rolle spielen als in der Bundesrepublik.

Doch selbst wer einen Abschluss in der Tasche hat, muss unter Umständen mit einem Job für An- und Ungelernte vorliebnehmen. Auch hier stehen Migranten viel schlechter da als die übrige Bevölkerung – vor allem, wenn die Qualifikation im Ausland erworben wurde (Grafik):

Nur knapp 10 Prozent der 16- bis 64-Jährigen ohne Migrationshintergrund sind trotz Berufsabschluss als An- und Ungelernte beschäftigt – von den Zuwanderern mit ausländischem Abschluss dagegen fast 34 Prozent.

Eine Ursache für diese hohe Quote ist, dass ausländische Berufsausbildungen in Deutschland oft nicht anerkannt werden. Von den Zuwanderern dagegen, die ihre Berufsausbildung in Deutschland absolviert haben, üben lediglich etwas mehr als 12 Prozent einen Helferjob aus.

Mit dem im April 2012 in Kraft gesetzten Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz will die Bundesregierung erreichen, dass ausländische Berufsabschlüsse besser anerkannt werden. Dabei zählt auch die Erfahrung, die die Migranten in dem entsprechenden Beruf bereits erworben haben. Die ersten Erfahrungen mit dem Gesetz sind ermutigend:

Migranten, deren ausländischer Berufsabschluss in Deutschland vollständig anerkannt wird, haben ein deutlich geringeres Risiko, nur als An- und Ungelernte beschäftigt zu werden.

Mit der gesetzlichen Anerkennung von Abschlüssen ist es allerdings nicht getan. Wichtig ist auch, die Migranten beim Erlernen der deutschen Sprache zu unterstützen. Zudem lassen sich die Zuwanderer – ob mit oder ohne beruflichen Abschluss – besser in den hiesigen Arbeitsmarkt integrieren, wenn es für sie passende Angebote zur Nachqualifizierung gibt (vgl. iwd 43/2014). Vor allem für ältere Migranten, die aus zeitlichen und/oder finanziellen Gründen keine vollständige Berufsausbildung nachholen können, steigert der Erwerb von Teilqualifikationen die Chancen, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen.

Informationen zur Bewertung ausländischer Berufsabschlüsse unter: bq-portal.de

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