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Medizintechnik: Hightech für die Gesundheit

Qualitativ hochwertige und weltweit nachgefragte Produkte sorgen dafür, dass Umsatz und Beschäftigung in der Medizintechnik-Branche seit Jahren wachsen. Die Aussichten für diesen Zweig der Metall- und Elektro-Industrie sind gut – dank der steigenden Lebenserwartung in den Industriestaaten und des zunehmenden Wohlstands in den Schwellen- und Entwicklungsländern.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Betriebe der deutschen Medizintechnik sind mit ihren Technologien weltweit führend sind, liefern aber auch Standardprodukte in bewährter Qualität.
  • Die Medizintechnik konnte ihren Umsatz 2016 steigern, die Tendenz setzt sich in 2017 bislang fort.
  • Wichtige Zukunftsfelder der Branche werden virtuelle Diagnosen und Behandlungen sein, damit vor allem die Landbevölkerung gut versorgt werden kann.
Zur detaillierten Fassung

In den Industrieländern werden die Menschen immer älter, in den Schwellen- und Entwicklungsländern steigen der Wohlstand und die Bevölkerungszahlen. Beide Entwicklungen kommen der Medizintechnik zugute, denn beide erhöhen auf unterschiedliche Weise die Nachfrage nach medizinischen Leistungen.

Die Betriebe der deutschen Medizintechnik profitieren von diesen Trends besonders, da sie einerseits mit ihren Technologien weltweit führend sind, andererseits Standardprodukte in bewährter Qualität liefern – und somit das gesamte Anforderungsspektrum abdecken.

Zwei Sparten, eine Branche. Die deutsche Medizintechnik teilt sich in zwei Bereiche:

  1. Die Elektromedizin steht für Hightech-Geräte – die Palette reicht vom hochauflösenden Ultraschallgerät über Elektroskalpelle in der Hochfrequenzchirurgie bis zum Magnetresonanztomografen. Im Jahr 2016 waren gut 18.700 Mitarbeiter in den 30 Betrieben der Elektromedizin beschäftigt.
  2. Die Herstellung von medizinischen und zahnmedizinischen Apparaten und Materialien befasst sich zum einen mit technologisch anspruchsvollen Geräten – etwa für die Zahnmedizin. Zum anderen umfasst die Angebotspalette auch traditionelle Produkte wie Skalpelle und Mullbinden. Mit insgesamt 87.500 Mitarbeitern in gut 400 Betrieben sind hier 82 Prozent aller Branchenmitarbeiter beschäftigt.

Die Medizintechnik-Branche wächst seit Jahren. Die Aussichten sind dank steigender Lebenserwartung in Industriestaaten und zunehmenden Wohlstand in Schwellen- und Entwicklungsländern gut.

Der Umsatz. Zusammengenommen konnten die Unternehmen der Medizintechnik ihren Umsatz im vergangenen Jahr um 3,9 Prozent auf gut 27 Milliarden Euro steigern. Treibende Kraft war dabei die Inlandsnachfrage – der Absatz innerhalb der Landesgrenzen wuchs mit einem Plus von 5 Prozent noch stärker als der auf den Auslandsmärkten. Diese Tendenz setzt sich offenbar auch 2017 fort (Grafik):

In den ersten beiden Monaten dieses Jahres legte der Inlandsumsatz in der Medizintechnik im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,2 Prozent zu.

Insgesamt ist die Medizintechnik aber stark auf ausländische Märkte ausgerichtet – die Exportquote lag im vergangenen Jahr bei gut 67 Prozent.

Die Beschäftigung. Die Branche wächst seit geraumer Zeit – auch die Beschäftigungszahlen gingen in den vergangenen acht Jahren kontinuierlich nach oben. Zwar gab es in der Elektromedizin von 2009 auf 2010 einen Beschäftigungsknick, doch der ist wohl auf eine statistische Änderung zurückzuführen. Die Aufteilung der Medizintechnik war zum damaligen Zeitpunkt noch neu und nicht immer frei von Überschneidungen. Besonders gut fällt die Personalbilanz im zweiten Bereich aus (Grafik):

Die Hersteller von medizinischen und zahnmedizinischen Apparaten haben ihre Belegschaft seit 2009 um 28 Prozent aufgestockt.

Durch die außerordentlich hohen Anforderungen an Qualität und Hygiene ist eine Verlagerung der Produktion an kostengünstigere Standorte anscheinend keine Option – auch nicht für einfachere medizinische Apparate und Materialien.

Die Branchenstruktur. Mittelständische Unternehmen dominieren das Bild der deutschen Medizintechnik. Durchschnittlich arbeiten 245 Beschäftigte in einem Betrieb. Dabei sind in diesem Wert die 790 kleineren Betriebe mit weniger als 50 Beschäftigten noch nicht einmal enthalten. Dort arbeiteten 2015 noch einmal circa 24.000 Menschen, wobei die Grenzen zum medizintechnischen Handwerk – etwa in der Orthopädie – fließend sind. Bei den Herstellern von (zahn-)medizinischen Apparaten und Materialien gibt es weit mehr Kleinbetriebe als in der Elektromedizin.

Die mittelständische Struktur der Branche mit viel Kleinserienfertigung von Spezialgeräten schlägt sich auch in der Produktivität nieder. Sie bleibt mit 255.000 Euro Umsatz je Mitarbeiter unter dem Wert der gesamten Industrie.

Die Zukunft: Virtuelle Diagnosen und Behandlungen

Die Zukunft der Branche. Auch wenn die „traditionelle“ Medizintechnik in Deutschland dominiert – der technische Fortschritt spielt eine immer größere Rolle. Das zeigt sich im Arbeitsalltag der Mediziner. Tablets gehören zum Beispiel für Ärzte schon längst zur Grundausstattung, um schnell und unkompliziert auf Patientendaten zugreifen zu können.

Wichtige Zukunftsfelder werden virtuelle Diagnosen und Behandlungen sein. In ländlichen Gebieten, egal ob in fortschrittlichen oder in weniger entwickelten Ländern, könnten auf diese Weise Lücken in der medizinischen Versorgung vor Ort gefüllt werden.

In skandinavischen Gesundheitszentren werden derartige Ferndiagnosen, die einen entsprechenden Ausbau der Digitalinfrastruktur voraussetzen, bereits praktiziert. Langfristig könnten auch fernüberwachte Operationsroboter zum Einsatz kommen.

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