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Masse statt Klasse

Der Tourismus auf See boomt: Schwimmende Hochhäuser wie die Oasis of the Seas der Reederei Royal Caribbean können immer mehr Passagiere unterbringen, mittlerweile bis zu 5.400 Menschen. Damit sinken die Kosten und die einst elitären Kreuzfahrten sind heute ein Massen-Phänomen. Das freut die deutsche Tourismusbranche.

Kernaussagen in Kürze:
  • Deutschland hat sich neben dem Vereinigten Königreich zum wichtigsten europäischen Kreuzfahrtmarkt entwickelt.
  • Rund 1,5 Millionen Deutsche machen pro Jahr eine Kreuzfahrt, Mitte der 1990er Jahre gingen gerade einmal 250.000 Passagiere an Bord.
  • Der Markt wird von Reedereien mit großen Schiffen bestimmt, die traditionsreichen kleinen Gesellschaften können nur bestehen, wenn sie eine Nische finden.
Zur detaillierten Fassung

Deutschland hat sich neben dem Vereinigten Königreich zum wichtigsten europäischen Kreuzfahrtmarkt entwickelt. Für das laufende Jahr wird für den deutschen Markt mit 13 Millionen Passagiernächten gerechnet – das sind 18 Prozent mehr als im Vorjahr. Offenbar hat auch die Havarie der Costa Concordia vor drei Jahren Schiffsurlauber nicht abgeschreckt:

Rund 1,5 Millionen Deutsche machen pro Jahr eine Kreuzfahrt, Mitte der 1990er Jahre gingen gerade einmal 250.000 Passagiere an Bord.

Galten Kreuzfahrten früher zumeist als elitäres Vergnügen älterer Millionäre, die abends im Smoking respektive Abendkleid zum Captain’s Dinner gingen, sind seit etwas mehr als 15 Jahren vor allem Clubschiffe wie die AIDA gefragt, die jüngere Passagiere ansprechen. Die Marke gehört seit 2002 der weltgrößten Kreuzfahrtgruppe Carnival Corporation, die mit annähernd 250.000 Passagierbetten und mehr als 90.000 Mitarbeitern nahezu die Hälfte des globalen Kreuzfahrtmarktes auf sich vereint (Grafik).

Die traditionsreichen kleinen Gesellschaften haben es dagegen schwer, wenn es ihnen nicht gelingt, eine Nische zu finden. Manche setzen beispielsweise auf Luxus, wie die deutsche Traditionsreederei Hapag-Lloyd. Das Unternehmen mit Sitz in Hamburg bietet gerade mal 1.300 Betten auf wenigen exklusiven Schiffen wie der MS Europa an – und hat damit Erfolg.

Anderen allerdings, denen ein besonderes Konzept fehlt, wird die fehlende Größe zum Verhängnis: Im Jahr 2010 ging die renommierte deutsche Kreuzfahrtreederei Deilmann – bekannt durch das ZDF-„Traumschiff“ – pleite. Ihre 1998 gebaute „Deutschland“ ist gerade einmal ein Zehntel so groß wie die neuesten Kreuzfahrtschiffe.

An den Kreuzfahrtriesen mit bis zu 2.700 Kabinen gibt es zwar immer wieder Kritik – etwa wegen der langen Wartezeiten für Landgänge und der übermäßigen Beanspruchung kleinerer Zielorte durch die Passagiermassen – doch gebaut und gebucht werden sie weiterhin.

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