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Magere Zeiten für den Pleitegeier

Obwohl die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr nur um 0,4 Prozent gewachsen ist, hat sich die Zahl der Insolvenzen deutlich verringert. Mit nur noch 26.300 Firmenpleiten wurde 2013 ein neuer Tiefstand erreicht.

Kernaussagen in Kürze:
  • Obwohl die deutsche Wirtschaft im vergangenen Jahr nur um 0,4 Prozent gewachsen ist, hat sich die Zahl der Insolvenzen deutlich verringert.
  • Waren früher im Schnitt Eigenkapitalquoten von weniger als 20 Prozent der Bilanzsumme die Regel, sind es mittlerweile 27 Prozent.
  • Nach Untersuchungen von Creditreform hat sich das Durchschnittsalter insolventer Unternehmen erhöht, das spricht für eine verbesserte Überlebensfähigkeit neu gegründeter Unternehmen.
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Nach vorläufigen Berechnungen von Creditreform ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen schon im vierten Jahr hintereinander gesunken (Grafik). Die bis September 2013 vorliegenden amtlichen Zahlen des Statistischen Bundesamts stützen diese Berechnungen. Demnach mussten bis zum Herbstanfang knapp 20.000 Firmen Insolvenz anmelden, das waren 8,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Im Krisenjahr 2009 traten noch fast 33.000 Betriebe den Gang zum Insolvenzrichter an, weil sie überschuldet waren oder kein Geld mehr hatten, um ihre Rechnungen zu begleichen.

Dass der Negativrekord des Jahres 2004 – damals gab es mehr als 39.000 Insolvenzen – selbst 2009 nicht übertroffen wurde, hat vor allem einen Grund: Die Unternehmen haben heute mehr Eigenkapital als früher und können damit Durststrecken besser überwinden.

Waren früher im Schnitt Eigenkapitalquoten von weniger als 20 Prozent der Bilanzsumme die Regel, sind es mittlerweile 27 Prozent.

Kleinere Mittelständler hatten früher sogar nur Eigenkapitalquoten von 10 Prozent, heute sind es mehr als 20 Prozent.

Ein weiterer Grund für die geringere Anzahl an Pleiten dürfte die stark gesunkene Arbeitslosigkeit sein, was vor allem die Binnenwirtschaft über eine höhere Kaufkraft stützt. Die meisten Pleitefirmen waren nämlich nicht auf den Exportmärkten aktiv; es handelte sich eher um kleinere Betriebe im Dienstleis­tungssektor. Die rege Bautätigkeit trägt ebenfalls zur entspannten Situation bei, weil der Bau traditionell eine hohe Insolvenzquote aufweist.

Auch im Jahr 2013 gab es spektakuläre Großinsolvenzen – allen voran die Pleite der Baumarktkette Praktiker samt Tochter Max Bahr, die mehr als 10.000 Mitarbeiter beschäftigten. Aber auch der Callcenter-Betreiber Walter, die Solarfirma Conergy und der TV-Produzent Loewe mussten die Segel streichen. Insgesamt sind Großunternehmen aber längst nicht mehr so pleiteanfällig wie früher – es sind meist Kleinbetriebe, die Insolvenz anmelden müssen. Nur 2 Prozent der Fälle betreffen Unternehmen mit mehr als 50 Beschäftigten, während neun von zehn insolventen Firmen maximal 10 Mitarbeiter haben.

Nicht zuletzt deshalb liegt die Zahl der durch Pleiten verlorenen Jobs – 285.000 im Jahr 2013 – nah beim bisherigen Tiefstand. Überdies finden sich für qualifizierte Kräfte angesichts der guten Arbeitsmarktlage meist schnell neue Stellen.

Nach Untersuchungen von Creditreform hat sich das Durchschnittsalter insolventer Unternehmen erhöht – während es 2012 noch in 65 Prozent der Fälle Firmen traf, die vor weniger als zehn Jahren gegründet wurden, waren es 2013 nur noch 60 Prozent. Dies spricht für eine verbesserte Überlebensfähigkeit neu gegründeter Unternehmen. Offenkundig machen sich neuerdings überwiegend jene Menschen selbstständig, die eine tragfähige Geschäftsidee haben – früher gründeten dagegen viele aus der Not heraus, weil sie keinen Arbeitsplatz fanden.

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