M+E-Strukturbericht (Teil 6) Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

M+E-Industrie stark vernetzt

Die Metall- und Elektro-Industrie sorgt für etwa 21 Prozent der Wertschöpfung und 18 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland. Das ist deutlich mehr, als es ihrem direkten Anteil an diesen Größen entspricht. Der Grund: Durch einen intensiven Vorleistungshandel beeinflusst die M+E-Industrie die Wertschöpfung anderer Branchen positiv.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Metall- und Elektro-Industrie ist - Vorleistungskäufe von anderen Branchen berücksichtigt - für gut ein Fünftel der Wertschöpfung in Deutschland verantwortlich.
  • Der wichtigste Partner für die M+E-Industrie ist der Handel. Etwa 20 Prozent des gesamten Vorleistungsvolumens – also der Summe aus gelieferten und erhaltenen Vorleistungen – entfallen auf diese Branche.
  • Die M+E-Industrie in Deutschland hat eine Drehscheibenfunktion und sorgt für eine indirekte Internationalisierung weniger exportorientierter Branchen,
Zur detaillierten Fassung

Die Metall- und Elektro-Industrie ist ein Grundpfeiler der florierenden Wirtschaft in Deutschland. Im Jahr 2015 lag der direkte M+E-Anteil an der gesamten Wertschöpfung bei 15,3 Prozent. Die Bedeutung der M+E-Unternehmen geht aber über diesen Faktor hinaus. Denn ein prägendes Merkmal für die Branche ist ihr intensiver Vorleistungshandel, mit dem sie die Wertschöpfung anderer Wirtschaftszweige steigert (Grafik):

Zusätzlich zur eigenen Wertschöpfung generiert die M+E-Industrie weitere 6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) durch Vorleistungskäufe von anderen Branchen.

Anteil der M+E-Industrie an der Wertschöpfung in Deutschland in Prozent

Die M+E-Unternehmen arbeiten in einem Vorleistungsverbund mit anderen Branchen, das heißt sie kaufen Waren und Dienstleistungen, die sie zur Unterstützung der eigenen Produktion brauchen – und stellen umgekehrt entsprechende Güter für andere Wirtschaftszweige bereit. Unter dem Strich lässt sich so gut ein Fünftel der deutschen Wertschöpfung auf die Metall- und Elektro-Industrie zurückführen.

Die M+E-Industrie betreibt einen regen Vorleistungshandel innerhalb Deutschlands und steigert dadurch die Wertschöpfung anderer Branchen.

Die M+E-Industrie hat sich dabei in der Vergangenheit durch Konstanz ausgezeichnet: Im Jahr 2006 lag ihr Anteil an der Wertschöpfung bei 21,4 Prozent, zehn Jahre später betrug er 21,2 Prozent. Eine Hochphase erlebte die Branche vor der Finanz- und Wirtschaftskrise: Mit 22,6 Prozent wurde 2007 ein Höchststand erreicht.

Die engen Verflechtungen zwischen den Betrieben der M+E-Industrie und Unternehmen anderer Branchen lassen sich auch anhand der Erhebungen der World Input-Output Database belegen (Grafik):

Im Jahr 2014 kauften die M+E-Unternehmen Vorleistungen im Wert von 231 Milliarden Euro von anderen Branchen in Deutschland.

Vorleistungsverflechtungen der deutschen M+E-Industrie in Deutschland im Jahr 2014 in Milliarden Euro

Das entspricht 52 Prozent aller M+E-Vorleistungseinkäufe in Deutschland. Die übrigen 48 Prozent kommen aus der Branche selbst. Auf der anderen Seite lieferten die M+E-Firmen rund ein Viertel ihrer Vorprodukte an inländische Betriebe außerhalb der eigenen Branche.

Handel wichtigster Partner

Der wichtigste Partner für die M+E-Industrie ist der Handel. Etwa 20 Prozent des gesamten Vorleistungsvolumens – also der Summe aus gelieferten und erhaltenen Vorleistungen – entfallen auf diese Branche. Weitreichende Verflechtungen gibt es auch zu unternehmensnahen Dienstleistungen wie Rechtsberatung und Werbung (19,5 Prozent), dem sonstigen Verarbeitenden Gewerbe (14,7 Prozent) und der Logistik (11,2 Prozent).

Auch innerhalb der M+E-Industrie werden Vorleistungen intensiv gehandelt. Die Unternehmen tauschten 2014 Waren und Dienstleistungen im Wert von 213 Milliarden Euro untereinander aus.

Mit rund 46 Milliarden Euro sind die internen Vorleistungsverflechtungen im Fahrzeugbau besonders stark ausgeprägt.

Lieferanten für die anderen M+E-Branchen sind vor allem die Metallerzeugung und -bearbeitung sowie die Hersteller von Metallerzeugnissen. Sie produzieren gemeinsam Vorleistungen im Wert von 50 Milliarden Euro. Größte Abnehmer sind die Unternehmen des Maschinen- und des Fahrzeugbaus. Diese Branchen beziehen zusammen Vorleistungen im Wert von 62 Milliarden Euro von anderen M+E-Branchen in Deutschland.

Einfluss auf Internationalisierung anderer Branchen

Insgesamt gesehen hat die Metall- und Elektro-Industrie in Deutschland eine Drehscheibenfunktion. Ihre hohe Exportorientierung, kombiniert mit dem intensiven Bezug von Vorleistungen aus dem Inland, sorgt dafür, dass auch weniger exportorientierte Branchen indirekt internationaler agieren. Denn deren nationale Wertschöpfung ist in den M+E-Produkten für den Welthandel enthalten.

Im Vorleistungshandel ist die deutsche M+E-Industrie Nettovorleistungsnehmer: Den eingekauften Waren und Dienstleistungen im Wert von 231 Milliarden Euro stehen Lieferungen von 73 Milliarden Euro gegenüber. Besonders der Handel (48 Milliarden Euro) und die unternehmensnahen Dienste (52,8 Milliarden Euro) konnten einen deutlichen Vorleistungsüberschuss gegenüber der M+E-Industrie verzeichnen. Mit Ausnahme der Land- und Forstwirtschaft, des Bergbaus sowie der Bauwirtschaft sind alle Branchengruppen in Deutschland Nettolieferanten – sie verkaufen also mehr Vorleistungen an die M+E-Unternehmen, als sie von ihnen einkaufen.

 

Gutachten

Dieser Beitrag basiert auf dem Gutachten „Vierter Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland“, das die IW Consult im Auftrag des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall erstellt hat. Download unter gesamtmetall.de

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