Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

M+E-Industrie: Neue Ausbildungschancen durch Digitalisierung

Die zunehmende Digitalisierung verändert die Anforderungen an die Mitarbeiter in der M+E-Industrie. Um kompetente Fachkräfte ausbilden zu können, müssen die Inhalte der Berufe angepasst werden. Dazu haben die M+E-Arbeitgeber- und Industrieverbände sowie die Gewerkschaft IG Metall gemeinsame Handlungsempfehlungen entwickelt.

Kernaussagen in Kürze:
  • Damit die deutsche M+E-Industrie ihre Spitzenposition auf den Weltmärkten behaupten kann, muss Industrie 4.0 in den Betrieben erfolgreich umgesetzt werden.
  • Daher wurden neue Richtlinien für die Ausbildung entwickelt, um die Mitarbeiter bestmöglich auf die neuen Anforderungen vorzubereiten.
  • Kernthemen sind gemeinsame Grundlagen, Zusatzqualifikationen nach Bedarf und bessere Unterstützung für Betriebe und Schulen.
Zur detaillierten Fassung

Industrie 4.0 – das bedeutet für die Metall- und Elektro-Industrie Veränderungen in der industriellen Produktion und in den Geschäftsprozessen. Ziel ist es, wandlungsfähige und vernetzte Produktions- und Logistikprozesse zu schaffen, die eine hocheffiziente und flexible Produktion ermöglichen. Dadurch können die Unternehmen individuelle Produktvarianten anbieten und Kundenwünsche direkt in den Prozess integrieren.

Damit die deutsche M+E-Industrie ihre Spitzenposition auf den Weltmärkten behaupten kann, muss Industrie 4.0 in den Betrieben erfolgreich umgesetzt werden. Nur so lassen sich Wachstum und Beschäftigung nachhaltig sichern. Die Basis dafür liefern die Mitarbeiter:

Wenn die M+E-Unternehmen ihre Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit sichern wollen, brauchen sie Fachkräfte mit Erfahrung, Kompetenz und Professionalität.

Anpassungen an Industrie 4.0

Entsprechend wichtig ist es, dass die Mitarbeiter gut aus- und weitergebildet werden, um den neuen Anforderungen gewachsen zu sein. Gerade was die Ausbildung angeht, hat die Branche die Zeichen der Zeit erkannt: Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall, der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) und die IG Metall haben bereits 2016 beschlossen, zu überprüfen, ob die Ausbildungsberufe der M+E-Industrie und die darauf aufbauenden Fortbildungen den Anforderungen der Digitalisierung entsprechen oder mit Blick auf Industrie 4.0 angepasst werden sollten.

Die M+E arbeitet an einem verbesserten Ausbildungskonzept, um den Nachwuchs fit für die Industrie 4.0 zu machen.

Mithilfe von Experten aus Betrieben, Berufsschulen und der Wissenschaft sowie nach Auswertung verschiedener Studien wurden Vorschläge für aktualisierte Ausbildungsordnungen und die dafür notwendigen Maßnahmen entwickelt. Die Handlungsempfehlungen sind inzwischen mit den zuständigen Bundesministerien und Entscheidungsträgern abgestimmt. Ehrgeiziges Ziel: Ab August 2018 soll nach den neuen Ordnungen ausgebildet werden. Betroffen sind die industriellen Metallberufe, die industriellen Elektroberufe und Mechatroniker (Grafik):

In diesen Kernberufen der M+E-Industrie sowie in den technischen IT-Berufen wurden allein 2016 rund 72.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen.

Bei der Ausarbeitung der neuen Richtlinien haben die Beteiligten unterschiedliche Aspekte berücksichtigt (Grafik).

Moderne Berufsbilder als Vorbild. Die derzeitigen Ausbildungsberufe wurden 2003/2004 entwickelt. Die dynamisch und prozessorientiert angelegte Struktur der Ausbildung hat sich bewährt und soll beibehalten werden. Durch ihre hohe Flexibilität wird diese Struktur auch den zukünftigen Anforderungen von Industrie 4.0 weitgehend gerecht. Neue Berufsbilder sind nicht erforderlich. Trotzdem müssen die bestehenden Berufsbilder aktualisiert und an die neuen Anforderungen angepasst werden.

Gemeinsame Grundlagen für alle. Während einige M+E-Unternehmen Vorreiter in Industrie-4.0-Prozessen sind, stehen andere noch am Anfang. Aber egal, ob Profi oder Anfänger: Alle Betriebe müssen ihren Auszubildenden gewisse Grundlagen vermitteln. Diese sind in den Ausbildungsordnungen festgehalten. Die Herausforderung liegt darin, den Ausbildungsrahmenplan so zu gestalten, dass er flexibel genug für künftige Entwicklungen ist und den Qualifikationsanforderungen gerecht wird, ohne das Ausbildungsziel zu verfehlen.

Die Ausbildungsinhalte, die im Umgang mit digitaler Arbeit im Berufsleben notwendig sind, werden als neue integrative Berufsbildposition „Digitalisierung der Arbeit, Datenschutz und Informationssicherheit“ in die Ausbildungsordnungen aufgenommen und sind verbindlich.

Ergänzend werden die Berufsbildpositionen „Betriebliche und technische Kommunikation“ sowie „Planen und Organisieren der Arbeit, Bewerten der Arbeitsergebnisse“ um für Industrie 4.0 relevante Inhalte erweitert.

Zusatzqualifikationen nach Bedarf. Betriebe und Auszubildende sollen die Möglichkeit bekommen, Zusatzqualifikationen zu wählen, die in den Ausbildungsordnungen verankert und somit bundeseinheitlich geregelt sind. Im Metallbereich soll beispielsweise die Zusatzqualifikation „Additive Fertigungsverfahren“ – dazu zählt der 3-D-Druck – oder im Elektrobereich die „Digitale Vernetzung“ angeboten werden. So werden zusätzliche Kompetenzen nicht nur vermittelt, sondern auch transparent gemacht und belegt.

Unterstützung für Betriebe und Schulen. Neben der inhaltlichen Anpassung müssen den Ausbildern konkrete Hilfen für die Umsetzung an die Hand gegeben werden. Für Schulen und Betriebe wird es fachdidaktische und medientechnische Konzepte im Kontext von Digitalisierung und Industrie 4.0 geben. Der Qualifizierung der Ausbilder in den Unternehmen und der Lehrer an den Berufsschulen kommt eine besondere Bedeutung zu.

Regelmäßiges Monitoring. Wie das Thema Industrie 4.0 von den Unternehmen umgesetzt wird, ist derzeit kaum absehbar. Durch ein regelmäßiges Monitoring sollen die Entwicklungen beobachtet werden, damit die verantwortlichen Sozialpartner gegebenenfalls kurzfristig reagieren können.

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