Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

M+E-Industrie: Mitarbeiter bleiben lange in ihren Betrieben

Die Metall- und Elektro-Industrie setzt auf eine langfristige Zusammenarbeit mit ihren Mitarbeitern. Das zeigen Daten zur durchschnittlichen Dauer der Betriebszugehörigkeit. Die Mär vom modernen Arbeitnehmer, der als Unternehmer in eigener Sache von einem Job zum nächsten eilt, stimmt nicht mit der Realität überein.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeitsdauer in Deutschland ist seit Jahrzehnten auf einem hohen, sogar leicht steigenden Niveau.
  • In der M+E-Industrie bleiben die Beschäftigten im Schnitt mehr als zwölf Jahre in einem Unternehmen.
  • Größere Betriebe weisen eine längere durchschnittliche Dauer der Betriebszugehörigkeit auf als kleinere Betriebe.
Zur detaillierten Fassung

Immer weniger stabile Beschäftigungsverhältnisse, kaum noch Festanstellungen und Arbeitnehmer, die wie Nomaden von einem Unternehmen zum anderen ziehen – dieses Bild wird in der Öffentlichkeit häufig vom deutschen Arbeitsmarkt gezeichnet. Der Realität entsprechen diese Annahmen jedoch nicht. Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panels, in dem rund 17.000 Erwerbstätige befragt wurden, zeigen:

Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeitsdauer ist seit Jahrzehnten auf einem hohen, sogar leicht steigenden Niveau.

Auch in der Metall- und Elektro-Industrie ist von einer Auflösung traditioneller Beschäftigungsstrukturen nichts zu sehen. Vielmehr liegt die Betriebszugehörigkeit seit 1994 konstant bei rund zwölf Jahren (Grafik):

In der M+E-Industrie bleiben Arbeitnehmer länger in einem Betrieb als ihre Kolleginnen und Kollegen in der Gesamtwirtschaft.

Dabei muss man berücksichtigen, dass die Metall- und Elektro-Industrie – wie andere Branchen auch – in den vergangenen Jahren vermehrt Personal eingestellt hat. Das ist insofern von Bedeutung, als dass neue Mitarbeiter zunächst mit einer Betriebszugehörigkeitsdauer von null anfangen und somit den Durchschnitt senken.

In der M+E-Industrie bleiben die Beschäftigten durchschnittlich mehr als zwölf Jahre in einem Betrieb.

Eine deutlich längere Betriebszugehörigkeit der Beschäftigten als die M+E-Industrie haben lediglich andere industrielle Branchen mit fast 14 Jahren, das Kredit- und Versicherungsgewerbe mit 15 Jahren und die öffentliche Verwaltung mit 17 Jahren. Erheblich kürzer sind dagegen die Arbeitnehmer in vielen Dienstleistungsbranchen beschäftigt, etwa im Gastgewerbe (weniger als sieben Jahre), im Einzelhandel (weniger als neun Jahre) oder auch im Gesundheits- und Sozialwesen, wo es weniger als zehn Jahre sind.

Deutsche Wirtschaft setzt beim Personal auf Kontinuität

Dass „hire and fire“ in der deutschen Wirtschaft kein Geschäftsmodell ist, hatte schon die Arbeitsmarktentwicklung in der Krise 2009 gezeigt. Obwohl die Produktion um 5 Prozent eingebrochen war, blieb die Beschäftigung konstant. Die Betriebe behielten ihre Mitarbeiter, obwohl zeitweise keine Arbeit für sie da war, um nach der Krise nicht erst zeitraubend neues Personal suchen zu müssen. Dafür gaben die Unternehmen Milliarden aus. Ein zusätzlicher Gedanke war, dass für manche Positionen Fachkräfte schwer zu finden sind.

Betriebszugehörigkeit und Alter. Die Entwicklung der Betriebszugehörigkeitsdauer lässt sich nicht losgelöst von der Altersstruktur betrachten. Tendenziell altern die Belegschaften aufgrund der demografischen Gegebenheiten in Deutschland. Dadurch nimmt auch die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit zu. Bei den Jüngeren dagegen sinkt sie, was im Wesentlichen daran liegt, dass die jungen Leute länger in Ausbildung und Studium sind. Bei den Älteren bleibt die Dauer der Betriebszugehörigkeit weitgehend konstant. Am Branchenvergleich ändert die Berücksichtigung der Altersstruktur jedoch nichts. Auch altersbereinigt bleibt die Betriebszugehörigkeit in der Metall- und Elektro-Industrie überdurchschnittlich.

Betriebszugehörigkeit und Betriebsgröße. Auch zwischen diesen Merkmalen gibt es einen eindeutigen Zusammenhang (Grafik):

Größere Betriebe weisen eine längere durchschnittliche Dauer der Betriebszugehörigkeit auf als kleinere Betriebe.

Das gilt sowohl für die Gesamtwirtschaft als auch für die Metall- und Elektro-Industrie. Und es gilt ebenso, wenn das Lebensalter in die Berechnung einbezogen wird. Ein Teil der Erklärung ist, dass neu gegründete Betriebe mit entsprechend kurzer Dauer der Betriebszugehörigkeit in der Regel nur wenige Mitarbeiter haben. Große Betriebe existieren hingegen in den meisten Fällen schon länger und hatten Gelegenheit, Arbeitnehmer über eine längere Dauer zu beschäftigen. Kleine Betriebe beschäftigen zudem mit geringerer Wahrscheinlichkeit ältere Arbeitnehmer.

Betriebszugehörigkeit und Beruf. Bürokräfte und kaufmännische Angestellte haben mit jeweils 12,7 Jahren die längste Betriebszugehörigkeit – auch unter Einbeziehung der Altersstruktur. Mit jeweils 11,9 Jahren arbeiten Techniker und Führungskräfte ebenfalls lange in ihren Betrieben. Auf eine geringere Verweildauer im Unternehmen kommen dagegen Verkäufer und andere Dienstleistungsberufe mit insgesamt 8,3 Jahren. Handwerker (10,6 Jahre), Maschinenbediener (10,8 Jahre) und Hilfskräfte (7,9 Jahre) sind ebenfalls unterdurchschnittlich lange im gleichen Betrieb beschäftigt.

Qualifikation ist nicht zwingend entscheidend

Aus dem Befund für Hilfsarbeiter kann man jedoch nicht schließen, dass ein höheres Qualifikationsniveau automatisch eine längere Betriebszugehörigkeit nach sich zieht. Vielmehr besteht kein linearer Zusammenhang:

Zwar verweilen Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung mit 7,9 Jahren vergleichsweise kurz im Betrieb, jedoch bringen es Universitätsabsolventen auch nur auf 9 Jahre.

Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung arbeiten durchschnittlich 12,5 Jahre in ihrem jeweiligen Unternehmen. In der Metall- und Elektro-Industrie sind es sogar 14,2 Jahre. Ähnlich lang sind Fachhochschulabsolventen im Betrieb (12,6 Jahre).

Bei den Geringqualifizierten machen sich Konjunktureffekte deutlich stärker bemerkbar. Außerdem trennen sich Betriebe im Bedarfsfall zunächst von den Mitarbeitern mit den geringsten beruflichen Kenntnissen.

Für die Universitätsabsolventen dürften dagegen zwei andere Faktoren eine Rolle spielen: Zum einen sind im Wissenschaftsbetrieb befristete Stellen mit geringer Bleibeperspektive weit verbreitet. Zum anderen steigen die Absolventen erst später ins Erwerbsleben ein und können daher bei gegebenem Lebensalter nicht auf die gleiche Betriebszugehörigkeit kommen wie ein Arbeitnehmer, der schon mit der Lehre in den Betrieb eintritt.

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