Exportwirtschaft 27.10.2016 Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

M+E-Industrie wird immer wichtiger

Die Globalisierung und der damit verbundene Strukturwandel in den traditionellen Industrieländern haben die Kräfteverhältnisse im Außenhandel verschoben. Das spürt auch die deutsche M+E-Industrie. Sie schlägt sich gleichwohl sehr gut und hat ihre volkswirtschaftliche Bedeutung sogar ausgebaut. Zu diesem Ergebnis kommt der M+E-Strukturbericht 2016.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutsche M+E-Industrie hat an volkswirtschaftlicher Bedeutung gewonnen.
  • Die deutschen Unternehmen hatten zuletzt den zweithöchsten Weltmarktanteil.
  • Im Fahrzeugbau und im Maschinenbau ist die deutsche M+E-Industrie Weltmarktführer.
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Neue Güter, neue Produzenten, neue Absatzmärkte: In den vergangenen 15 Jahren ist die Konkurrenz aus Fernost deutlich größer geworden. Die deutschen M+E-Unternehmen haben sich gleichwohl behauptet. Mit ihren Erzeugnissen „made in Germany“ mischen sie im weltweiten Wettbewerb ganz vorne mit (Grafik):

Im Jahr 2014 stammten annähernd 11 Prozent aller M+E-Exporte aus Deutschland – damit hatten die deutschen Unternehmen den zweithöchsten Weltmarktanteil.

China rückt auf

Zur Nummer eins ist China aufgestiegen: Seit 2000 hat das Reich der Mitte seinen M+E-Weltmarktanteil auf 18 Prozent mehr als vervierfacht.

Deutlich wird die Kräfteverschiebung auch mit Blick auf die traditionellen Wettbewerbsländer USA und Japan, deren Exportanteile sich seit der Jahrtausendwende nahezu halbiert haben. Dennoch gehören die USA mit einem Anteil von 9 Prozent und Japan mit einem Anteil von 6 Prozent weiterhin zu den fünf größten M+E-Exportländern.

Frankreich und Großbritannien haben weltweit Marktanteile verloren.

Abgestiegen aus den oberen Rängen sind zwei EU-Länder: Gehörten Frankreich und das Vereinigte Königreich mit Anteilen von je etwa 5 Prozent im Jahr 2000 noch zu den Top Five, belegten sie 2014 nur noch die Plätze sechs und neun.

Insgesamt wird der globale M+E-Markt von nur wenigen Lieferanten bedient – die fünf größten Exporteure steuerten zuletzt annähernd die Hälfte aller grenzüberschreitend verkauften M+E-Güter bei.

M+E-Industrie baut Marktanteil aus

Die deutsche M+E-Industrie ist nicht nur besser auf dem Weltmarkt positioniert als die Konkurrenten aus den USA, Frankreich oder Großbritannien. Im Gegensatz zu anderen traditionellen Industrienationen hat sie seit dem Jahr 2000 ihren Marktanteil sogar noch leicht ausbauen können.

Neben den Export-Weltmarktanteilen geben auch die Außenbeiträge der M+E-Industrie Aufschluss darüber, wie gut die Wettbewerber aufgestellt sind. Der Außenbeitrag ergibt sich als Saldo zwischen Exporten und Importen von Waren und Dienstleistungen. Dabei zeigt sich erneut die Exportstärke der deutschen M+E-Industrie:

Während sich die deutschen Exportüberschüsse im Jahr 2014 auf knapp 23 Prozent des Handelsvolumens – also Im- und Exporte – summierten, kamen die klassischen M+E-Produktionsländer insgesamt nur auf gut 2 Prozent.

Die USA schreiben sogar nach wie vor rote Zahlen – ihr Defizit ist zudem von 17 auf 25 Prozent des Handelsvolumens gestiegen.

Südkorea erzielt Exportüberschüsse wie sonst kaum ein anderes Land.

Südkorea marschiert in die andere Richtung. Das asiatische Wettbewerbsland erzielte 2014 höhere Exportüberschüsse als noch im Jahr 2000. Gemessen am Handelsvolumen betrugen sie zuletzt stolze 32 Prozent – gegenüber 19 Prozent im Jahr 2000. Japan erreichte zwar 2014 ebenfalls einen recht hohen Exportüberschuss, dieser hat aber in dem beobachteten Zeitraum abgenommen: von 45 auf 30 Prozent des Handelsvolumens.

Schaut man sich die einzelnen M+E-Sparten an – Metallerzeugnisse, Maschinenbau, Elektroindustrie und Fahrzeugbau –, zeigt sich, dass es von den neuen Wettbewerbern nur China gelungen ist, sich in allen vier Segmenten zu etablieren. Die USA und das Vereinigte Königreich gehören trotz der geringeren Exportperformance nach wie vor in vielen M+E-Sparten zu den Top Ten der Weltmarktführer. Die Amerikaner etwa belegen in der Elektroindustrie und im Fahrzeugbau jeweils Platz zwei.

Weltmarktführer in vielen Segmenten

Die globale Wettbewerbsstärke der deutschen M+E-Industrie wird auch in den einzelnen M+E-Teilbereichen deutlich. So konnte sie im Fahrzeugbau ihren ersten Platz verteidigen und in der Elektroindustrie Rang drei halten. Im Maschinenbau hat sich die deutsche M+E-Industrie von Platz zwei auf Platz eins verbessert. Lediglich im Teilbereich Metallerzeugnisse hat sie einen Rang eingebüßt und landet jetzt an zweiter Stelle. China hat hier bereits im Jahr 2011 Deutschland als Weltmarktführer abgelöst.

Am geringsten haben sich die Weltmarktkräfte von 2000 auf 2014 im Fahrzeugbau verschoben. Die ersten drei Ränge werden weiterhin von Deutschland, den USA und Japan besetzt. Lediglich die beiden asiatischen Volkswirtschaften China (Rang fünf) und Südkorea (Rang sechs) haben es geschafft, in die Top Ten der Weltmarktführer vorzustoßen. Italien und Belgien sind aus dieser Liga abgestiegen.

Die deutsche M+E-Industrie hat zuletzt an volkswirtschaftlicher Bedeutung gewonnen.

Die weltweiten Verschiebungen bei den Exportanteilen spiegeln sich in der volkswirtschaftlichen Bedeutung der M+E-Industrie für das jeweilige Land wider (Grafik). In Deutschland hält die Branche einen Anteil von 14,4 Prozent am Bruttoinlandsprodukt – damit ist die deutsche M+E-Industrie für die Bundesrepublik heute sogar noch bedeutsamer als im Jahr 2000. Aber auch Südkorea und China konnten weiter punkten. Die Metall- und Elektro-Industrie sorgt also in vielen Ländern mit für den Wohlstand – und nicht zu vergessen: Ohne sie gäbe es auch etliche Dienstleister nicht.

Download des M+E-Strukturberichts unter: gesamtmetall.de

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