Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

M+E-Industrie: Fünf Schwergewichte in Europa

Mehr als die Hälfte der Industriebeschäftigten in der EU arbeitet in der M+E-Industrie – 15,3 Millionen Menschen sind in den verschiedenen Branchen tätig. Allerdings sind sie nicht gleichmäßig auf die 28 Mitgliedsstaaten verteilt. Vielmehr ist die M+E-Industrie im Wesentlichen auf fünf Länder konzentriert. Deutschland liegt an der Spitze.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die fünf einwohnerstärksten Länder der EU sind gleichzeitig die wichtigsten Standorte für die M+E-Industrie in Europa.
  • Auf Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Spanien und Italien entfallen zusammen mehr als 70 Prozent des M+E-Umsatzes in der EU.
  • Deutschland liegt an der Spitze und weist dabei nicht nur die meisten Arbeitnehmer insgesamt, sondern auch die durchschnittlich meisten Beschäftigten pro Betrieb auf.
Zur detaillierten Fassung

Die fünf einwohnerstärksten Länder der EU – Deutschland, Frankreich, das Vereinigte Königreich, Italien und Spanien – sind gleichzeitig die wichtigsten Standorte für die M+E-Industrie in Europa. Knapp 9,9 Millionen Beschäftigte arbeiten hier in gut 520.000 Unternehmen. Mit Abstand an der Spitze liegt die Bundesrepublik (Grafik):

Rechnet man die Kleinbetriebe mit ein, dann beschäftigt die M+E-Industrie in Deutschland etwa 4,5 Millionen Mitarbeiter in 116.000 Betrieben.

Damit kommen fast 30 Prozent aller M+E-Beschäftigten in der EU aus Deutschland. Der deutsche Anteil am europäischen M+E-Umsatz ist mit gut 35 Prozent sogar noch höher.

Auch der Umsatz je Beschäftigten liegt mit knapp 266.000 Euro oberhalb des EU-Durchschnitts und über den Werten, die in den anderen vier wirtschaftlichen Schwergewichten der Union erzielt werden. Strukturell unterscheidet sich die deutsche M+E-Industrie trotz der zahlreichen Mittelständler durch ihre überdurchschnittlich hohe Betriebsgröße sowohl von den vier großen M+E-Nationen als auch vom EU-Durchschnitt (Grafik):

In Deutschland arbeiten in den M+E-Unternehmen im Schnitt 39 Beschäftigte. Das Vereinigte Königreich erreicht innerhalb der EU den zweitgrößten Wert mit 18 Mitarbeitern.

Entscheidend für diesen deutlichen Unterschied sind zwei Faktoren: Zum einen gibt es in der Bundesrepublik – besonders im Fahrzeugbau und in der Elektroindustrie – viele große Firmen. Zum anderen sind die deutschen Mittelständler größer als die in anderen EU-Ländern. Viele Familienunternehmen der M+E-Industrie zählen zu den sogenannten Hidden Champions, das heißt, sie gehören zu den globalen Top 3 in ihrem jeweiligen Marktsegment.

Die fünf einwohnerstärksten Staaten der EU sind auch die wichtigsten Standorte der europäischen M+E-Industrie.

Die deutsche M+E-Industrie, die fast 63 Prozent aller Industriearbeitsplätze des Landes bereitstellt, ist vielfältig und besitzt praktisch in allen Branchen Standbeine. Die Fahrzeugindustrie mit ihren über 800.000 Beschäftigten sticht jedoch hervor – auch, weil sie durch die Zusammenarbeit mit Zulieferern andere M+E-Branchen wie den Maschinenbau und die Elektrotechnik stark beeinflusst.

Italien ist Nummer zwei in Europa

Italien. Das strukturelle Gegenmodell bildet Italien. Dort gibt es mit 178.000 Unternehmen zwar deutlich mehr M+E-Betriebe als in Deutschland, im Schnitt arbeiten dort aber nur zehn Personen. Und das sehr erfolgreich:

Mit 1,85 Millionen M+E-Beschäftigten, die 410 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, ist Italien die Nummer zwei in Europa.

Die kleinbetriebliche Struktur, die ein Merkmal der gesamten italienischen Wirtschaft ist, schlägt sich in einer relativ niedrigen Umsatzproduktivität von 222.000 Euro je Mitarbeiter nieder.

Lange Zeit ist Italien mit seiner kleinbetrieblichen Struktur gut gefahren und hat sich außerdem weniger deindustrialisiert als Frankreich oder das Vereinigte Königreich. Doch seit der europäischen Finanz- und Schuldenkrise findet die Wirtschaft nicht wieder in die Wachstumsspur zurück. Das spüren auch die M+E-Branchen:

Die italienischen Unternehmen sind vielfach zu klein, um der jahrelangen Stagnation in weiten Teilen des Euroraums durch ein Ausweichen auf die globalen Märkte zu trotzen.

Frankreich. Die Nummer drei in der europäischen M+E-Industrie ist Frankreich, wo 1,5 Millionen Beschäftigte in knapp 92.000 Unternehmen einen Umsatz von 392 Milliarden Euro erzielen. Die Produktivität je Mitarbeiter liegt mit einem Umsatz von 260.000 nur knapp hinter der deutschen, was angesichts von vergleichbaren industriellen Arbeitskosten nicht verwundert.

Auffällig ist, dass dieser Wert trotz einer viel kleineren durchschnittlichen Betriebsgröße von 16 Mitarbeitern je Unternehmen erzielt wird – üblicherweise steigt die Umsatzproduktivität mit der Betriebsgröße. Zu den wirtschaftlichen Schwerpunkten des Landes zählt neben dem Fahrzeugbau die Luft- und Raumfahrtindustrie.

Vereinigtes Königreich noch vor Spanien

Vereinigtes Königreich. Viertgrößtes EU-Land bezogen auf die M+E-Industrie ist das Vereinigte Königreich. Gut 1,2 Millionen Beschäftigte in 69.000 Unternehmen bedeuten eine durchschnittliche Unternehmensgröße von 18 Mitarbeitern – das sind zwar 21 weniger als in Deutschland, ist aber dennoch Rang zwei unter den besten fünf.

Die Umsatzproduktivität profitiert mit knapp 240.000 Euro aber nur bedingt von der relativ hohen Durchschnittsgröße, obwohl mit einer starken Luft- und Raumfahrtindustrie sowie der Elektronikindustrie wertschöpfungsstarke Branchen eine größere Rolle spielen.

Spanien. Das Land liegt sowohl in der wirtschaftlichen Entwicklung insgesamt als auch in der M+E-Industrie deutlich hinter den vier großen EU-Staaten zurück. Ab 2019 werden die Iberer im Zuge des Brexit aber voraussichtlich zur neuen Nummer vier aufsteigen.

In Spanien arbeiten 740.000 Menschen in 66.000 M+E-Unternehmen, die im Durchschnitt nur geringfügig größer sind als die italienischen. Die Umsatzproduktivität ist dagegen höher und reicht nahe an die der britischen M+E-
Industrie heran – wohl auch dank der relativ starken Fahrzeugindustrie, die allerdings durch Werke ausländischer Konzerne dominiert wird.

Die M+E-Industrie der fünf größten EU-Länder umfasst ein breites Spektrum an Wirtschaftszweigen und deckt die gesamte Wertschöpfungsketten der M+E-Produktion ab.

Die Stärke – aber auch ein mögliches Risiko – des führenden M+E-Standorts Deutschland ist die Dominanz der Fahrzeugindustrie, die über ihre Lieferverflechtungen auf viele andere Branchen in- und außerhalb der M+E-Industrie ausstrahlt.

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