Metall- und Elektro-Industrie Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

M+E-Industrie bleibt Exportbranche Nummer eins

Die wichtigste Exportbranche in Deutschland ist weiterhin die Metall- und Elektro-Industrie: Waren im Wert von 723 Milliarden Euro haben die M+E-Unternehmen 2016 im Ausland verkauft – 1 Prozent mehr als 2015. Damit hat sich der Zuwachs nach 3,2 Prozent im Jahr 2014 und 7,3 Prozent im Jahr 2015 allerdings deutlich verlangsamt. Größter Exportmarkt sind nach wie vor die USA, gefolgt von Frankreich und China.

Kernaussagen in Kürze:
  • Knapp 60 Prozent aller deutschen Exporte gingen 2016 auf das Konto der M+E-Industrie.
  • Die meisten Waren setzten die Unternehmen auf dem europäischen Kontinent ab. Die USA sind aber weiterhin größter Einzelkunde.
  • Von einem starken deutschen Export profitieren auch andere Länder, weil in den Produkten ein hoher Anteil an Vorleistungen aus dem Ausland steckt.
Zur detaillierten Fassung

Die Metall- und Elektro-Industrie ist für die Exportnation Deutschland unverändert wichtig: Im vergangenen Jahr gingen knapp 60 Prozent aller deutschen Exporte auf das Konto dieses Wirtschaftszweigs – das war die gleiche Quote wie 2015.

Die exportstärkste Branche der M+E-Industrie war der Fahrzeugbau mit Ausfuhren im Wert von 288 Milliarden Euro (plus 1 Prozent), gefolgt von der Elektroindustrie mit 176 Milliarden Euro (plus 3,9 Prozent) und dem Maschinenbau mit 170 Milliarden Euro (minus 
0,1 Prozent). Insgesamt standen für die M+E-Firmen Exporte im Wert von 723 Milliarden Euro zu Buche – 1 Prozent mehr als 2015. Das Wachstum hat sich jedoch im Vergleich zu den Jahren zuvor deutlich verlangsamt.

Der wichtigste Absatzmarkt bleibt nach wie vor Europa (Grafik):

Knapp 63 Prozent der deutschen M+E-Exporte gehen in die europäischen Nachbarländer.

So viel Prozent der deutschen M+E-Exporte wurden 2016 auf diesen Kontinenten verkauft

Damit hat Europa seine Position wieder verbessert und ist wie zuvor der wichtigste Markt für die deutschen Hersteller von Automobilen, Maschinen und Elektrotechnik.

Die M+E-Industrie bleibt die Stütze der deutschen Exportwirtschaft. Die meisten Waren verkauft die Branche in Europa.

Vor allem die Länder des Euroraums haben für die M+E-Industrie an Bedeutung gewonnen. So haben Italien und Spanien ihre M+E-Importe aus Deutschland 2016 kräftig gesteigert – wenn auch auf niedrigem Niveau. Der Anteil des alten Kontinents an den M+E-Ausfuhren liegt dennoch deutlich unter dem Wert des Jahres 2008 von 70 Prozent.

Während die Positionen Asiens und Afrikas stabil blieben, hat die Region Nord- und Südamerika 2016 spürbar an Bedeutung verloren. Ein wichtiger Grund dafür war, dass der Außenhandel mit den USA spürbar abgenommen hat (Grafik):

Die deutschen Exporte in die Vereinigten Staaten fielen um 6,1 Milliarden Euro auf 74 Milliarden Euro.

Exporte der deutschen M+E-Industrie im Jahr 2016 in Milliarden Euro

Vor allem der Fahrzeugbau musste einen starken Rückgang im USA-Geschäft hinnehmen: Die USA haben ihre Fahrzeugimporte aus Deutschland im vergangenen Jahr um 5,9 Milliarden Euro gesenkt. Bei unverändert schwachem Euro-Dollar-Wechselkurs dürfte der Hauptgrund dafür das neuerdings gebremste Wirtschaftswachstum in den USA gewesen sein.

Die Ausfuhren nach China beliefen sich auf fast 60 Milliarden Euro – 3,5 Milliarden Euro mehr als 2015 (plus 6,2 Prozent). Von diesem Export-Plus profitierten speziell der Fahrzeugbau und die Elektroindustrie.

Brexit im Fokus

Durch die Brexit-Entscheidung stand das Vereinigte Königreich besonders im Fokus. Es belegt den vierten Rang der M+E-Exportkunden und ist vor allem für die Automobilindustrie sowohl ein wichtiger Absatzmarkt als auch Produktionsstandort. Die M+E-Exporte 2016 nach Großbritannien nahmen um 1,2 Milliarden Euro ab, das entspricht einem Minus von rund 2 Prozent. Schwerer wiegt ein deutlicher Rückgang bei den Einfuhren von M+E-Gütern von der Insel. Das Minus von rund 2,2 Milliarden Euro (11,3 Prozent) ging hauptsächlich zulasten des sonstigen Fahrzeugbaus.

Die Importe von M+E-Gütern nach Deutschland sind allerdings insgesamt gestiegen – und zwar stärker als die Exporte:

Im Jahr 2016 haben Unternehmen und Verbraucher in Deutschland M+E-Güter im Wert von 454 Milliarden Euro im Ausland erworben, das waren 1,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Gerade mit Blick auf die Diskussion über den deutschen Leistungsbilanzüberschuss ist diese Entwicklung erfreulich. Denn die M+E-Industrie mit ihrer internationalen Verflechtung und Exportstärke steht im Zentrum der Debatte.

Der Exportüberschuss mit M+E-Gütern aus Deutschland ist Ergebnis der spezifischen Struktur und Differenziertheit der M+E-Industrie und ihrer Branchen: Die Unternehmen sind in Märkten aktiv, die nur im weltweiten Maßstab eine rentable Produktion erlauben. Deshalb ist die Struktur der M+E-Industrie traditionell auf die internationalen Märkte ausgerichtet.

Gleichzeitig ist die M+E-Industrie der wichtigste Lieferant von Investitionsgütern und hat deshalb in den vergangenen Jahren von den wachsenden Investitionen in den Schwellenländern – allen voran China – profitiert. Die anziehende Konjunktur und Investitionstätigkeit in den USA wirkte sich ebenfalls positiv aus.

Nachbarstaaten profitieren vom deutschen Export

Hinter den deutschen Exportüberschüssen und speziell denen der M+E-Industrie stehen weltweit Millionen Unternehmen und Kunden, die sich für Produkte aus Deutschland entscheiden. Basis der Exporterfolge, die auf der Innovationsstärke der Unternehmen und der Qualifikation der Fachkräfte aufbauen, ist offensichtlich die Konkurrenzfähigkeit der deutschen Produkte.

Ein Blick auf die regionale Aufteilung der M+E-Exportüberschüsse verrät, welche Länder in den vergangenen Jahren verstärkt auf deutsche Produkte zurückgegriffen haben. Demnach haben sich die Überschüsse vor allem im Handel mit Asien und Amerika erhöht. Neben den USA sind auch viele Schwellenländer dafür maßgeblich, die für den Aufbau ihrer Industrie die Investitionsgüter der M+E-Industrie nachfragen. Die Exportüberschüsse in Bezug auf die Euroländer haben sich seit den Krisenjahren 2008/2009 deutlich verringert. Dennoch kommt aus diesen Ländern regelmäßig Kritik.

Allerdings zeigt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln, dass die EU-Nachbarn von der deutschen Exportstärke profitieren:

Wenn die deutschen Exporte um 10 Prozent zulegen, steigen die Vorleistungen der EU-Partner für Deutschland um 9 Prozent.

Die Bundesrepublik ist somit eine Stütze für die Wirtschaft in der Eurozone – und gleichzeitig ist ihr eigener Exporterfolg weniger auf die Eurozone angewiesen als zu Beginn des Jahrzehnts. Der Überschuss wird hauptsächlich in anderen Ländern erwirtschaftet.

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