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M+E-Industrie 2016: Nur am Anfang stark

Die Bilanz der M+E-Industrie für das Jahr 2016 fällt durchwachsen aus. Zwar verzeichnete sie einen Produktionszuwachs von 1,5 Prozent, allerdings konnten die Unternehmen vom wachsenden privaten und öffentlichen Konsum in Deutschland nur bedingt profitieren. Außerdem bremste die politische Unsicherheit die Investitionen. Positiv machte sich unter anderem die weitere Erholung im Euroraum bemerkbar.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Metall- und Elektro-Industrie hat ein durchwachsenes Jahr 2016 erlebt: Das Umsatzwachstum lag bei 1,1 Prozent, die Produktion wuchs um 1,5 Prozent gegenüber 2015.
  • Der Beschäftigungsaufbau seit der Wirtschaftskrise 2009 kann sich sehen lassen: Insgesamt haben die M+E-Unternehmen in sieben Jahren mehr als 400.000 neue Stellen geschaffen.
  • Sorgen macht der Anstieg der Lohnstückkosten im fünften Jahr in Folge – er gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen.
Zur detaillierten Fassung

Der Start in das Jahr 2016 verlief für die M+E-Industrie vielversprechend. Doch der Schwung der ersten Monate konnte nicht in den Sommer mitgenommen werden.

Die Produktion

Eine verbesserte Lage im Herbst sowie ein durchwachsenes Winterquartal sorgten insgesamt für ein Produktionswachstum von 1,5 Prozent. Für die M+E-Industrie ist ein solcher Jahresverlauf nicht ungewöhnlich. Seit Jahren verzeichnet sie jeweils nach einem starken Beginn eine schwächere Jahresmitte. Diese Wellblechkonjunktur deutet sich auch für 2017 an:

Im ersten Quartal dieses Jahres stieg die Produktion gegenüber dem vierten Quartal 2016 deutlich um 2,3 Prozent.

Beim Blick auf die großen M+E-Branchen fällt auf, dass sie mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen zum Produktionswachstum 2016 beigetragen haben: Während der Fahrzeugbau (plus 2,6 Prozent), die Metallerzeugnisse (plus 2,2 Prozent) und die Elektro-Industrie (plus 1,8 Prozent) deutlich zulegten, erlebte der Maschinenbau als die Investitionsgüterbranche schlechthin ein weiteres Jahr der Stagnation.

Die Aufträge

Sie verliefen fast simultan zur Produktion. Nach einem starken Jahresbeginn, vor allem getragen von den Exportaufträgen, entwickelten sich die Bestellungen unbefriedigend. Gegen Ende des Jahres gelang die Trendwende (Grafik):

Ein außergewöhnlich starkes viertes Quartal mit Großaufträgen für den Fahrzeugbau verschaffte der M+E-Industrie 2016 ein Auftragsplus von 1,5 Prozent.

Das Problem bleibt weiterhin die Inlandsnachfrage: Durch die anhaltende Investitionsschwäche in Deutschland fehlen Aufträge der heimischen Unternehmen. Die Verunsicherung der Investoren durch die Krisen in der Welt, den bevorstehenden Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU sowie die protektionistischen Ankündigungen aus den USA sind nach wie vor spürbar.

Der Umsatz

Bei einer schwachen Entwicklung der Erzeugerpreise stieg der Umsatz der M+E-Industrie um 1,1 Prozent und damit etwas schwächer als die Produktion. Die M+E-Unternehmen verkauften 2016 im In- und Ausland Produkte im Wert von fast 1,1 Billionen Euro.

Die Exporte stiegen um knapp 1 Prozent auf 723 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurden M+E-Güter im Wert von 453 Milliarden Euro importiert (plus 1,4 Prozent). Aufgrund des höheren Importwachstums stärkte die M+E-Industrie auch die Konjunktur in den europäischen Nachbarländern. Mit einem Überschuss im Außenhandel von 270 Milliarden Euro bleibt die M+E-Industrie Deutschlands Exportbranche Nummer eins – die Gefahren des Protektionismus und einer Politik der Abschottung betreffen sie deshalb besonders.

Die Entwicklung der Lohnstückkosten gefährdet die internationale Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Industrie.

Größter Absatzmarkt für die M+E-Industrie war auch 2016 Europa mit einem Anteil von 62,5 Prozent (plus 1,3 Prozentpunkte) an den Exporten, wobei 53,7 Prozent auf die Mitglieder der EU entfielen. Nord- und Südamerika haben mit einem Exportanteil von insgesamt 14,2 Prozent (minus 1,4 Punkte) an Bedeutung verloren, Asien konnte seine Position als zweitwichtigster Markt mit 20,1 Prozent behaupten.

Die Beschäftigten

Die M+E-Industrie hat 2016 die Zahl der Beschäftigten weiter ausbauen können, wenn auch nicht mehr so stark wie in den Vorjahren. Rund 30.000 Arbeitsplätze haben die Unternehmen zusätzlich geschaffen, im Jahr 2015 waren es noch 45.000. Die Beschäftigungskurve zeigt seit geraumer Zeit bergauf (Grafik):

Die M+E-Unternehmen haben seit der Wirtschaftskrise 2009 mehr als 400.000 neue Stellen geschaffen.

Damit sind die Belegschaften so groß wie seit Anfang der 1990er Jahre nicht mehr, denn durch die Krise sind nur 230.000 Jobs verloren gegangen. Die Firmen planten zum Jahresanfang 2017 weitere Neueinstellungen, sodass der Vorjahreswert erneut übertroffen werden könnte.

Der hohe Beschäftigungsstand drückt weiter auf die Produktivität in der M+E-Industrie. Diese wuchs zwar um 1,2 Prozent und damit deutlicher als in den Vorjahren. Dies reichte aber nicht aus, um den Anstieg der Arbeitskosten von 2,2 Prozent auszugleichen. Das heißt:

Die Lohnstückkosten in der M+E-Industrie sind 2016 um 1,1 Prozent und damit das fünfte Jahr in Folge gestiegen.

Diese Kostenentwicklung gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Unternehmen ganz massiv.

Die Erträge

Die ersten Befragungsergebnisse durch das ifo Institut deuten darauf hin, dass die M+E-Unternehmen ihre Erträge 2016 stabil halten konnten: Die durchschnittliche Umsatzrendite lag nach der Einschätzung der Unternehmen 2016 bei 3,7 Prozent und damit knapp über dem Vorjahresergebnis von 3,6 Prozent.

Die M+E-Unternehmen haben 2016 etwa 36,4 Milliarden Euro in Bauten, Ausrüstungen sowie Patente und Lizenzen investiert. Das entspricht fast genau den für 2016 erwarteten Gewinnen nach Steuern.

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