M+E-Branche Lesezeit 4 Min. Lesezeit 1 Min.

Luft- und Raumfahrtindustrie gewinnt an Höhe

Dieser sehr technologieintensive Zweig der M+E-Industrie ist besonders stark in die internationale Arbeitsteilung eingebunden. Dank des anhaltenden Booms der zivilen Luftfahrt stiegen die Umsätze im Jahr 2015 um 13 Prozent auf mehr als 26 Milliarden Euro. Auch für 2016 zeichnet sich ein kräftiges Wachstum ab.

Kernaussagen in Kürze:
  • Der Auftragsbestand von Airbus hat derzeit einen Wert von gut 1 Billion Euro.
  • 70 Prozent der Branchenumsätze entfallen auf die Zivilluftfahrt.
  • Drohnen sind das neueste Geschäftsfeld der Luft- und Raumfahrtindustrie.
Zur detaillierten Fassung

Im ersten Halbjahr 2016 sind die Umsätze der Luft- und Raumfahrtindustrie nach Angaben des Statistischen Bundesamts um weitere 10 Prozent gestiegen, im Export sogar um 12 Prozent (Grafik). Für die guten Geschäfte zeichnet vor allem der Airbus-Konzern verantwortlich, der Passagierjets, militärisches Fluggerät und Raumfahrtsysteme anbietet. Der europäische Global Player beherrscht gemeinsam mit seinem amerikanischen Konkurrenten Boeing den weltweiten Markt für größere Zivilflugzeuge.

Asien braucht neue Flugzeuge

Der Luftverkehr insbesondere in Asien, aber auch in vielen weiteren Teilen der Welt, ist nach wie vor im Steigflug – das bedingt immer neue Flugzeuge, wovon nicht zuletzt die deutschen Airbus-Standorte profitieren (Kasten unten).

Aktuell liegt der zivile Auftragsbestand von Airbus bei 6.815 Flugzeugen im Wert von gut 1 Billion Euro. Dies dürfte das weltweit größte Auftragspolster eines Unternehmens sein.

Folgt man dem Bundesverband der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI), der die Branchenstatistik weiter fasst als das Statistische Bundesamt und auch Antriebssysteme, Ausrüstung und Komponenten einbezieht, kommt man für 2015 sogar auf einen Umsatz von 34,7 Milliarden Euro (Grafik).

Mit fast 107.000 Mitarbeitern – überwiegend hochbezahlten Ingenieuren und Fachkräften – hat die Luft- und Raumfahrt auch beschäftigungspolitisch Gewicht.

Airbus beschäftigt rund die Hälfte aller Mitarbeiter der gesamten Luft- und Raumfahrtindustrie in Deutschland.

Allein Airbus beschäftigt in Deutschland rund 49.000 Mitarbeiter an 29 Standorten, etwa 15.000 arbeiten im größten deutschen Werk in Hamburg. Seit dem Jahr 2000 hat sich die Mitarbeiterzahl in der Hansestadt verdoppelt. Das ist vor allem der großen Nachfrage nach Flugzeugen der A320-Familie zu verdanken, für die Hamburg Hauptmontagestandort ist.

Die hohe Wertschöpfung der Branche spiegelt sich in ihrer Produktivität wider. Mit einem Umsatz von 371.600 Euro je Mitarbeiter übertrifft der Wirtschaftszweig den Durchschnitt des Verarbeitenden Gewerbes deutlich. Und das, obwohl es immer noch relativ viel Handarbeit gibt, zum Beispiel bei der Verkabelung und der Kabinenausstattung der Flugzeuge.

Die hiesige Luft- und Raumfahrtbranche punktet aber auch mit kleineren Modellen, was kaum jemand im Blick hat – so gehört Deutschland zu den weltweit führenden Segelflugzeugherstellern. Zudem ist Airbus Helicopters einer der größten Hubschrauberproduzenten der Welt.

Die Maschinen der Firma werden nicht nur militärisch eingesetzt, sondern auch auf anderen Gebieten. In Chemnitz beispielsweise macht die Bundespolizei mit einem Airbus-Helikopter Jagd auf Kupferdiebe und Graffiti-Schmierer.

Drohnen sind eine Spezialität deutscher Hersteller

Ein neuer Geschäftszweig der Luft- und Raumfahrtbranche sind Drohnen. Einige deutsche Hersteller haben sich auf bestimmte zivile Anwendungsgebiete spezialisiert. So werden zum Beispiel mithilfe einer Drohne große Flächen und Bauwerke vermessen. Andere Fluggeräte sind mit Gas- und Schadstoffdetektoren ausgerüstet und spüren Havarien auf.

Nicht ganz so blendende Geschäfte macht die Branche derzeit mit dem Militär. In vielen Ländern haben die Regierungen die Ausgaben für Militärflugzeuge und Ähnliches zusammengestrichen, was die Luft- und Raumfahrtindustrie zu spüren bekommt:

Inzwischen entfallen 70 Prozent der Branchenumsätze auf die Zivilluftfahrt und nur gut ein Fünftel auf Verteidigungssysteme.

Die Flugzeugbauer machen ihre Geschäfte vor allem mit der Zivilluftfahrt.

Vor 25 Jahren waren die Verhältnisse noch umgekehrt. Dieser Sinkflug dürfte wegen der vielerorts klammen öffentlichen Kassen anhalten – auch wenn die Bundeswehr beispielsweise aktuell wieder besser ausgestattet werden soll.

Im zivilen Sektor gibt es ebenfalls Risiken: Weil immer mehr Bestellungen von Passagiermaschinen aus Asien kommen, könnten bei einer Wirtschaftskrise in dieser Region – eventuell ausgehend von China – mit einem Mal viele Aufträge storniert werden.

Die Kommerzialisierung in der Raumfahrt geht weiter

Ein weiteres Branchensegment, die Raumfahrt, kann ebenfalls auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2015 zurückblicken. Der Umsatz betrug zuletzt 2,5 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten lag konstant bei 8.500 Mitarbeitern.

In diesem Jahr will sich die Branche vor allem der sich weltweit wandelnden Raumfahrtlandschaft stellen – bedingt durch US-amerikanische Wettbewerber und neue Akteure: Unter dem Schlagwort „New Space“ wird in Deutschland und Europa deshalb verstärkt die Kommerzialisierung in der Raumfahrt diskutiert. Zumal die Raumfahrt entscheidend zur Bewältigung globaler Herausforderungen beiträgt. Sie hilft dabei, neue Rohstoffvorkommen zu erschließen. Zudem kann die Klimaerwärmung aus dem All beobachtet werden. „New Space“ bietet dafür ein zusätzliches neues Betätigungsfeld und neue Chancen.

Allerdings ist und bleibt die Raumfahrt stets auch eine Aufgabe des Staates. Die deutsche Raumfahrtindustrie setzt daher insbesondere auch bei der nächsten Ministerratskonferenz der Europäischen Weltraumbehörde ESA im Dezember 2016 auf eine Fortsetzung der starken deutschen Beteiligung der vergangenen Jahre. Die anderen europäischen Partnerländer könnten indes aufgrund von Haushaltsproblemen zu Einsparungen gezwungen sein.

Die Bedeutung der Luft- und Raumfahrtindustrie für die technologische Position Deutschlands spiegelt sich nicht zuletzt in den industrieeigenen Ausgaben für Forschung und Entwicklung wider. Sie liegen auf sehr hohem Niveau und umfassen derzeit ein Volumen von 4,2 Milliarden Euro.

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