Lohnquote: Der Stellenwert der Arbeit
Die Wachstumsprobleme der deutschen Wirtschaft, die zunehmende politische Polarisierung – für diverse Probleme wird in Debatten mitunter eine Verschiebung der Einkommen von der Arbeit hin zum Kapital verantwortlich gemacht. Doch ein Blick auf das Volkseinkommen verrät: Nie war die Lohnquote in Deutschland höher als im vergangenen Jahr.
- Die Gewinne an den Kapitalmärkten steigen, Arbeit dagegen lohnt sich immer weniger – Sätze wie diesen hört man häufig in Diskussionen zur aktuellen Lage in der Bundesrepublik.
- Doch diese Aussagen halten den Fakten nicht stand. Diese deuten vielmehr auf das Gegenteil hin, denn die Lohnquote in Deutschland lag im Jahr 2025 auf Rekordniveau.
- Die Lohnquote unterzeichnet die Einkommen der Erwerbstätigen sogar noch, da Arbeitnehmereinkünfte aus Zinsen und Dividenden sowie Mieteinnahmen nicht einbezogen werden.
Die Gewinne an den Kapitalmärkten steigen, Arbeit dagegen lohnt sich immer weniger – Sätze wie diesen hört man häufig in Diskussionen zur aktuellen Lage in der Bundesrepublik. Der Gedanke dahinter: Eine zunehmende Umverteilung führt dazu, dass das Wirtschaftswachstum schwach bleibt und die politischen Ränder erstarken.
Die Lohnquote in Deutschland war im Jahr 2025 mit 74,9 Prozent höher als je zuvor.
Makroökonomisch lässt sich diese These anhand der Lohnquote überprüfen. Sie zeigt den Anteil der von den Beschäftigten erzielten Einkommen inklusive der Sozialbeiträge der Arbeitgeberseite am Volkseinkommen in einem Land. Die Zahlen lassen nichts von einer Benachteiligung des Faktors Arbeit hierzulande erkennen – im Gegenteil (Grafik):
Die Lohnquote in Deutschland erreichte im Jahr 2025 einen Höchststand von 74,9 Prozent.
Seit 2020 bewegt sich die Lohnquote wieder auf einem ähnlichen Niveau wie in den 1990er Jahren. Den tiefsten Stand verzeichnete sie 2007 mit knapp 65 Prozent. Insgesamt ist die Lohnquote in Deutschland seit Jahrzehnten recht stabil, auch anhaltende wirtschaftliche Krisen haben sie allenfalls kurzfristig gedrückt.
Noch höher liegt der Anteil der Einkommen aus Arbeitsleistung am Volkseinkommen, wenn man Selbstständige und ihre mithelfenden Familienangehörigen in die Rechnung einbezieht:
Das gesamte Arbeitseinkommen betrug nach IW-Schätzung im vergangenen Jahr gut 81 Prozent des Volkseinkommens.
Die Lohnquote unterzeichnet die Einkommen der Erwerbstätigen aber noch aus einem weiteren Grund: Ihr Gegenpart, die Kapitaleinkommensquote, umfasst unter anderem Einkünfte aus Zinsen und Dividenden sowie Mieteinnahmen – diese fließen keineswegs nur Unternehmen, sondern auch Arbeitnehmern zu.