TV-Übertragungsrechte Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Liga lässt sich Pille vergolden

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat stolze 4,6 Milliarden Euro für die Vergabe der Übertragungsrechte der Ersten und Zweiten Fußballbundesliga eingenommen. Mehr noch als der gestiegenen Attraktivität der Bundesligen ist dieser Rekordpreis dem neuen Bieterverfahren geschuldet.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die DFL wird mit den Übertragungsrechten für TV, Radio und Internet in den Jahren 2017 bis 2021 stolze 1,16 Milliarden Euro pro Saison einnehmen.
  • Sky musste bei sämtlichen Paketen deutlich stärker an die finanzielle Schmerzgrenze gehen als früher.
  • Bislang hat die DFL keine Angaben dazu gemacht, zu welchen Preisen die Live-Pakete der Ersten Liga erworben wurden.
Zur detaillierten Fassung

Durch das geschickte Portionieren der Live-TV-Übertragungsrechte musste Sky deutlich stärker an seine finanzielle Schmerzgrenze gehen, als es bei einem einzigen Gesamtpaket der Fall gewesen wäre.

Die bisherige Vergabepraxis war in etwa vergleichbar mit einer Situation, in der David (viele kleine Bieter) und Goliath (Sky) in einer Konditorei (DFL) den leckersten Kuchen (Live-Übertragungsrechte für Spiele der Ersten Fußballbundesliga) kaufen möchten. Goliaths Hunger reicht für den ganzen Kuchen, Davids nur für einen Teil davon.

Da die Konditorei den Kuchen bislang nur als Ganzes verkauft hat, ist David niemals zum Zuge gekommen. Und warum hätte Goliath in diesem Fall seine wahre Zahlungsbereitschaft offenbaren oder gar mit seinem Gebot an die finanzielle Schmerzgrenze gehen sollen?

Nun hatte die Konditorei den Kuchen jedoch in kleine Stücke aufgeteilt und Goliath musste zu Recht befürchten, dass ihm viele kleine Davids mindestens eines davon wegschnappen. Zumal der Schiedsrichter (das Bundeskartellamt) plötzlich auch noch die Regel aufgestellt hat, dass kein einzelner Kunde alle Kuchenstücke kaufen darf, selbst wenn er für jedes das meiste Geld bietet. Goliath musste folglich deutlich tiefer in die Tasche greifen und die Kröte schlucken, dass auch andere ein kleines Stück vom Kuchen abbekommen würden.

Deutsche Fußball Liga macht richtig Kohle

In der Realität führt dieses Szenario dazu, dass die DFL mit den Übertragungsrechten für TV, Radio und Internet in den Jahren 2017 bis 2021 stolze 1,16 Milliarden Euro pro Saison einnehmen wird, inklusive der ausstehenden internationalen Übertragungsrechte sogar 1,5 Milliarden Euro – das sind 85 Prozent mehr als in der aktuellen Saison. Das geschickte Portionieren der Live-TV-Übertragungsrechte bedeutet auch, dass Sky bei sämtlichen Paketen deutlich stärker an die finanzielle Schmerzgrenze gehen musste, als es bei einem einzigen Gesamtpaket der Fall gewesen wäre.

Sky hat sich die Programmpakete B bis D gesichert – darunter das Must-have der Samstagnachmittagsspiele und das Filetstück der Samstagabendspiele, jedoch ein einzelnes Randpaket der Konkurrenz überlassen (müssen). Mit dem Paket A alias „Bunte Mischung“ hat Konkurrent Discovery die Übertragungsrechte für 40 Bundesligaspiele erworben – dies entspricht einem Anteil von gerade einmal 13 Prozent –, von denen die meisten auf weniger attraktive Sendeplätze fallen.

Noch viel Geheimniskrämerei

Leider macht die DFL bislang nur Angaben zum Gesamterlös der Auktion, nicht jedoch darüber, zu welchen Preisen insbesondere die jeweiligen Live-Pakete der Ersten Liga erworben wurden. Es ist davon auszugehen, dass der durchschnittliche Preis pro Spiel sehr stark schwanken dürfte und beispielsweise für Paket C (Samstagnachmittagsspiele) deutlich höher liegt als für Paket E (Sonntagsspiele). Das Paket D (Samstagabendspiele) wiederum hat wohl den höchsten Preis erzielt und ist deutlich teurer als das von Discovery erworbene Paket A (Freitagsspiele und Ausweichtermine).

Unter dem Strich ist Sky wie erwartet seiner Rolle als Goliath gerecht geworden. Die Klage, die der Sender inzwischen gegen das Alleinerwerbungsverbot eingereicht hat, ist als Zeichen dafür zu interpretieren, dass man im Gegensatz zu früher nun an die finanzielle Schmerzgrenze gehen musste – und bei künftigen Vergaben natürlich lieber zur bequemen und günstigeren Variante zurückkehren möchte. Die DFL hingegen darf sich als Sieger des Bieterverfahrens fühlen – wenngleich die englische Konditorei ihren Kuchen für noch mehr Geld an den Mann gebracht hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de