M+E-Tarifabschluss Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Laufzeit gegen Geld

In der Metall- und Elektro-Industrie haben sich die Tarifparteien in der vergangenen Woche auf einen neuen Entgelttarifvertrag geeinigt. Der Abschluss kam bereits nach zwei Monaten und in der vierten Verhandlungsrunde zustande.

Kernaussagen in Kürze:
  • In der Metall- und Elektro-Industrie haben sich die Tarifparteien in der vergangenen Woche auf einen neuen Entgelttarifvertrag geeinigt.
  • Ab Juli 2013 gibt es ein Tarifplus von 3,4 Prozent, im Mai 2014 folgt eine weitere Anhebung der Löhne um 2,2 Prozent, die dann bis Ende des Jahres gilt.
  • Anders als in früheren Jahren sieht der diesjährige Abschluss keine betrieblichen Differenzierungsmöglichkeiten vor.
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In dieser Tarifrunde setzte die IG Metall auf eine reine Entgeltrunde: Der Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn für zwölf Monate stand das Arbeitgeberangebot von 2,3 Prozent nach zwei Nullmonaten für 13 Monate gegenüber. Nachdem der Verhandlungsrahmen damit abgesteckt war, einigten sich die Tarif­parteien zügig auf einen für beide Seiten fairen Kompromiss: Die IG Metall kam den Arbeitgebern bei der Laufzeit entgegen, dafür werden die Tariflöhne in zwei Stufen erhöht (Grafik):

Ab Juli 2013 gibt es ein Tarifplus von 3,4 Prozent, im Mai 2014 folgt eine weitere Anhebung der Löhne um 2,2 Prozent, die dann bis Ende des Jahres gilt.

Damit der Kostenanstieg für die Arbeitgeber im Kalenderjahr 2013 vertretbar bleibt – hier wirkt neben der soeben beschlossenen Lohnerhöhung auch der hohe Tarifabschluss von 4,3 Prozent aus dem vergangenen Jahr noch nach –, wurden mit dem Mai und Juni zwei Nullmonate beschlossen.

Trotz der tabellenwirksamen Erhöhung um 3,4 Prozent ergibt sich im Kalenderjahr 2013, das für die Kalkulation der Unternehmen entscheidend ist, eine Entgeltsteigerung von durchschnittlich 2,96 Prozent. Im Jahr darauf folgt dann mit 3,25 Prozent ein etwas höheres Plus. ­Diese Differenzierung trägt dem Umstand Rechnung, dass sich die Konjunktur 2014 voraussichtlich etwas besser entwickeln wird als im laufenden Jahr.

Anders als in früheren Jahren sieht der diesjährige Abschluss keine betrieblichen Differenzierungsmöglichkeiten vor. Im Jahr 2006 hatten sich die Tarifpartner auf eine Einmalzahlung geeinigt, die je nach Ertragslage des Unternehmens variabel zu gestalten war – nämlich zwischen 0 und 620 Euro. Ein Jahr später gab es einen variablen Konjunkturbonus und die Möglichkeit, die zweite Stufe der Tabellenerhöhung um bis zu vier Monate zu verschieben. Der Abschluss von 2008 enthielt ähnliche Regelungen. Alle Differenzierungsmöglichkeiten waren „echte“ Öffnungsklauseln, das heißt, die Betriebsparteien ­konnten autonom darüber entscheiden, ob und wie sie die eingeräumten Spielräume nutzen.

Zu einer solchen Öffnung war die IG Metall in der laufenden Tarif­runde nicht bereit: Jede Differenzierung sollte von der Zustimmung durch die Gewerkschaft abhängig gemacht werden. Da es mit dem Instrument der Ergänzungstarifverträge solche betrieblichen Anpassungsmöglichkeiten jedoch bereits gibt, verzichteten die Arbeitgeber auf eine „unechte“ Differenzierung.

Der Verzicht wird allerdings kompensiert. Zum einen bewegt sich die Kostenbelastung auf einem Niveau, das für die meisten Betriebe finanzierbar sein sollte. Zum anderen haben die Unternehmen mit der 20-monatigen Laufzeit ein deutliches Plus an Planungssicherheit.

Die IG Metall wiederum kann als mitgliederstärkste deutsche Gewerkschaft für sich beanspruchen, seit der Wirtschaftskrise 2008 nicht nur deutliche Reallohnerhöhungen durchgesetzt zu haben, sondern im Vergleich zu anderen Branchen auch die Nase vorn zu haben.

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