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„Lass es mich tun und ich werde es verstehen“

Heute ist Girls‘ Day. Inzwischen öffnen Unternehmen und Hochschulen schon zum 17. Mal ihre Pforten für den „Mädchen-Zukunftstag“. Ziel ist es, junge Frauen an technische und naturwissenschaftliche Berufe heranzuführen. Oliver Koppel, Bildungsökonom im Institut der deutschen Wirtschaft Köln, hält den Girls‘ Day jedoch lediglich für einen ersten Schritt – erfolgversprechender seien zum Beispiel längerfristig angelegte Schülerkollegs.

Kernaussagen in Kürze:
  • Am Girls' Day können Mädchen in technische Berufe hineinschnuppern – er findet in diesem Jahr zum 17. Mal statt.
  • Aus Sicht von Oliver Koppel, Bildungsökonom im IW Köln, treffen immer noch zu viele junge Frauen ihre Berufswahl auf Basis eines zu schlechten Informationsstands – und wagen sich daher zu selten an die Technik.
  • Der Girls' Day kann zwar Hemmschwellen abbauen, noch bessere Erfahrungswerte vermitteln aber längerfristig angelegte Schülerkollegs.
Zur detaillierten Fassung

Der Girls' Day ist zu Beginn des Jahrtausends ins Leben gerufen worden, um das starre Muster junger Frauen und Mädchen bei der Wahl von Studien- und Ausbildungsberufen aufzubrechen. Gemessen an diesem selbst gesteckten Ziel ist es schwierig, ihn als Erfolgsgeschichte zu interpretieren. Befürworter verweisen zwar gerne darauf, dass die Zahl der Studienanfängerinnen in technisch-naturwissenschaftlichen Fachrichtungen inzwischen deutlich gestiegen ist – von 40.140 im Studienjahr 2003 auf zuletzt 63.111.

Die Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe von Männern und Frauen liest sich immerzu gleich.

Allerdings entscheidet sich nach wie vor nur ein knappes Viertel aller Studienanfängerinnen für ein technisch-naturwissenschaftliches Studium, bei den männlichen Studienanfängern sind es gut 53 Prozent. Des Weiteren ist Fakt, dass sich die Liste der beliebtesten Ausbildungsberufe von Männern und Frauen immerzu gleich liest:

So lernen 47 Prozent aller männlichen Auszubildenden einen Beruf mit technisch-naturwissenschaftlichem Bezug wie Elektriker und KFZ-Mechatroniker, aber nur 7,0 Prozent aller weiblichen Auszubildenden.

Auch der Girls‘ Day vermag nicht zu heilen, dass sich viele junge Frauen – ebenso wie viele junge Männer – eher schlecht informiert für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden. Die weiblichen Teenager orientieren sich häufig an ihren Freundinnen und streben im Zweifelsfall eben lieber „etwas Soziales“ oder „etwas mit Medien“ an als „etwas mit Technik“.

Ein chinesisches Sprichwort lautet: „Erzähle es mir und ich werde es vergessen. Erkläre es mir und ich werde es behalten. Lass es mich tun und ich werde es verstehen.“ Die Veranstaltungen rund um den Girls' Day sind gut geeignet, erste Hemmschwellen in Bezug auf technische Inhalte jenseits des eigenen Smartphones abzubauen. Der Schritt hin zum Behalten und Verstehen kann jedoch erst durch längerfristig angelegte Maßnahmen gelingen.

Schülerkollegs liefern echte Erfahrungswerte

Deswegen bieten viele Unternehmen inzwischen sogenannte Schülerkollegs an – oft in Kooperation mit Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen und speziell für Mädchen. Über einen längeren Zeitraum und unter Anleitung durch fachkundiges Personal entwickeln und fertigen Schülerinnen dabei in Workshops technische Gegenstände. Die Themenvielfalt reicht von Umwelttechnik über automatisierte Bewässerungsanlagen bis hin zu ferngesteuerten Autos. Ergänzende Berufsorientierung wird durch Absolventinnen gewährleistet, die im Rahmen einer Besichtigung vor Ort darüber berichten, wie ihr Joballtag im Unternehmen aussieht. Diese Kombination aus Selbermachen und authentischen Erfahrungsberichten erweist sich als echtes Erfolgsmodell.

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