IW-Konjunkturprognose Lesezeit 3 Min. Lesezeit 1 Min.

Langsam aufwärts

Nach der Vollbremsung im Winterhalbjahr 2012/13 kommt die deutsche Wirtschaft erst allmählich wieder in Gang. Das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) wird daher 2013 nur um ¾ Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegen. Für das kommende Jahr erwartet das IW Köln ein Plus von gut 1½ Prozent – nicht zuletzt, weil der Außenhandel und die Investitionen wieder expandieren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Für das kommende Jahr erwartet das IW Köln ein Plus von gut 1½ Prozent des realen BIP – nicht zuletzt, weil der Außenhandel und die Investitionen wieder expandieren.
  • Insgesamt werden die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen im laufenden Jahr voraussichtlich real um 3½ Prozent und 2014 um 5 Prozent wachsen.
  • Derzeit planen 29 Prozent der Unternehmen, in diesem Jahr zusätzliche Mitarbeiter einzustellen – lediglich 19 Prozent gehen von einem Personalabbau aus.
Zur detaillierten Fassung

Die Prognose beruht nicht zuletzt auf der Annahme, dass die Weltwirtschaft leicht Fahrt aufnimmt. Auch die meisten Euro-Krisenländer sollten 2013 die Talsohle erreichen, gleichwohl bleiben die Wachstumsperspektiven für Europa verhalten.

Diese Sichtweise wird durch die IW-Befragung von fast 3.000 Unternehmen in diesem Frühjahr untermauert. Die Firmen in Deutschland beurteilen ihre Lage aktuell etwas besser als im Herbst 2012 (vgl. iwd 47/2012). So sprechen 28 Prozent von einer günstigeren Geschäftssitua­tion, ein Viertel meldet eine Verschlechterung. Auch der Blick nach vorn lässt hoffen (Grafik):

Rund 37 Prozent der Unternehmen gehen für das Jahr 2013 von einer steigenden Produktion aus – lediglich 18 Prozent erwarten einen geringeren Output.

Dabei sind die ostdeutschen Betriebe zuversichtlicher als die westdeutschen. Zwischen den einzelnen Branchen gibt es dagegen nur geringe Abweichungen.

Auch die weiteren Ergebnisse der Konjunkturprognose (Tabelle) und der Frühjahrsumfrage sind unterm Strich recht erfreulich:

  1. Außenhandel. Die Aussichten der deutschen Unternehmen haben sich gegenüber dem Herbst 2012 deutlich verbessert – inzwischen rechnen 28 Prozent für den weiteren Jahresverlauf mit steigenden Ausfuhren, nur 15 Prozent erwarten einen Rückgang. Vor allem die westdeutschen Firmen sowie die Investitionsgüterproduzenten sind zuversichtlich.

Dies dürfte nicht zuletzt an der langsam zunehmenden weltwirtschaftlichen Dynamik liegen. Allerdings beeinträchtigen die steigenden Energie- und Lohnstückkosten die deutschen Exportchancen.

Insgesamt aber werden die Ausfuhren von Waren und Dienstleis­tungen im laufendenJahr voraussichtlich real um 3½ Prozent und 2014 um 5 Prozent wachsen.

Damit kann der Außenhandel spätestens im kommenden Jahr das Wirtschaftswachstum wieder zunehmend antreiben.

  1. Investitionen. Hier schaffen die verbesserten Produktionsaussichten, die weltwirtschaftliche Erholung und die günstigen Finanzierungsbedingungen gute Voraussetzungen für eine Trendwende. Nachdem die Unternehmen 2012 ihre Investitionen in neue Maschinen und Anlagen deutlich zurückgefahren hatten, will immerhin ein Drittel das Budget nun aufstocken; nur 22 Prozent halten Kürzungen für erforderlich.

Angesichts dessen ist für 2013 bei den Ausrüstungsinvestitionen immerhin ein Nullwachstum möglich. Im Jahr 2014 winkt ein Plus von bis zu 5½ Prozent – sofern die Politik die Rahmenbedingungen nicht zum Beispiel durch Steuererhöhungen verschlechtert. Im Bausektor sind in beiden Jahren leicht steigende Inves­titionen zu erwarten – unter anderem, weil die Nachfrage nach neuen oder modernisierten Wohnungen hoch bleibt.

  1. Arbeitsmarkt. Noch vor wenigen Monaten hatten die deutschen Unternehmen überwiegend mit einem Beschäftigungsrückgang gerechnet. Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet:

Derzeit planen 29 Prozent der Unternehmen, in diesem Jahr zusätzliche Mitarbeiter einzustellen – lediglich 19 Prozent gehen von einem Personalabbau aus.

Besonders gut sind die Aussichten im Servicesektor, wo ein Drittel der Firmen mit einem Beschäftigungszuwachs und nur ein Sechstel mit einem Rückgang rechnet.

Damit dürfte die Erwerbstätigenzahl in Deutschland nach wie vor leicht steigen – im Jahr 2014 auf fast 42 Millionen. Die Zahl der Arbeitslosen wird dann wieder unter die 2,9-Millionen-Marke sinken.

  1. Privater Konsum. Die erfreuliche Arbeitsmarktentwicklung und die damit verbundenen Einkommenszuwächse sorgen mit dafür, dass die Konsumnachfrage der privaten Haushalte das Wachstum der deutschen Wirtschaft weiterhin stützt. Auch die niedrige Teuerungsrate wirkt sich positiv aus. Insgesamt erwarten die IW-Konjunkturforscher für den privaten Konsum 2013 und 2014 daher ein reales Plus von etwa ½ bzw. 1 Prozent.

IW-Forschungsgruppe KonjunkturErholung ohne Schwung – IW-Konjunkturprognose Frühjahr 2013IW-Trends 2/2013

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de