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Lange Laufzeiten

In diesem Jahr wurde bereits in vielen wichtigen Branchen über Entgeltstrukturen und Arbeitsbedingungen verhandelt. Dabei wurden meist lange Laufzeiten zwischen 24 und 32 Monaten vereinbart, sodass sich bei den Lohnsteigerungen eine große Bandbreite ergibt.

Kernaussagen in Kürze:
  • In anderen Dienstleistungsbranchen vielen die Lohnzuwächse nicht so üppig aus wie bei der Bahn.
  • Offen ist weiterhin der Tarifkonflikt bei der Deutschen Lufthansa.
  • Durch die langen Laufzeiten und Stufenanpassungen lassen sich die Tarifabschlüsse in den einzelnen Branchen nur schwer miteinander vergleichen.
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Im ersten Quartal 2015 hatten bereits wichtige Branchen wie die M+E-Industrie, die Chemische Industrie oder der Öffentliche Dienst der Länder neue Tarifverträge geschlossen (vgl. iwd 20/2015).

Inzwischen sind andere Branchen nachgezogen: Der Deutschen Bahn gelang es schließlich, mit den konkurrierenden Bahngewerkschaften inhaltsgleiche Tarifverträge abzuschließen (Tableau). Nach elf Monaten ohne tabellenwirksame (Kasten) Erhöhungen – zu Beginn des Jahres hatte man sich lediglich auf eine Einmalzahlung geeinigt – gestand das Unternehmen der großen Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ein Plus von 3,5 Prozent zu. Im Frühjahr 2016 werden weitere 1,6 Prozent draufgesattelt.

Dieses Ergebnis übernahm einige Wochen später die GDL. Darüber hinaus setzte sie durch, dass die Wochenarbeitszeit des Zugpersonals ab 2018 um eine Stunde verkürzt wird – bei vollem Lohnausgleich.

Weil die Bahn alle Mitarbeiter gleich behandeln will, muss sie diese Arbeitszeitverkürzung auch der EVG in der nächsten Tarifverhandlung anbieten, die im Herbst 2016 ansteht.

In anderen Dienstleistungsbranchen fielen die Lohnzuwächse nicht so üppig aus wie bei der Bahn:

Im Versicherungsgewerbe steigen die Entgelte in zwei Stufen um rund 4,5 Prozent. Ähnlich sieht es in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft sowie im Einzelhandel aus. In diesen beiden Branchen haben die Sozialpartner zudem vereinbart, Verhandlungen über tarifliche Regelungen zur Gestaltung des demografischen Wandels aufzunehmen.

Bei der Deutschen Post stand diesmal weniger die Entgeltfrage als eine unternehmerische Entscheidung im Zentrum der Auseinandersetzung. ver.di mobilisierte zeitweise täglich mehr als 30.000 Streikende, um gegen die Auslagerung des Paketgeschäfts auf Regionalgesellschaften zu protestieren. Die Gewerkschaft kritisierte, dass diese neuen Gesellschaften nach regionalen Logistiktarifverträgen bezahlen, die geringere Entgelte als der Haustarifvertrag der Deutschen Post festlegen.

Der vierwöchige Ausstand verhinderte aber weder die Auslagerung, noch konnte ver.di im Gegenzug eine von ihr geforderte Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich durchsetzen. Stattdessen wurde die bestehende Beschäftigungsgarantie bis Ende Dezember 2019 verlängert und zugesichert, die Brief- und Verbundzustellung bis Ende 2018 nicht auch noch auszulagern.

Bis zu nächsten tabellenwirksamen Erhöhung im Oktober 2016 müssen sich die Postbeschäftigten mit einer Einmalzahlung begnügen.

Auffallend bei den Neuabschlüssen sind die langen Laufzeiten von 24 bis 32 Monaten. Bei Metall und Chemie waren es nur 15 und 17 Monate. Die langen Laufzeiten sind zu begrüßen, weil solange auch eine Friedenspflicht gilt, während der nicht gestreikt werden darf. Außerdem schafft dies Planungssicherheit für die Unternehmen.

Offen ist weiterhin der Tarifkonflikt bei der Deutschen Lufthansa. Sie verhandelt derzeit mit drei Gewerkschaften über Kosteneinsparungen, vor allem bei der Übergangsversorgung, die einen gut bezahlten vorzeitigen Eintritt in die Rente ermög­licht. Da sich die Tarifrunden bei der Lufthansa schon lange hinziehen, müssen die Piloten seit Frühjahr 2012 auf eine Entgelterhöhung warten. Die aufgelaufenen Forderungen liegen inzwischen bei fast 10 Prozent.

Im Sozial- und Erziehungsdienst hat die Gewerkschaft nach Streiks und einer gescheiterten Schlichtung angekündigt, den Ausstand im Oktober wieder aufzunehmen. Vorher will man aber verhandeln.

Durch die langen Laufzeiten und Stufenanpassungen lassen sich die Tarifabschlüsse nur schwer vergleichen. Hinzu kommt, dass qualitative Vereinbarungen, etwa zur Altersteilzeit oder zur Qualifizierung, wie sie jüngst in der M+E-Industrie geschlossen wurden, kaum quantifizierbar sind.

Ein zumindest grobes Bild bekommt man, wenn man die Tariflohnsteigerungen für die gesamte Laufzeit vergleicht. Dabei zeigt sich eine breite Spanne (Grafik). In den Industriebranchen ergeben sich Lohnsteigerungen von 2,6 bis 2,7 Prozent, in den Dienstleistungssektoren von 1,0 bis 2,2 Prozent.

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