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Lagerbestände bremsen Wachstum

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2015 schwächer gewachsen als erwartet. Dies war allerdings nicht nur auf das Auslandsgeschäft zurückzuführen. Vielmehr wurde die zusätzliche Nachfrage nach Konsum-, Investitions- und Exportgütern verstärkt aus Lagerbeständen statt aus der laufenden Produktion bedient.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Halbjahr 2015 mit 1,4 Prozent schwächer gewachsen als erwartet.
  • Der Außenhandel hatte noch ziemlich viel Schwung – die deutschen Exporte haben real um 5,5 Prozent zugelegt und damit so stark wie seit 2011 nicht mehr.
  • Die Investitionen sind dagegen um 2,2 Prozent zurückgegangen, vor allem weil Lagerbestände abgebaut wurden.
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Das hatten sich die meisten Konjunkturexperten wohl anders vorgestellt: In den ersten sechs Monaten des Jahres 2015 legte das reale Bruttoinlandsprodukt in Deutschland nur um 1,4 Prozent zu (Grafik). Sollen jene Prognosen aus dem Frühjahr noch erreicht werden, die das Wachstum für das gesamte Jahr auf 2 Prozent bezifferten, dann muss in der zweiten Jahreshälfte ein kräftiger Schub her.

Danach sieht es jedoch nicht aus, denn wichtige Schwellenländer wie China, Russland und Brasilien schwächeln und die niedrigen Ölpreise bremsen die deutschen Ausfuhren in die rohstoffreichen Länder.

Umso erstaunlicher ist es, dass der Außenhandel zuletzt noch ziemlich viel Schwung hatte:

Die deutschen Exporte haben im ersten Halbjahr 2015 gegenüber dem Vorjahreszeitraum real um 5,5 Prozent zugelegt – ein solcher Wert wurde seit 2011 in keinem Jahr mehr erreicht.

Auch die Importe sind in den ers­ten sechs Monaten 2015 überaus stark gewachsen. Damit hat der gesamte Außenbeitrag das Wirtschaftswachstum zuletzt zwar leicht verringert – der große Bremsklotz war die Weltwirtschaft aber nicht.

Das gilt auch für den privaten Konsum, der von Januar bis Juni im Vorjahresvergleich preisbereinigt um 2 Prozent zugenommen hat – der stärkste Anstieg seit der Jahrtausendwende. Zu verdanken war dies vor allem der höheren Kaufkraft aufgrund der niedrigen Energiepreise, aber auch der guten Arbeitsmarktlage und den damit verbundenen Einkommenszuwächsen.

Die Investitionen sind dagegen in jüngster Zeit um 2,2 Prozent zurückgegangen. Dahinter verbergen sich allerdings ganz unterschiedliche Entwicklungen. So haben die Ausrüstungen einen deutlichen Zuwachs verbucht:

Die Investitionen in Maschinen und Produktionsanlagen übertrafen im ers­ten Halbjahr 2015 den Wert des Vorjahreszeitraums um 3,4 Prozent.

Damit hat sich der 2014 begonnene Aufwärtstrend fortgesetzt.

Der Bausektor hingegen profitierte zwar vom nach wie vor expansiven Wohnungsbau, dem standen allerdings rückläufige Investitionen in der Sparte Nichtwohnbauten gegenüber – die öffentliche und die gewerbliche Bautätigkeit verzeichneten ein Minus von 3,6 beziehungsweise 2,5 Prozent.

Maßgeblich zur schlechten Inves­titionsbilanz beigetragen haben die sogenannten Lagerinvestitionen. Die zusätzliche Nachfrage nach deutschen Konsum-, Export- und Inves­titionsgütern im ersten Halbjahr 2015 wurde zum guten Teil nicht durch entsprechende Produktionssteigerungen bedient, sondern aus bestehenden Vorräten – Lagerbestände der Unternehmen wurden also abgebaut. Dies hat das Wirtschaftswachstum um etwa 0,75 Prozentpunkte abgebremst.

Allerdings sind die Daten über Lagerinvestitionen in früheren Jahren oft erheblich revidiert worden. Eine Korrektur dieses Postens könnte die bisherige Wachstums­bilanz für 2015 also durchaus noch aufpolieren.

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