Künstliche Intelligenz: Nutzen meist größer als die Kosten
In der deutschen Unternehmenslandschaft sind KI-Anwendungen noch längst nicht flächendeckend etabliert. Viele Firmen können den potenziellen Nutzen schlecht einschätzen oder schrecken vor dem Aufwand zurück, der mit der Einführung von KI-Tools verbunden ist. Jene Firmen, die bereits KI einsetzen, sagen jedoch überwiegend, dass sich der Schritt gelohnt hat.
- Nur 37 Prozent aller Industrieunternehmen und industrienahen Dienstleister in Deutschland nutzten Ende 2024 KI-Anwendungen.
- Rund 63 Prozent der Unternehmen scheuen davor zurück, KI (intensiver) einzusetzen, weil sie deren Nutzen nur schwer einschätzen können. Ein weiteres häufig genanntes Hemmnis ist der hohe Weiterbildungsbedarf.
- Zugleich sagen 48 Prozent der Firmen, die KI tatsächlich einsetzen, dass der Nutzen die Kosten übersteigt.
Wissenschaftliche Studien zeigen deutlich: Künstliche Intelligenz (KI) kann der deutschen Wirtschaft auf mehreren Wegen Auftrieb geben. Sie steigert die Arbeitsproduktivität, stärkt die Innovationskraft der Firmen und hilft, Ressourcen effizienter einzusetzen (siehe “Noch großes KI-Potenzial in Unternehmen”).
Je mehr Unternehmen diese Chancen nutzen – idealerweise über alle betrieblichen Bereiche und Wertschöpfungsstufen hinweg –, desto größer werden die positiven Effekte.
Die Realität sieht bislang jedoch anders aus:
Insgesamt nutzten Ende 2024 lediglich 37 Prozent aller Industrieunternehmen und industrienahen Dienstleister in Deutschland KI-Anwendungen.
Zudem kommen meist kostenfreie, standardisierte Tools wie ChatGPT zum Einsatz – und dies oft auch nur in einzelnen Abteilungen.
Viele Unternehmen halten sich beim Einsatz von KI noch zurück – etwa weil sie deren Nutzen nur schwer einschätzen können oder vor dem hohen Weiterbildungsbedarf zurückschrecken.
Warum so viele Unternehmen noch zögern, hat das Institut der deutschen Wirtschaft näher beleuchtet. Der Faktor Unsicherheit spielt demnach die größte Rolle (Grafik):
Rund 63 Prozent der Unternehmen aus der Industrie und den industrienahen Dienstleistungsbranchen scheuen davor zurück, KI (intensiver) einzusetzen, weil sie deren Nutzen nur schwer einschätzen können – kein anderes Hemmnis wird von den Firmen häufiger genannt.
Während von den Unternehmen ab 250 Beschäftigten nur 36 Prozent Schwierigkeiten haben, den Nutzen von KI zu beurteilen, gilt dies für 64 Prozent der Firmen mit weniger als 50 Mitarbeitern. Sie haben oft weniger Erfahrung mit neuen Technologien und verfügen über geringere Ressourcen, das entsprechende Know-how aufzubauen.
Ein weiteres verbreitetes Hindernis ist der hohe Weiterbildungsbedarf – 62 Prozent der Unternehmen sagen, dass sie ihr Personal schulen müssen, um Wissen über KI aufzubauen. Der damit verbundene finanzielle und organisatorische Aufwand, der auch auf die Anforderungen der KI-Verordnung der EU zurückzuführen ist, stellt vor allem die großen Unternehmen vor erhebliche Herausforderungen. Von ihnen nennen 77 Prozent den Schulungsbedarf als Hürde beim KI-Einsatz.
In einer tieferen statistischen Analyse haben die IW-Forscher die Hindernisse mit Blick auf die KI-Nutzung in drei Gruppen klassifiziert:
Rechtliche und organisatorische Hemmnisse. Dazu zählen neben der KI-Verordnung auch Datenschutzregelungen. Unternehmen, die im Ausland produzieren, technologieaffine Firmen sowie jene aus dem Produzierenden Gewerbe sind überdurchschnittlich häufig von solchen Hemmnissen betroffen.
Ressourcenbezogene Hemmnisse. Hierzu gehören neben dem genannten Schulungsbedarf beispielsweise der Mangel an IT-Fachkräften und KI-Dienstleistern. Von diesen Hemmnissen sind der Befragung zufolge ebenfalls Unternehmen des Produzierenden Gewerbes stärker betroffen als andere Betriebe.
Nutzenbezogene Hemmnisse. Darunter fallen neben dem schwer einschätzbaren Nutzen von KI auch Aussagen wie „Anpassung der KI an unsere Bedürfnisse ist aufwendig“ oder „Arbeitsersparnis ist nicht so hoch wie erwartet“. Hier stechen die Rückmeldungen innovationsstarker Firmen heraus – allerdings im positiven Sinne: Für sie ist diese Art von Hürden signifikant seltener relevant als für nicht innovative Unternehmen. Offenbar führen Wille und Fähigkeit, Neues auszuprobieren und zu entwickeln, dazu, auch beim Thema KI eher die Chancen als die Probleme zu sehen.
Firmen, die KI nutzen, halten deren Nutzen überwiegend für größer als die Kosten
Dies passt zu einer weiteren erfreulichen Erkenntnis aus der IW-Befragung: Wer sich auf den KI-Weg begibt, bewertet die Technologie im Rückblick meist positiv (Grafik):
48 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen, sagen, dass der Nutzen die Kosten übersteigt – nur 16 Prozent sprechen von einem ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnis.
In der Gruppe der mittelgroßen Unternehmen mit 50 bis 249 Beschäftigten ist sogar etwas mehr als die Hälfte von einem Netto-Nutzen überzeugt. Der Anteil jener, die die Kosten größer einschätzen als den Nutzen, ist wiederum bei den großen Unternehmen mit 24 Prozent am höchsten. Studien zufolge dürfte das unter anderem daran liegen, dass diese Firmen ihre komplexen, über viele Jahre gewachsenen IT-Strukturen schwerer an die Anforderungen des KI-Zeitalters anpassen können.