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Krisenländer üben Disziplin

Die beiden Krisenländer Portugal und Griechenland übten sich im Jahr 2012 in lohnpolitischer Bescheidenheit und senkten ihre Arbeitskosten deutlich. In der deutschen Industrie dagegen hat sich eine Arbeitsstunde stärker verteuert als bei der Konkurrenz.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die beiden Krisenländer Portugal und Griechenland übten sich im Jahr 2012 in lohnpolitischer Bescheidenheit und senkten ihre Arbeitskosten deutlich.
  • Portugal ist auf die Kostenbremse getreten - dort sanken die Arbeitskosten allein im Jahr 2012 um 4 Prozent.
  • Das westdeutsche Verarbeitende Gewerbe hatte 2012 im Schnitt um ein Viertel höhere Arbeitskosten als die größten Wettbewerber.
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In Griechenland liegt die Wirtschaft am Boden, die Reformen kommen kaum voran, der Steuerhinterziehung ist noch immer kein Riegel vorgeschoben worden, die Bürokratie und der Verwaltungsapparat sind weiter aufgebläht und das Rentensystem ist nicht zukunftsfähig.

Wer aber nur auf die To-do-Liste schaut, übersieht, dass sich in Griechenland auch etwas bewegt hat. Das betrifft nicht zuletzt die Arbeitskosten, also die Löhne und Personalzusatzkosten. Hier hat sich Griechenland quasi vom Saulus zum Paulus gewandelt:

  • In den 1990er Jahren stiegen die Arbeitskosten im griechischen Verarbeitenden Gewerbe noch um fast 10 Prozent pro Jahr – das war die mit Abstand stärkste Dynamik unter allen betrachteten Industrieländern.
  • Von 2000 bis 2005 wuchsen die industriellen Arbeitskosten mit durchschnittlich 6 Prozent zwar schon wesentlich langsamer, aber noch immer schneller als bei der westeuropäischen Konkurrenz.
  • In jüngster Zeit sind die Löhne und Personalzusatzkosten deutlich gesunken – 2011 um 5 und 2012 um 7 Prozent. Damit belegt Griechenland im Arbeitskostenranking nur noch einen mittleren Platz (Grafik).

Portugal ist ebenfalls auf die Kos­tenbremse getreten. Dort sanken die Arbeitskosten allein im Jahr 2012 um 4 Prozent.

Westdeutschland dagegen, dem immer der Vorwurf gemacht wird, es würde Lohndumping betreiben, verzeichnete in den vergangenen beiden Jahren mit jeweils 3,5 Prozent ein merklich größeres Arbeitskosten-Plus als die Konkurrenz. Die Folge:

Das westdeutsche Verarbeitende Gewerbe hatte 2012 im Schnitt um ein Viertel höhere Arbeitskosten als die größten Wettbewerber.

Oder anders gerechnet: Im internationalen Kostenvergleich belegt die westdeutsche Industrie den fünften Platz. Von den großen Volkswirtschaften erreicht lediglich Frankreich annähernd deutsches Niveau, während in Japan, den USA und dem Vereinigten Königreich die Arbeitskosten um ein Fünftel bis zu einem Drittel niedriger sind als in Deutschland.

Die ersten Zahlen für 2013 lassen vermuten, dass sich Deutschlands Kostenposition weiter verschlechtert. So erhöhten sich im ersten Halbjahr 2013 die Arbeitskosten in ganz Deutschland gegenüber dem ersten Halbjahr 2012 um 3,3 Prozent und damit viel stärker als in der EU insgesamt sowie im Euroraum mit einem Plus von je 2,5 Prozent.

Christoph SchröderIndustrielle Arbeitskosten im internationalen VergleichIW-Trends 3/2013

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