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Krise erfolgreich bekämpft

Nachdem die baltische Republik Ende 2008 kurz vor der Pleite gestanden hatte, ist ihre Wirtschaft heute wieder international wettbewerbsfähig. Geholfen haben ein Kreditpaket der Europäischen Union und des Internationalen Währungsfonds sowie eine strikte Sparpolitik.

Kernaussagen in Kürze:
  • Nachdem die baltische Republik Ende 2008 kurz vor der Pleite gestanden hatte, ist ihre Wirtschaft heute wieder international wettbewerbsfähig.
  • In den Jahren 2008 und 2009 brach die lettische Wirtschaftsleistung real um etwa ein Fünftel ein.
  • Nach fast 9 Milliarden Euro im Jahr 2008 gab der Staat 2010 insgesamt lediglich noch 7,9 Milliarden Euro aus.
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Viele Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) sind in den vergangenen Jahren aus unterschiedlichen Gründen wirtschaftlich ins Trudeln geraten, und die meisten tun sich äußerst schwer, die Krise zu überwinden. Doch es gibt auch erfreuliche Gegenbeispiele – eines davon ist Lettland.

Der baltische Staat erlebte nach dem EU-Beitritt 2004 zunächst einen enormen Aufschwung, der allerdings auch Löhne und Preise in die Höhe trieb und einen Boom am Immobilienmarkt auslöste. Als 2008 nach der Pleite der Lehman-Bank die Blase platzte, weil die Hauspreise fielen und die internationalen Banken der Wirtschaft den Kredithahn zudrehten, stürzte Lettland in eine schwere Rezession (Grafik):

In den Jahren 2008 und 2009 brach die lettische Wirtschaftsleistung real um etwa ein Fünftel ein.

Um die Kreditklemme abzuwenden, bat die Regierung in Riga das Ausland um Hilfe. EU, Internationaler Währungsfonds (IWF) und einige nordeuropäische Staaten sagten Kredite über 7,5 Milliarden Euro zu. Dafür musste sich Lettland aber zu schmerzhaften Anpassungsmaßnahmen verpflichten.

Dabei verzichteten die Letten – gegen den Rat des IWF – darauf, ihre eng an den Euro gebundene Währung abzuwerten. Zwar hätte eine Abwertung des Lats die lettischen Exporte verbilligt, im Gegenzug aber die Importe verteuert und so die Inflation erneut angeheizt. Auch die Zins- und Tilgungskosten für in Euro aufgenommene Kredite hätten sich erhöht.

Stattdessen schlug Lettland einen strikten Sparkurs ein:

Nach fast 9 Milliarden Euro im Jahr 2008 gab der Staat 2010 insgesamt lediglich noch 7,9 Milliarden Euro aus.

Gesamtwirtschaftliche Daten Lettlands Allein die staatlichen Personalausgaben sanken in diesem Zeitraum um rund ein Drittel. Weil Löhne und Gehälter gekürzt wurden, ging auch die Inflationsrate stark zurück und die gesamtwirtschaftlichen realen Lohnstückkosten fielen von 2008 bis 2011 um nahezu 17 Prozent. All dies trug dazu bei, dass die lettischen Unternehmen auf den internationalen Märkten wieder wettbewerbsfähig wurden. Zudem leitete die Regierung Strukturreformen ein – etwa in Form des Small Business Act, der Firmengründungen erleichterte.

Allerdings war dieser Weg sehr steinig. So musste Lettland im Zuge der schweren Rezession seine Importe massiv zurückfahren – das trieb zwar die zuvor tiefrote Leistungsbilanz 2009 ins Plus, aber viele Beschäftigte verloren ihren Job, die Arbeitslosenquote kletterte bis 2010 auf über 18 Prozent.

Im Jahr 2011 wurde Lettland jedoch für seinen Kampf belohnt – die Wirtschaft legte wieder um mehr als 5 Prozent zu und die Arbeitslosigkeit ging spürbar zurück.

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