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Kredite könnten knapper werden

Die seit Anfang 2014 EU-weit geltenden Basel-III-Regeln sollen für ein dauerhaft stabiles Finanzsystem sorgen. Die strikteren Eigenkapitalvorschriften könnten allerdings auch dazu führen, dass die Banken die Zinsen für Kredite an mittelständische Unternehmen erhöhen oder mehr Kreditanträge ablehnen als bisher.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die seit Anfang 2014 EU-weit geltenden Basel-III-Regeln sollen für ein dauerhaft stabiles Finanzsystem sorgen.
  • Insgesamt steigt die geforderte Kapitalquote bis 2018 Schritt für Schritt auf 13 Prozent der Bilanzsumme.
  • Nur rund jede fünfte Firma beurteilt die Kreditvergabe der Banken derzeit als restriktiv.
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Nie wieder Finanzkrise! Dies dürfte das Leitmotiv für die neuen Regeln gewesen sein, die der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht Ende 2010 beschlossen hat (vgl. iwd 16/2013). Seit Anfang 2014 gilt das Basel-III-Paket auch in der EU. Die Banken müssen demnach ihr Vermögen – zum Beispiel Wertpapiere – stärker als bisher mit „hartem Kernkapital“ unterlegen, zu dem unter anderem Stammaktien und Gewinnrücklagen zählen.

Weiterhin gibt Basel III vor, dass die Banken ein Eigenkapital von mindestens 8 Prozent ihrer vergebenen Kredite vorhalten müssen, und zudem für den Krisenfall noch einen Risikopuffer. Das Eigenkapital muss auch höheren qualitativen Anforderungen genügen. Insgesamt steigt die geforderte Kapitalquote damit bis 2018 Schritt für Schritt auf 13 Prozent der Bilanzsumme. Außerdem dürfen die Banken künftig langfristige Anlagen nicht mehr kurz­fristig finanzieren – ein solches Missverhältnis hatte in der Finanzkrise manche Banken derart in Bedrängnis gebracht, dass sie mit Staatshilfen gerettet werden mussten.

All diese Vorschriften sind zweifellos sinnvoll, um zu verhindern, dass das Finanzsystem erneut ins Wanken gerät. Doch zum Nulltarif ist die höhere Stabilität nicht zu haben – Schätzungen gehen von mehr als 250 Milliarden Euro aus, die die Banken in Europa zusätzlich aufbringen müssen, um ihr Eigenkapital gemäß Basel III aufzustocken. Da liegt es nahe, dass einige Geldhäuser stattdessen eher ihre Bilanz kürzen werden, indem sie weniger Kredite an Unternehmen vergeben. Vor allem längerfristige Kredite könnten seltener bewilligt werden.

Momentan kommt die Wirtschaft in Deutschland noch relativ problemlos an benötigtes Geld (Grafik):

Nur rund jede fünfte Firma beurteilt die Kreditvergabe der Banken derzeit als restriktiv.

Von den Unternehmen mit mehr als 250 Mitarbeitern beziehungs­weise mit über 50 Millionen Euro Umsatz berichtet sogar lediglich jedes siebte über Kredithürden. Insgesamt ist die Finanzierungssituation der Unternehmen damit deutlich entspannter als in früheren Jahren.

Ob das allerdings auf längere Sicht so bleibt, ist fraglich. In den Krisenländern Südeuropas sowie in Irland sieht es schon heute viel schlechter aus. Dort haben Unternehmen laut einer Befragung durch die Europäische Zentralbank große Probleme, Kredite zu bekommen.

Zwar hat die EU für Kredite an Firmen mit höchstens 50 Millionen Euro Umsatz einen sogenannten Abdiskontierungsfaktor eingeführt, sodass die Banken diese Kredite mit maximal 8 Prozent Eigenkapital unterlegen müssen, und nicht mit – einschließlich Risikopuffer – 13 Prozent. Allerdings gab es auch unter den alten Basel-II-Regeln schon Ermäßigungen für Kredite an den Mittelstand. Die Bedingungen haben sich also de facto verschlechtert. Die typischen deutschen Industriebetriebe haben zudem meist einen Umsatz von mehr als 50 Millionen Euro – die Sonderregelung gilt für sie also gar nicht.

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