Kranke Kollegen Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Krankenstand steigt wieder

Im Jahr 2011 waren Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 16 Tage krankgeschrieben. Seit dem historischen Tiefstand im Jahr 2006 nimmt der Krankenstand kontinuierlich zu.

Kernaussagen in Kürze:
  • Im Jahr 2011 waren Arbeitnehmer in Deutschland durchschnittlich 16 Tage krankgeschrieben.
  • Knapp zwei Drittel aller krankgeschriebenen Mitarbeiter kehren spätestens nach einer Woche an ihren Arbeitsplatz zurück.
  • Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts ist der Krankenstand in guten wie in schlechten Zeiten gestiegen.
Zur detaillierten Fassung

So hohe Ausfallzeiten wie Mitte der 1990er Jahre sind zwar noch nicht wieder erreicht, doch auch für 2012 deutet sich ein weiterer Anstieg an. Diese Zahlen basieren auf einer jährlichen Erhebung des Bundesverbands der Betriebskrankenkassen (BKK). Sie lassen sich recht gut auf die Gesamtwirtschaft übertragen, weil immerhin fast jeder fünfte sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer in einer Betriebskrankenkasse versichert ist. Knapp zwei Drittel aller krankgeschriebenen Mitarbeiter kehren spätestens nach einer Woche an ihren Arbeitsplatz zurück – Kurzzeitausfälle, für die der Arbeitgeber kein Attest verlangt, noch nicht eingerechnet. Langzeiterkrankungen kommen zwar selten vor, verursachen aber das Gros der Ausfalltage und damit die meisten Kosten für Arbeitgeber und Krankenversicherungen.

Der Krankenstand unterscheidet sich von Branche zu Branche deutlich: In der Medien- und Verlagswelt zum Beispiel ist er mit neun Ausfalltagen je Arbeitnehmer und Jahr sehr gering, in der Automobilindustrie mit fast 16 Tagen dagegen überdurchschnittlich hoch. Das heißt allerdings noch lange nicht, dass Beschäftigte im Dienstleistungssektor generell gesünder leben und arbeiten als Industriearbeitnehmer. Die Ausfallzeiten hängen nämlich vor allem davon ab, welche Berufe für die jeweilige Branche typisch sind. Gleisbauer oder Müllmänner zum Beispiel, die körperlich hart arbeiten und dabei auch noch Wind und Wetter ausgesetzt sind, liegen im Schnitt vier Wochen pro Jahr flach. Arbeitnehmer mit hochqualifizierten Bürojobs dagegen kommen oft nicht einmal auf eine Krankheitswoche – auch wenn sie bei einem Autobauer beschäftigt sind.

Oft heißt es: Wenn die Konjunktur schwächelt, schleppen sich die Arbeitnehmer aus Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, auch einmal krank an den Schreibtisch oder die Werkbank. Wie die Zahlen der vergangenen Jahre zeigen, ist diese Vermutung falsch. Ob in Aufschwungphasen wie 2005 bis 2008 und 2010 bis 2011, ob in einer Krise wie 2009 oder in einer konjunkturellen Abkühlung wie 2012: Seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts ist der Krankenstand in guten wie in schlechten Zeiten gestiegen.

Psychische Störungen sind mittlerweile für 13 Prozent aller Ausfalltage verantwortlich – vor 10 Jahren waren es nur 7 Prozent. Zurückzuführen ist das wohl nicht nur auf zunehmenden Stress, sondern es kann auch damit zusammenhängen, dass die Behandlung von Burn-out, Depressionen und anderen psychischen Erkrankungen in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen worden ist – und die Ärzte daher viel häufiger eine entsprechende Diagnose stellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesene

Mehr auf iwkoeln.de