Kosten und Regulierung bremsen die Unternehmen aus
Die private Wirtschaft investiert immer weniger in neue Maschinen und Anlagen in Deutschland. Als Hemmnisse für die Unternehmen erweisen sich in erster Linie die hohen Kosten und umfangreiche Regulierungen. Es gibt allerdings auch Faktoren, die aus Sicht der Firmen für Investitionen am Standort Deutschland sprechen – allen voran der lukrative Absatzmarkt und die Rechtssicherheit.
- Die privatwirtschaftlichen Investitionen in Deutschland lagen Ende 2025 um rund 12 Prozent unter dem Niveau von 2019.
- Unternehmen, die nach wie vor am heimischen Standort investieren, tun dies vor allem aufgrund des großen hiesigen Absatzmarktes und der Rechtssicherheit.
- Negativ auf die Investitionsbereitschaft wirken sich in erster Linie die hohen Arbeits- und Energiekosten, die hohe Steuerbelastung sowie die aus Sicht der Firmen ausufernde Bürokratie aus.
908 Milliarden Euro – so hoch war die gesamtwirtschaftliche Investitionssumme in Deutschland im Jahr 2025. Mit 763 Milliarden Euro entfiel der Löwenanteil auf den privaten Sektor. Das sind Zahlen, die gewaltig klingen – beim Blick auf die Entwicklung in den vergangenen Jahren allerdings deutlich an Glanz verlieren. Denn vor allem die Privatwirtschaft und hiermit maßgeblich die Unternehmen investieren seit Jahren immer weniger am heimischen Standort. Dies trägt wesentlich dazu bei, dass der Kapitalstock hierzulande kaum noch wächst. Gerade der Trend seit 2019 ist besorgniserregend (Grafik):
Während die öffentlichen Investitionen Ende 2025 in realer Rechnung um gut ein Viertel über dem Niveau des Jahres 2019 lagen, gingen die Investitionen des privaten Sektors im selben Zeitraum um rund 12 Prozent zurück.
Die Unternehmen investierten insbesondere weniger in Maschinen, Produktionsanlagen und Nutzfahrzeuge, aber auch in Geschäftsbauten – in diesen Bereichen schrumpften die Investitionen preisbereinigt um nahezu 20 Prozent.
Ohne Investitionen aber veralten die Produktionskapazitäten nach und nach, mit negativen Folgen für das Wachstumspotenzial der deutschen Wirtschaft. Vor diesem Hintergrund hat das IW in seiner jüngsten Konjunkturumfrage das Investitionsverhalten der Unternehmen in Deutschland unter die Lupe genommen.
Der stärkste Investitionstreiber für Unternehmen in Deutschland ist der hiesige Absatzmarkt – dagegen wirken sich vor allem die hohen Arbeitskosten, aber auch die überbordende Bürokratie negativ auf die Investitionstätigkeit aus.
Zunächst galt es zu klären, ob und wo die Unternehmen überhaupt investieren. Insgesamt geben 67 Prozent der befragten Firmen an, ausschließlich in Deutschland Investitionen zu tätigen, weitere 13 Prozent tun dies hauptsächlich. Lediglich 2 Prozent investieren ausschließlich oder im Wesentlichen im Ausland. 19 Prozent sagen, dass sie derzeit überhaupt kein Geld in neue Produktionsanlagen oder andere Investitionsgüter stecken – unter den Firmen mit mehr als 500 Mitarbeitern beträgt dieser Anteil allerdings nur 4 Prozent.
Doch was veranlasst die Unternehmen dazu, in Deutschland zu investieren – und was hält sie davon ab? Die IW-Konjunkturumfrage bringt auch hier Licht ins Dunkel (Grafik):
Der stärkste Investitionstreiber ist der hiesige Absatzmarkt – 45 Prozent der Unternehmen nennen den hohen Wohlstand in Deutschland sowie die zentrale Lage im europäischen Binnenmarkt als Investitionsgrund.
Zwar sehen zugleich 10 Prozent der Befragten den Einfluss des Absatzmarktes auf ihre Investitionsentscheidungen als negativ, der Saldo ist mit 35 Prozent aber so stark positiv wie bei keinem anderen der angeführten Faktoren.
Begünstigend wirkt sich daneben die Rechtssicherheit in Deutschland aus – für 44 Prozent der Unternehmen sind die verlässlichen Rechtsgrundlagen ein Argument dafür, Investitionen am heimischen Standort zu tätigen. Auch die staatliche Investitionsförderung und das unternehmensnahe Innovationsumfeld aus Hochschulen, Forschungseinrichtungen sowie Start-ups nennt eine relative Mehrheit der Firmen als Investitionstreiber.
Dem steht allerdings eine deutlich größere Zahl von Faktoren gegenüber, die die Unternehmen als erhebliche Investitionshemmnisse betrachten. Die wichtigsten drehen sich ums Geld:
Für 77 Prozent der vom IW befragten Firmen wirken sich die hohen Arbeitskosten in Deutschland negativ auf ihre Investitionen am heimischen Standort aus.
Rund zwei Drittel der Unternehmen sehen darüber hinaus die Unternehmensteuern sowie die Energiekosten als Investitionshürden. Die Kosten, die mit der Umstellung auf eine klimaneutrale Produktion verbunden sind, wirken sich für immerhin gut vier von zehn Betrieben negativ auf die Bereitschaft aus, ihre Produktionskapazitäten am Standort Deutschland zu erweitern oder zu modernisieren.
Hinzu kommt die aus Sicht der Wirtschaft ausufernde Bürokratie:
Rund sieben von zehn Unternehmen fühlen sich durch das Ausmaß der staatlichen Regulierung in ihrer Investitionstätigkeit beeinträchtigt.
Saldiert man die positiven und negativen Antworten, zählt darüber hinaus auch die Fachkräftesituation zu den Investitionshemmnissen. Rund 43 Prozent der Unternehmen haben mit Fachkräfteengpässen zu kämpfen. Andererseits sehen 27 Prozent der Unternehmen die Verfügbarkeit von gut ausgebildeten Arbeitskräften als Pluspunkt – möglicherweise steht für diese Firmen die Qualität der beruflichen und universitären Ausbildung in Deutschland im Vordergrund.