Familienarbeitszeit Lesezeit 2 Min. Lesezeit 1 Min.

Konsequenzen beachten

Die Familien­ministerin will Eltern dazu bewegen, weniger zu arbeiten. Doch die vorgeschlagene Begrenzung der Regelarbeitszeit auf 32 Stunden pro Woche für berufstätige Eltern ist mit einem dicken Fragezeichen zu versehen.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die Familienministerin will Eltern dazu bewegen, weniger zu arbeiten.
  • Unterstellt man, dass die betreffenden Eltern eine durchschnittliche Produktivität aufweisen, ergäbe sich ein Produktionsausfall von 27 Milliarden Euro.
  • Drei von vier Betrieben erlauben zum Beispiel individuell festgelegte Arbeitszeitmodelle, sodass sich familiäre und berufliche Verpflichtungen miteinander vereinbaren lassen.
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Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat nochmals deutlich gemacht, sie wolle weiter am Thema Familienarbeitszeit dranbleiben und Eltern generell die Möglichkeit einräumen, auf eine 32-Stunden-Woche zu gehen. Den Lohnausfall will sie aus Steuern finanzieren.

Abgesehen von den fiskalischen Kosten stellen auch arbeitsmarktpolitische und volkswirtschaftliche Erwägungen diesen Vorstoß infrage. Denn es geht um eine recht große Gruppe von Arbeitnehmern. So stellen Eltern mit Kindern bis 16 Jahre rund 30 Prozent der Erwerbstätigen (Grafik). Eltern mit bis zu dreijährigen Kindern machen noch knapp 7 Prozent aller Berufstätigen aus.

Würde man die Arbeitszeit aller Eltern mit Kleinkindern, die bisher mehr als 32 Stunden pro Woche arbeiten, auf maximal 32 Stunden begrenzen, fehlten pro Jahr rechnerisch rund 590 Millionen Arbeitsstunden – das entspricht 360.000 Vollzeitarbeitsplätzen.

Unterstellt man, dass die betreffenden Eltern eine durchschnittliche Produktivität aufweisen, ergäbe sich ein Produktionsausfall von 27 Milliarden Euro.

Noch weit größer wäre der Effekt, wenn alle Eltern mit Kindern bis 16 Jahre ihre Arbeitszeit auf höchstens 32 Stunden herunterschrauben. In diesem Fall würden 1,5 Millionen Vollzeitarbeitnehmer fehlen, die jährlich Güter und Dienstleistungen im Wert von rund 110 Milliarden Euro produzieren.

Es ist unsicher, ob durch den Vorschlag berufstätige Mütter oder Väter, die bislang weniger als 32 Stunden pro Woche arbeiten, motiviert würden, ihre Arbeitszeit auszuweiten. Nur wenn die Reduzierung der Arbeitsstunden bei einem von beiden durch eine Ausweitung beim anderen kompensiert würde, bliebe das gesamtwirtschaftliche Arbeitsvolumen unverändert. Eine Begrenzung auf 32 Stunden könnte in den Bereichen problematisch sein, in denen Eltern mit Kleinkindern in Engpassberufen arbeiten.

Eine gesetzliche Förderung eines bestimmten Arbeitszeitmodells für berufstätige Eltern ist aber noch aus einem anderen Grund unnötig: Arbeitsfreie Nachmittage oder eine Reduzierung der Arbeitszeit zur Betreuung von Kindern – aber auch zur Pflege von Angehörigen – sind in vielen Unternehmen längst gang und gäbe (vgl. iwd 31/2013).

Drei von vier Betrieben erlauben zum Beispiel individuell festgelegte Arbeitszeitmodelle, sodass sich familiäre und berufliche Verpflichtungen miteinander vereinbaren lassen.

Demzufolge ist es auch kein Wunder, dass nach einer Befragung des Familienministeriums im Jahr 2013 rund 85 Prozent der berufstätigen Eltern mit ihren Arbeitszeiten zufrieden waren. Acht von zehn Befragten konnten die Lage und Verteilung der Arbeitszeit nach Absprache mit ihrer Führungskraft verändern. Wenn eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter einen Teilzeitwunsch äußerte, wurde das ebenfalls in acht von zehn Fällen vom Chef unterstützt. Eine deutliche Mehrheit der Teilzeitbeschäftigten sieht sich auch nicht in ihrem beruflichen Fortkommen beeinträchtigt.

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