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Konkurse haben keine Konjunktur

Zwar wird die deutsche Wirtschaft derzeit durch internationale Konflikte und die schwache Wirtschaft in Europa ausgebremst. Dennoch ist die Zahl der Insolvenzen auch im vergangenen Jahr weiter zurückgegangen – auf den niedrigsten Stand seit nunmehr 15 Jahren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Seit der Einführung des einheitlichen Insolvenzrechts im Jahr 1999 sind noch nie so wenig Unternehmen Pleite wie im Jahr 2014
  • Ein Grund: Die Unternehmen haben eine bessere Eigenkapitalausstattung
  • Und: Die Binnenkonjunktur ist stabil
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Im Vergleich zum ohnehin guten Jahr 2013 ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland 2014 noch einmal um fast 9 Prozent gesunken (Grafik):

Im vergangenen Jahr mussten nur noch 23.730 Firmen zum Insolvenzgericht – so wenige wie nie zuvor seit der Einführung des einheitlichen Insolvenzrechts im Jahr 1999.

Die wirtschaftlichen Schäden durch die Insolvenzfälle waren zwar mit rund 26 Milliarden Euro immer noch beträchtlich – doch auch dies ist der zweitniedrigste Wert seit gut zehn Jahren.

Diese Zahlen beruhen allerdings auf Hochrechnungen, denn bislang liegen nur die Daten bis einschließlich September vergangenen Jahres vor. Dennoch gibt es kaum einen Zweifel daran, dass sich der positive Trend der vergangenen Jahre fortsetzt: Von Januar bis September 2014 wurden 8,7 Prozent weniger Insolvenzverfahren eröffnet als im gleichen Vorjahreszeitraum.

Dabei schnitten die alten Bundesländer nach Schätzungen der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mit einem Rückgang um 9 Prozent noch ein wenig besser ab als Ostdeutschland, wo die Insolvenzzahlen um etwa 8,5 Prozent sanken. Damit gingen auch im Osten nicht einmal mehr halb so viele Firmen pleite wie noch vor zehn Jahren.

Dieser kräftige Rückgang scheint auf den ersten Blick nicht so recht zur derzeitigen deutschen Konjunktur zu passen – immerhin herrschte im zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres mit Wachstumsraten von minus 0,1 und 0,1 Prozent Stag­nation. Doch die rückläufigen Pleitenzahlen sind vor allem strukturell begründet: Die Unternehmen haben eine bessere Eigenkapitalausstattung als je zuvor in der Nachkriegszeit, und wenn es einmal eine Durststrecke gibt, schützt ein ordentliches Kapitalpolster vor der Insolvenz (vgl. iwd 4/2014).

Ein weiterer Grund für die niedrigen Insolvenzzahlen ist die stabile Binnenkonjunktur: Auch in einem Exportland wie Deutschland ist das Gros der Unternehmen auf den heimischen Markt ausgerichtet. Das gilt insbesondere für die Dienstleis­ter, den Handel und die Bauwirtschaft – in diesen Wirtschafts­sektoren ist von Krisenstimmung bislang nichts zu spüren.

Aus statistischer Sicht spielt zudem die schrumpfende Zahl der Firmengründungen eine Rolle. Das hängt mit dem boomenden Arbeitsmarkt zusammen: Je mehr Jobs es gibt, desto niedriger ist in der Regel die Zahl jener Unternehmensgründungen, die nur aus der Not heraus vorgenommen werden, also mangels Alternativen. Und gerade diese Gründer drängen in die Bereiche Dienstleistungen, Gastronomie und Handel, was oft einen „Drehtür­effekt“ bewirkt – die einen rein, die anderen raus. Kommen aber weniger neue Firmen auf den Markt, werden auch weniger bestehende Betriebe durch Newcomer verdrängt.

Und schließlich gehen heute auch weniger junge Betriebe pleite. Bei den bis zu zwei Jahre alten Betrieben, die oft an einem nicht tragfähigen Konzept scheitern, fällt der Rückgang der Insolvenzfälle mit 17 Prozent am kräftigsten aus.

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