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Konkurrenz abgehängt

Die deutschen Autohersteller fahren ihren europäischen Konkurrenten davon. Denn französische und italienische Autobauer leiden nicht nur unter der Schwäche ihrer Heimatmärkte. Sie werden auch von den koreanischen Herstellern ausgebremst, die ebenfalls Kleinwagen en masse produzieren.

Kernaussagen in Kürze:
  • Die deutschen Autohersteller fahren ihren europäischen Konkurrenten davon.
  • Weltweit trägt jeder fünfte Neuwagen das Logo einer deutschen Konzernmarke.
  • Allein die deutsche Autoindustrie investiert pro Jahr 20 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung, davon 3 bis 4 Milliarden Euro in alternative Antriebssysteme.
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Dieser Tage macht Opel einmal mehr Schlagzeilen. Von Werkschließungen in Deutschland ist die Rede. Ein Blick in die aktuelle Statistik der Neuzulassungen zeigt, warum das Thema gerade jetzt wieder hochkocht. Im ersten Halbjahr 2012 hat die Opel-Mutter General Motors (GM) in Europa fast 11 Prozent weniger Fahrzeuge verkauft als im Vorjahreszeitraum (Grafik).

Im Vergleich dazu sind die deutschen Autohersteller weitgehend in der Spur geblieben. Daimler konnte bei den Zulassungen sogar leicht zulegen.

Dabei treffen BMW, Mercedes, Audi und VW nicht nur den Geschmack der europäischen Kunden. Auch jenseits der Ozeane kommt Vorsprung durch Technik offenbar gut an:

Weltweit trägt jeder fünfte Neuwagen das Logo einer deutschen Konzernmarke. Im Wachstumsmarkt China liegt Deutschlands Marktanteil sogar noch etwas höher.

Den französischen und italienischen Herstellern, die vorwiegend Kleinwagen für die heimischen Käufer produzieren, brechen dagegen die Märkte weg:

Die Neuzulassungen sanken im ersten Halbjahr 2012 gegenüber dem Vorjahr in Frankreich um 14,4 Prozent, in Italien um 19,7 Prozent und in Spanien um 8,2 Prozent.

In der Folge erlitten FIAT, PSA und die Renault-Gruppe starke Absatzeinbußen. Die Neuzulassungen der französischen Marken sanken um jeweils gut 13 Prozent – auch weil die Abwrackprämie 2011 in Frankreich auslief. Italienische Marken wie FIAT schrumpften ebenfalls zweistellig. Sie spüren die durch die Staatsschuldenkrise gewachsene Zurückhaltung der Käufer.

Die Fokussierung der Franzosen und Italiener auf Kleinwagen und ihre Heimatmärkte rächt sich damit. Die Auslastung der Werke in Italien und Frankreich liegt einer aktuellen Studie zufolge nur bei 54 respektive 60 Prozent – zu wenig, um Gewinn zu machen. Damit fehlt Geld für Investitionen und die Entwicklung neuer Antriebskonzepte, die über die Zukunftsfähigkeit der Branche entscheiden.

Allein die deutsche Autoindustrie investiert pro Jahr 20 Milliarden Euro in die Forschung und Entwicklung, davon 3 bis 4 Milliarden Euro in alternative Antriebssysteme.

Langfristig hat sich die Modellpolitik der deutschen Autohersteller ausgezahlt:

In Deutschland wurden 2011 gut 5,9 Millionen Pkws gebaut, etwa 800.000 mehr als im Jahr 2000.

In Frankreich liefen 2011 nur noch 1,9 Millionen Fahrzeuge vom Band, eine Million weniger als 2000.

In Italien sank die Produktion sogar um zwei Drittel auf gut 500.000 Pkws.

Erschwert wird die Lage der süd­europäischen Hersteller aber auch durch den Erfolg der Koreaner, die sich ebenfalls auf preiswerte Modelle spezialisiert haben und so den europäischen Markt erobern.

Den Weg freigemacht für KIA und Co. hat nicht zuletzt Brüssel. Denn die Europäische Union hat im vergangenen Jahr ein Freihandelsabkommen mit Südkorea geschlossen, dass den Import von Pkws stark erleichtert.

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